UN-Generalsekretär Guterres | AFP

US-Angriff in Syrien Guterres ruft zu Zurückhaltung auf

Stand: 27.02.2021 02:55 Uhr

Nach dem US-Luftangriff auf eine pro-iranische Miliz in Syrien kommt scharfe Kritik aus Teheran, Damaskus und Moskau. UN-Generalsekretär Guterres zeigt sich besorgt und ruft zur Ruhe auf.

Nach dem US-Luftangriff auf pro-iranische Milizen in Syrien hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung aufgerufen. Guterres sei angesichts der volatilen Lage besorgt, sagte ein Sprecher.

Das iranische Außenministerium verurteilte den US-Angriff nach Angaben staatlicher Medien scharf als "illegale Aggression" sowie Verletzung der Menschenrechte und des Völkerrechts. Ähnlich hatte sich zuvor die syrische Regierung geäußert: Die "feige amerikanische Aggression" sei "ein schlechtes Vorzeichen der Politik der neuen US-Regierung", die sich an internationale Normen halten sollte, teilte das Außenministerium laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana mit.

Auch eine Sprecherin des russischen Außenministeriums kritisierte die Angriffe "auf das Schärfste" und rief die Regierung in Washington dazu auf, Syriens territoriale Integrität zu respektieren. Russland ist ein wichtiger Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Die gegenseitigen Militärangriffe kommen zu einem Zeitpunkt, da Washington und Teheran ihre Positionen zur Zukunft des Atomabkommens neu ausrichten. Beide Seiten verlangen voneinander erste konkrete Schritte zur möglichen Wiederbelebung der Vereinbarung.

Erster militärischer Angriff unter Biden

Die USA hatten in der Nacht erstmals seit dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden ein militärisches Ziel im Ausland angegriffen. Die Attacke galt einer mächtigen irakischen Schiiten-Miliz, die auch in Syrien aktiv ist, den Hisbollah-Brigaden. Einer ihrer Kämpfer sei dabei getötet worden, und sie behalte sich das Recht vor zurückzuschlagen, erklärte die vom Iran unterstütze Miliz.

Laut dem US-Verteidigungsministerium handelte es sich um einen Vergeltungsschlag für einen Raketenangriff, bei dem Mitte Februar ein Mitarbeiter eines US-Unternehmens getötet und mehrere Soldaten verletzt worden waren. Ein Pentagon-Sprecher sprach von einer "verhältnismäßigen militärischen Antwort".

Biden sagte, er wolle den Angriff als Warnung an den Iran verstanden wissen. "Ihr könnt nicht ungestraft agieren. Seid vorsichtig", sei die Botschaft gewesen, sagte Biden am Freitag. Aber auch mehrere Parteifreunde Bidens im US-Kongress kritisierten aber, dass sie nicht ausreichend zu Rate gezogen worden seien.

'Eine offensive Militärhandlung ohne Zustimmung des Kongresses ist nicht verfassungsmäßig, es sei denn es gibt außergewöhnliche Umstände", sagten die demokratischen Senatoren Tim Kaine und Chris Murphy. Die Pressepsrecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte, Biden habe seine verfassungsmäßigen Vollmachten genutzt, um die Leben von US-Bürgern zu schützen. Der Angriff habe zum Ziel gehabt, neue Attacken auf US-Interessen in den kommenden Wochen zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Februar 2021 um 04:56 Uhr.