Antony Blinken | EPA

Schönbach-Eklat Blinken sieht USA und Europa vereint

Stand: 23.01.2022 19:52 Uhr

Die Ukraine zeigt sich nach dem Eklat um den zurückgetretenen Marine-Inspekteurs Schönbach zutiefst irritiert. Nun versucht US-Außenminister Blinken zu beruhigen: Die USA und Europa seien geeint.

Nach der Kritik an Deutschlands Verhalten in der Ukraine-Krise hat US-Außenminister Antony Blinken der Bundesregierung ausdrücklich sein Vertrauen ausgesprochen. Die Bundesregierung teile sehr die Besorgnis der US-Regierung und auch die Entschlossenheit, schnell, effektiv und vereint zu antworten, sagte Blinken im Fernsehsender NBC. Er habe mit Kanzler Olaf Scholz zusammengesessen und ihm sehr genau zugehört, so Blinken.

"Deutsche Arroganz und Größenwahn"

Zuvor hatte der inzwischen zurückgetretene deutsche Marine-Inspekteur Kay-Achim Schönbach für einen Eklat gesorgt. Er äußerte Verständnis für Russlands Staatschef Wladimir Putin. Aus der Ukraine kam daraufhin massive Kritik. Von einem "Scherbenhaufen" sprach der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk. Das stelle "die internationale Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit Deutschlands - nicht nur aus ukrainischer Sicht - massiv in Frage", sagte er der "Welt". Aus den Äußerungen Schönbachs spreche "deutsche Arroganz und Größenwahn".

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, kritisierte hingegen den Umgang mit Schönbach. "Wenn ich noch im Amt wäre, hätte ich mich vor Admiral Schönbach gestellt, und ich hätte versucht, seine Entlassung zu verhindern - und zwar mit allen Mitteln", sagt er im Interview mit tagesschau24. Im Kern habe dieser die US-Position wiedergegeben - und damit die des engsten Verbündeten Deutschland.

Wie vorgehen?

Seit Tagen bemühen sich Diplomaten um eine Entschärfung des Konflikts. Die USA und ihre westlichen Verbündeten verlangen einen Rückzug der an der ukrainischen Grenze zusammengezogenen russischen Truppen. Im Gegenzug fordert Moskau Sicherheitsgarantien und ein Ende der Osterweiterung des westlichen Militärbündnisses NATO, durch die sich Russland bedroht sieht.

US-Außenminister Blinken bekräftigte in einem CBS-Interview, dass Russland auch andere Taktiken verfolge, ohne Truppen in die Ukraine zu schicken. Zu Forderungen der Ukraine, bereits jetzt härter gegen Moskau vorzugehen, sagte Blinken: "Was die Sanktionen betrifft, so ist das Wichtigste, was wir tun können, sie als Abschreckung einzusetzen, als Mittel, um Russland von weiteren Aggressionen abzuhalten."

EU-Außenminister sprechen mit Blinken

Die Außenminister der EU-Staaten wollen sich morgen mit Blinken über die jüngsten Entwicklungen im Konflikt mit Russland austauschen. Nach Angaben des Auswärtigen Dienstes der EU wird sich der amerikanische Politiker dazu per Videokonferenz zu einem physischen Treffen der europäischen Minister in Brüssel zuschalten. Thema der Beratungen soll unter anderem der Umgang mit als inakzeptabel erachteten Forderungen Russlands sein.

Mit Informationen von Katrin Brandt, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2022 um 20:00 Uhr.