Die Schnellstraße I-90 in Chicago. | AP

US-Großstadt Chicago Wo Bidens Infrastrukturpaket Leben retten soll

Stand: 17.11.2021 04:47 Uhr

US-Präsident Biden hat die großangelegten Infrastruktur-Investitionen freigegeben. In Chicago sollen sie helfen, dass sauberes Wasser durch die Leitungen fließt - und so Leben retten.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Gerade hat US-Präsident Biden das Infrastrukturpaket unterzeichnet. Kommunen, Städte und Bundesstaaten warten dringend auf den Geldregen aus dem Staatssäckel, um Straßen, Brücken oder das Schienennetz zu modernisieren. Auch Chicago wartet auf Unterstützung. In rund 70 Prozent aller Haushalte liegen immer noch alte Bleileitungen, die das Trinkwasser vergiften und vor allem bei Kindern bleibende Schäden auslösen können.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Kaffee kochen, Zähne putzen oder Salat waschen - sauberes Trinkwasser sollte in den USA eigentlich an der Tagesordnung sein. Aber in Chicago und in vielen anderen Teilen des Bundesstaats Illinois ist die Trinkwasserqualität schlecht. Und das, obwohl der riesige Süßwassersee Lake Michigan direkt vor der Haustür liegt. Der Grund: zwei Drittel aller Haushalte beziehen ihr Wasser aus Bleirohren - mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Leitungen werden nur sehr langsam ausgetauscht

"Chicago hat mehr Bleileitungen als jede andere Stadt des Landes, und wir tun nichts dafür, diese Bleileitungen zu entfernen", beklagt Anna-Lisa Castle von der Alliance for the Great Lakes in Chicago. Zwar haben Chicagos Bürgermeisterin Lori Lightfoot und auch die US-Umweltbehörde EPA das Problem erkannt, aber passieren tut bislang nur wenig.

Ein Pilotprojekt der Stadt Chicago sieht vor, die Bleirohre in den kommenden 50 Jahren auszutauschen - viel zu langsam, kritisiert Anna-Lisa Castle.

Das sind zwei Generationen von Kindern, die möglicherweise Blei im Trinkwasser ausgesetzt sind. Das Tempo, mit dem Bleirohre ausgetauscht werden, ist inakzeptabel langsam und die geschätzten Kosten inakzeptabel hoch. Die Zeit drängt.

Besonders Minderheiten betroffen

In Flint, im Nachbarstaat Michigan, erlitten zehntausende Menschen Bleivergiftungen, gerade musste der Staat 600 Millionen Dollar Schadenersatz an die Betroffenen bezahlen. Soweit ist es in Chicago noch nicht, aber vor allem in Stadtvierteln mit geringem Einkommen weist das Leitungswasser oft einen zu hohen Bleigehalt auf, sagt Ann Evans von der Nonprofit-Organisation "Elevate in Chicago".

"Besonders hoch ist die Konzentration in Chicagos South und West Side. Also vor allem in den schwarzen und braunen Communities." Elevate führt Wassertestungen durch und gibt umsonst Filter und Trinkwasser in Plastikflaschen aus, um langfristige Schädigungen durch das Blei bei Kindern zu verhindern.

Blei ist ein Nervengift, das das Gehirn schädigt. Kinder, die eine Bleivergiftung haben, haben zum Beispiel mehr Probleme lesen zu lernen. Sie haben Schwierigkeiten mit ihrem Sozialverhalten. Und es ist wahrscheinlicher, dass sie mit der Polizei in Konflikt geraten.

15 Millionen US-Dollar sollen Abhilfe schaffen

Umwelt-Ungerechtigkeit und soziale Benachteiligung - mitverursacht durch hoffnungslos veraltete Infrastruktur. Dazu kommt, dass in Chicago das Wasser nicht nur belastet, sondern auch noch sehr teuer ist. 15 Millionen US-Dollar sieht das Investitionspaket der US-Regierung vor - für die Verbesserung der Wasserinfrastruktur.

Ich denke schon, dass die Dollar aus der Bundeskasse helfen werden, die Bleileitungen auszutauschen. Aber ich denke auch, dass die Regierung dem eine Priorität geben muss und den Prozess beschleunigen muss.

Ein Anfang ist gemacht, sagt Ann Evans. Und hofft, dass die Mittel aus der Bundeskasse schnell und unbürokratisch fließen - und nicht nur Tropfen auf dem heißen Stein sein werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. November 2021 um 05:26 Uhr.