Der Ex-Polizist Derek Chauvin bei einer Anhörung im Fall des Mordes an dem Schwarzen George FLoyd (Archivbild). | AP

Tötung George Floyds Chauvins Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Stand: 03.06.2021 09:21 Uhr

Nach dem Tod des US-Afroamerikaners George Floyd ist ein weißer Polizist bereits wegen Totschlags verurteilt worden. Das Strafmaß steht noch aus. Verteidigung und Anklage liegen in ihren Forderungen Jahrzehnte auseinander.

Im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd fordert die Verteidigung eine Bewährungsstrafe für Derek Chauvin. Der ehemalige Polizist, der wegen Mordes zweiten Grades an George Floyd schuldig gesprochen wurde, sitzt derzeit in Einzelhaft und wartet auf das Strafmaß, über das der Richter entscheidet.

Chauvin habe seine Arbeit nach besten Wissen getan, habe einen Fehler gemacht, aber sei sich keines Verbrechens bewusst gewesen, als er sein Knie auf den Hals des Opfers gepresst habe, hieß es in dem Antrag von Anwalt Eric Nelson.

Verteidigung: Chauvin im Gefängnis besonders gefährdet

Sein Mandant sei ein ganz normaler Mann mit Familie und Freunden, als Polizist allerdings das Produkt eines kaputten Systems. Der Ex-Polizist habe bis zu seiner Festnahme keine rechtlichen Probleme gehabt. Er habe "hart gearbeitet und ein gesetzestreues Leben" geführt.

Außerdem sei er im Gefängnis besonders gefährdet, müsse Angst haben, dass andere Häftlinge ihm etwas antun. Deshalb solle seine jetzige Haft angerechnet, der Rest zur Bewährung ausgesetzt werden, fordert der Nelson.

Die Staatsanwaltschaft fordert dagegen 30 Jahre Haft für Chauvin - eine härtere Bestrafung als es die normalen Regeln für jemanden ohne Vorstrafe vorsehen. Sie begründete dies mit der besonderen Schwere der Tat. Zudem würde eine lange Haftstrafe "die tiefgreifenden Auswirkungen des Verhaltens des Angeklagten auf das Opfer, die Familie des Opfers und die Gemeinde berücksichtigen".

Schuldig wegen Mord zweiten Grades

Die Geschworenen hatten Chauvin Ende April unter anderem des Mordes zweiten Grades schuldig gesprochen. Weil Richter Cahill die besondere Schwere der Tat bereits anerkannt hat, gilt eine geringe Strafe als unwahrscheinlich. Chauvin hatte auf nicht schuldig plädiert.

Sein Verteidiger hatte argumentiert, dass die Gewaltanwendung gerechtfertigt gewesen sei, weil sich Floyd der Festnahme widersetzt habe. Zudem vertrat er die Meinung, dass Floyds Tod nicht primär auf Gewalteinwirkung zurückging, sondern vor allem auf bestehende Herzprobleme und Rückstände von Drogen in seinem Blut. Experten der Staatsanwaltschaft hatten diese Argumentation zurückgewiesen.

Auf Videos ist dokumentiert, wie Polizisten den Unbewaffneten zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Schließlich verlor Floyd das Bewusstsein und starb. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

Urteil am 25. Juni

Neben Chauvin sind drei weitere am Einsatz gegen Floyd beteiligte Ex-Polizisten angeklagt. Sie werden in einem Verfahren in Minneapolis ab März kommenden Jahres vor Gericht stehen. Ihnen wird Beihilfe zur Last gelegt. Auch ihnen könnten mehrjährige Haftstrafen drohen.

Unabhängig von dem Verfahren in Minnesota ist gegen Chauvin auch vor einem Bundesgericht Anklage erhoben worden. Das US-Justizministerium teilte zur Begründung mit, dem Beschuldigten werde vorgeworfen, Floyd vorsätzlich seiner verfassungsmäßigen Rechte beraubt zu haben. Die Verkündung des Strafmaßes gegen Chauvin ist für den 25. Juni geplant.

Mit Informationen von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juni 2021 um 06:43 Uhr.