Rettungskräfte und Bewohner arbeiten in der von Erdrutschen und Überschwemmungen betroffenen Bergregion.  | dpa

Erdrutsch in Brasilien Mehr als 100 Tote nach Unwetter

Stand: 17.02.2022 07:39 Uhr

Nach heftigem Regen und Erdrutschen in Brasilien ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 104 gestiegen. Viele Menschen werden noch vermisst, Hunderte sind obdachlos. Die Regierung warnt vor weiteren Regenfällen.

Bei Erdrutschen und Überschwemmungen in Folge von heftigem Regen sind in der Bergregion von Rio de Janeiro mindestens 104 Menschen gestorben. Dies berichtete das brasilianische Nachrichtenportal "G1". Demnach waren acht Kinder unter den Opfern.

Die Zahl der Toten könne noch steigen, zitierte die Nachrichtenagentur Agência Brasil den Bürgermeister von Petrópolis, Rubens Bomtempo. 400 Soldaten wurden zur Unterstützung der Such- und Rettungsteams entsandt.

Hunderte Menschen obdachlos

Die Zahl der Verschütteten war zunächst nicht bekannt, Feuerwehr und Bewohner suchten nach ihnen unter Trümmern und Schlamm. Insgesamt 24 Personen wurden lebend gerettet. Mindestens 80 Häuser wurden von einer Schlammlawine erfasst, mehr als 180 Bewohner von Risikogebieten wurden dem Zivilschutz zufolge in Schulen untergebracht, 372 Personen wurden obdachlos.

Die brasilianische Regierung warnte vor einem "sehr hohen" Risiko neuer Erdrutsche in der Region, insbesondere in Petrópolis.

Menschen stehen in einer Schlammlawine in Petrópolis. | REUTERS

Das Unwetter war über die auf mehr als 800 Meter Höhe liegende Stadt Petrópolis und Umgebung hereingebrochen. In drei Stunden fielen nach amtlichen Angaben 258 Liter Regen pro Quadratmeter - so viel wie in den in den 30 Tagen zuvor. Bild: REUTERS

"Fast eine Kriegssituation"

Am Dienstag hatte es nach Angaben des Meteorologie-Senders Climatempo in sechs Stunden mehr geregnet, als für den gesamten Monat Februar erwartet worden war. "Es war der schlimmste Regen in Petrópolis seit 1932", sagte Gouverneur Cláudio Castro. Hänge rutschten ab, Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen, Straßen waren blockiert. "Es ist fast eine Kriegssituation", sagte Castro.

Bei den Bergungs- und Aufräumarbeiten waren Hunderte Feuerwehrleute und Polizisten im Einsatz. "Unsere Aufgabe ist es nun, das Leben in der Stadt wieder in Gang zu bringen", sagte Castro. "Wir haben Teams und Maschinen mobilisiert und werden alles Nötige tun, um die Stadt wieder aufzubauen und den Schmerz der Familien der Opfer zu lindern." Sowohl staatliche als auch private Spendenaktionen liefen an.

Häuser sind nach einem Erdrutsch völlig zerstört. Mindestens 80 Häuser wurden laut Berichten von einer Schlammlawine erfasst. | dpa

Häuser sind nach einem Erdrutschvöllig zerstört. Mindestens 80 Häuser wurden laut Berichten von einer Schlammlawine erfasst, mehr als 300 Personen mussten demnach ihre Häuser verlassen. Bild: dpa

Regierung warnt vor neuen Regenfällen

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, der sich derzeit auf Staatsbesuch in Russland aufhält, sprach bei einer Pressekonferenz von einer "Katastrophe". Er wünschte den Angehörigen der Opfer "Gottes Trost". Am Freitag will er das Gebiet selbst besuchen.

Im Januar, Februar und März kommt es in Rio und der Region immer wieder zu heftigen Regenfällen. Hinzu kommt, dass die Bewohner ihre Häuser oft illegal an erdrutschgefährdete Berghänge gebaut haben.

Für die kommenden Tage warnte die Regierung vor neuen Regenfällen, die neue Überschwemmungen verursachen könnten.

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Zahlreiche Tote durch Erdrutsche und Überschwemmungen in Brasilien

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2022 um 23:29 Uhr in der Sendung "Das war der Tag" sowie tagesschau24 am 17. Februar 2022 um 09:00 Uhr.