Joe Biden halt an einem Pult stehend eine Rede. | AP

Statement zu Afghanistan Biden verteidigt Abzug des US-Militärs

Stand: 16.08.2021 23:01 Uhr

Die Lage in Kabul nach der Machtübernahme der Taliban ist dramatisch. Trotzdem verteidigte US-Präsident Biden den amerikanischen Truppenabzug aus Afghanistan. Für den Fall eines Angriffs drohte er den Taliban mit einer "starken Reaktion".

Trotz der schnellen Machtübernahme durch die Taliban hat US-Präsident Joe Biden den von ihm angeordneten Abzug des US-Militärs aus Afghanistan verteidigt. Er stehe felsenfest zu seiner Entscheidung, sagte Biden bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Er räumte ein, dass der Zusammenbruch der afghanischen Regierung rascher erfolgt sei als vorhergesehen.

Es hätte aber keinen Unterschied gemacht, wenn die US-Truppen noch etwas länger in Afghanistan geblieben wären, sagte er. Auch dies hätte den mangelnden Kampfwillen der afghanischen Sicherheitskräfte nicht ändern können. Er erhob schwere Vorwürfe gegen die entmachtete politische Führung und die Streitkräfte Afghanistans. "Die politischen Anführer Afghanistans haben aufgegeben und sind aus dem Land geflohen", sagte Biden. "Das afghanische Militär ist zusammengebrochen, manchmal ohne den Versuch zu kämpfen."

Biden betonte, er sei gegen "endlose Militäreinsätze". Er habe die Wahl gehabt zwischen einer Vereinbarung zum Abzug der Truppen oder einer Entsendung Tausender weiterer Soldaten und einem "dritten Jahrzehnt" des Krieges. Er werde die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, sagte er. "Amerikanische Truppen können und sollten nicht in einen Krieg kämpfen und sterben, den die afghanischen Streitkräfte selbst nicht zu kämpfen bereit sind", so Biden.

Biden sieht erfolgreichen Kampf gegen Terrorismus

Der US-Präsident sagte weiter, das Ziel der USA in Afghanistan sei nie der Aufbau eines Staates gewesen, sondern der Kampf gegen den Terrorismus. Das ursprüngliche Ziel des US-Einsatzes in Afghanistan sei also längst erreicht worden - nämlich zu verhindern, dass die Terrorgruppe Al-Kaida Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weiterhin als Rückzugsgebiet habe nutzen können.

Es war Bidens erste öffentliche Äußerung seit der faktischen Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan und auch der Hauptstadt Kabul. Dazu kehrte er vom Präsidenten-Landsitz Camp David in Maryland nach Washington zurück.

Drohung an Taliban

Biden hatte im Frühjahr angekündigt, dass die damals noch rund 2500 verbliebenen Soldaten Afghanistan bis zum 20. Jahrestag der Anschläge verlassen sollten. Zuletzt wurde das Abzugsdatum auf Ende August vorgezogen. Angesichts des Vormarsches der Taliban verstärkt das US-Militär seine Präsenz allerdings seit letzter Woche wieder, um die Evakuierung des Botschaftspersonals, von amerikanischen Staatsbürgern und von früheren afghanischen Mitarbeitern des US-Militärs zu sichern. Die US-Streitkräfte wollen in Kürze bis zu 6000 Soldaten am Flughafen in Kabul stationiert haben.

Für den Fall eines Angriffs auf US-Kräfte drohte Biden den Taliban mit "einer raschen und starken" militärischen Reaktion. Das gelte für jede Handlung, die das US-Personal oder deren Mission gefährden würde.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2021 um 22:00 Uhr.