US-Präsident Biden verlässt nach einer Rede zur Lage in Afghanistan das Podium im Weißen Haus. | AP

US-Abzug aus Afghanistan Biden wehrt sich gegen immer lautere Kritik

Stand: 17.08.2021 04:40 Uhr

US-Präsident Biden hat seine Abzugsentscheidung aus Afghanistan verteidigt. Doch nicht nur bei den oppositionellen Republikanern wird die Kritik am unkoordinierten Vorgehen - so der Vorwurf - immer lauter.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Präsident Biden hat eine Warnung für die Taliban: "Falls sie unser Personal angreifen oder unseren Einsatz unterbrechen, wird die Antwort schnell und kraftvoll kommen", drohte der Präsident gestern in seiner Fernsehansprache. Im Moment sichert das US-Militär mit 2500 Soldaten den Flughafen Kabul ab, um tausende US-Bürger und afghanische Ortskräfte ausfliegen zu können, nachdem die Taliban am Sonntag die Stadt eingenommen hatten. In den nächsten Tagen sollen es bis 6000 Soldaten werden.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Die US-Botschaft in Kabul ist inzwischen geräumt, ein Teil der Mitarbeiter setzt die Arbeit vom Flughafen aus fort und gibt Visa aus. Biden, der von vielen Seiten kritisiert wird, bereut nach eigenen Angaben nichts. Er stehe aufrecht hinter seiner Entscheidung, die amerikanischen Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Nach zwanzig Jahren habe er auf die harte Tour gelernt, dass es nie einen richtigen Moment dafür gibt. Mehr noch, gerade diese Ereignisse zeigen ihm, dass es nichts gebracht hätte, noch länger in Afghanistan zu bleiben.

Er räumte aber ein, die Wahrheit sei, dass sich das alles schneller entwickelt hätte als erwartet. Die afghanischen Führer hätten aufgegeben und seien aus dem Land geflohen, so Biden. Die Armee sei zusammengebrochen, manchmal ohne den Versuch zu kämpfen. Amerikanische Soldaten könnten und sollten nicht in einem Krieg kämpfen und sterben, den die afghanische Armee selbst nicht kämpfen wolle.

Kritik an Biden wird immer lauter

In den USA selbst wird die Kritik an Biden immer lauter, von Republikanern und Demokraten. Wieso die Regierung nicht rechtzeitig begonnen habe, afghanische Ortskräften Visa auszustellen und sie in Sicherheit zu bringen, ist ein oft gehörter Vorwurf. "Was wir gesehen haben, ist komplettes Desaster", so Mitch McConnell, der Chef der Republikaner im Senat, das sei ein Fleck auf dem guten Ruf der USA.

Seiner Auffassung nach gab es keinen Grund, den Einsatz jetzt zu beenden. Die USA seien zum Beispiel seit mehr als einem halben Jahrhundert in Deutschland, Japan und Südkorea stationiert, so McConnell. Andere verwiesen darauf, dass Senatoren beider Parteien die Regierung vergeblich nach Details ihres Abzugsplans gefragt hätten.

Ben Sasse von den Republikanern war wütend, dass Biden offenbar den Afghanen selbst die Schuld am Erfolg der Taliban gebe. Er greife die afghanischen Menschen an, die am Rande dieses Flughafen stehen, weil die USA ihnen Sicherheit versprochen haben, so Sasse: "Sie haben mit uns gekämpft und wir haben gesagt, sie sind sicher". Die Regierung habe das Vertrauen dieser Kämpfer untergraben.

So groß die Kritik auch ist: der Abzug an sich wird selten in Frage gestellt, womöglich auch mit Blick auf die Stimmung in den USA. In Meinungsumfragen war die Mehrheit der befragten US-Bürger bisher klar dafür, die Soldaten aus Afghanistan zurückzuholen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2021 um 22:00 Uhr.