US-Präsident Joe Biden geht auf die Angelmikrophone zweiter Reporter zu. | AP

Bidens erste Pressekonferenz Nur nicht straucheln

Stand: 25.03.2021 13:23 Uhr

Ungewöhnlich lange hat Biden seine erste Pressekonferenz als US-Präsident herausgezögert. Nun stellt er sich erstmals den Fragen der Reporter - und es gibt Themen, über die er ungern spricht.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Vorige Woche gab es Bilder, die kein Präsident von sich sehen will. "Der Präsident strauchelte auf der Treppe zum Flugzeug. Erst sah es so aus, als würde er stolpern und sich fangen, dann stolperte er ein zweites Mal", schilderte ein Reporter des TV-Senders ABC die Szene, die auch von vielen anderen Medien gezeigt wurde.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Tatsächlich stolperte Joe Biden auf dem Weg in die Air Force One sogar dreimal. Er rieb sich das Knie, stieg die letzten Stufen hinauf und salutierte. "Es geht ihm hundertprozentig gut", hieß es hinterher von Pressesprecherin Jen Psaki, die Stufen seien manchmal tückisch.

Mag sein, dass die Fußverletzung eine Rolle spielte, die sich der 78-Jährige beim Spielen mit den Hunden geholt hatte. Aber die Frage "Wie fit ist Joe Biden?" dürften alle im Kopf haben, wenn der Präsident sich heute zum ersten Mal einer echten Pressekonferenz stellt.

Viele Informationen, wenig Nachfragen

Nicht, dass Biden die Öffentlichkeit meidet. Regelmäßig hält er kleine Ansprachen vor Journalisten. Er informiert über Anordnungen, Gesetze oder die Pandemie. Am Ende sind sehr oft keine Fragen zugelassen, und wenn, dann nur sehr wenige.

Auch mit Fernsehinterviews ist Biden sparsam - im Gegensatz zu Donald Trump, der regelmäßig zur Prime Time bei seinem Haussender Fox anrief. Zuletzt, vor einer Woche, hatte ABC das Glück, Biden befragen und ein paar Zitate bekommen zu können. Ob Putin ein Killer sei? Biden stimmte zu.

Bleibt den Journalisten nur noch eine Alternative: Täglich um die Mittagszeit stellt sich Sprecherin Psaki den Fragen der Presse - freundlich und gut informiert, aber eben nur das Sprachrohr, nicht das Original.

Ein Präsident auf Werbetour

Statt sich kritischen Fragen zu stellen, ging Biden außerdem zuletzt lieber auf Werbetour. "Die Hilfe ist da", verkündete er angesichts des neuen Rettungspakets, oder anders formuliert: "Spritzen in die Arme, Geld in die Taschen!" Das kommt gut an: Die US-Bürger sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Präsidenten.

Interessanter ist, worüber Biden weniger begeistert spricht: die Lage an der Südgrenze, die seine Regierung als Herausforderung bezeichnet. Die Republikaner in der Opposition sprechen von einer "Krise" und fragen, warum Biden der Presse keinen Zugang zu den Flüchtlingslagern erlaubt. Das habe noch jeder Präsident ermöglicht, so Senator Ted Cruz. Die Vorstellung, dass die Presse einen solchen Medien-Ausschluss still hinnehmen würde, wäre sehr unangenehm.

Ein Stich in Richtung der liberalen Medien, die, so meinen die Republikaner, viel freundlicher mit Biden umgehen als mit Trump. Inzwischen allerdings lässt das Weiße Haus die ersten TV-Teams an der Grenze drehen.

Trotzdem: Bei der Pressekonferenz heute muss nicht nur Biden zeigen, dass er auf allen Feldern fit ist. Auch die Journalisten müssen beweisen, dass sie ihn nicht schonen.

 

Über dieses Thema berichteten am 25. März 2021 Inforadio um 06:51 Uhr und NDR Info um 10:05 Uhr.