US-Truppen in Afghanistan (Archivbild). | AFP

US-Truppen in Afghanistan Biden will Abzug bis 11. September

Stand: 14.04.2021 04:17 Uhr

Ex-Präsident Trump hatte mit den Taliban vereinbart, dass die US-Truppen Afghanistan bis zum 1. Mai verlassen. Sein Nachfolger Biden lässt den Termin verstreichen - und hat nun ein neues, symbolträchtiges Datum gewählt.

US-Präsident Joe Biden will nach Angaben aus Regierungskreisen alle US-Truppen aus Afghanistan bis zum 11. September abziehen - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte nach übereinstimmenden Agenturberichten, der Abzug solle noch vor dem 1. Mai beginnen und spätestens bis zum 11. September abgeschlossen sein.

Die Anschläge vom 11. September 2001, für die das Terrornetz Al-Kaida verantwortlich gemacht wurde, hatten den Einmarsch der US-geführten Truppen in Afghanistan ausgelöst. Der internationale Militäreinsatz führte zum Sturz des Taliban-Regimes. Es hatte sich geweigert, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern.

Noch 2500 US-Soldaten am Hindukusch

Biden steht unter Druck, rasch über einen Fahrplan für einen Abzug der US-Soldaten zu entscheiden, weil davon auch der Einsatz anderer internationaler Truppen in Afghanistan abhängt.

Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte Washington mit den Taliban einen Abzug bis zum 1. Mai vereinbart. Im Gegenzug gingen die Taliban mit der Regierung in Kabul direkte Friedensgespräche ein, die seit September im Golfemirat Katar laufen. Diese brachten allerdings bisher kaum nennenswerte Fortschritte.

Biden hatte bereits seit Wochen deutlich gemacht, dass er die von Trump vereinbarte Frist verstreichen lassen würde. Zuletzt war der Termin so nahe gerückt, dass ein geordneter Abzug der noch verbliebenen 2500 US-Soldaten vom Hindukusch äußerst schwierig geworden wäre.

Biden will sich heute zu seinen Plänen für den Abzug äußern. Das Weiße Haus kündigte an, Biden werde sich um 14.15 Uhr (Ortszeit/20.15 Uhr MESZ) zum weiteren Vorgehen in Afghanistan und dem Fahrplan für einen Abzug äußern. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte am Dienstag, der Abzug sei nicht an Bedingungen geknüpft.

Regierungsvertreter: Abzug wird mit Nato koordiniert

Der Abzug soll auch ein zentrales Thema einer Schalte der Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Staaten heute sein. Der US-Regierungsvertreter sagte, der Abzug werde mit NATO-Staaten und anderen Partnern koordiniert. "Wir sind gemeinsam hineingegangen, haben uns gemeinsam abgestimmt, und jetzt werden wir uns darauf vorbereiten, gemeinsam wegzugehen."

Die Bundesregierung hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Ende des NATO-Einsatzes in Afghanistan vom Erfolg der Friedensverhandlungen zwischen den militant-islamistischen Taliban und der Regierung in Kabul abhängig machen. Der US-Regierungsvertreter begründete den neuen Termin für ein Ende des Einsatzes damit, dass ein überhasteter und schlecht koordinierter Abzug die internationalen Trupen gefährden könnte. Er betonte, der 11. September sei das späteste Datum, um den Abzug abzuschließen. Das Ziel könnte bereits deutlich früher erreicht werden.

Taliban sagen Teilnahme an Friedenskonferenz ab

Die Aufständischen hatten zuletzt neue Gewalt gegen NATO-Truppen angedroht, sollte die Frist bis zum 1. Mai nicht eingehalten werden. Als Reaktion auf die neuen Pläne der USA schlossen die Taliban am Dienstag ihre Teilnahme an einer geplanten Friedenskonferenz vor einem vollständigen Abzug der internationalen Truppen aus. Man werde an keiner Konferenz teilnehmen, die Entscheidungen über Afghanistan treffen soll, bis sich alle ausländischen Streitkräfte komplett aus dem Land zurückgezogen hätten, schrieb ein Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Mohammad Naeem, auf Twitter. Eine US-initiierte Afghanistan-Konferenz in Istanbul Ende des Monats soll den afghanischen Friedensprozess beschleunigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. April 2021 um 20:00 Uhr.