Joe Biden | AP

Explosion in Kabul Wie können die USA auf den Anschlag reagieren?

Stand: 27.08.2021 17:25 Uhr

13 Soldaten der USA sind bei dem Anschlag einer IS-Splittergruppe in Kabul getötet worden. US-Präsident Biden kündigte bereits Vergeltung an - allerdings ist das aus Sicht vieler Experten nicht so einfach.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Der Afghanistan-Abzug wird für US-Präsident Joe Biden immer mehr zur Katastrophe. Vom schwärzesten Tag seiner bisherigen Amtszeit ist die Rede. 13 US-Soldaten sind bei dem Terror-Anschlag am Flughafen von Kabul ums Leben gekommen, dazu mindestens 169 Zivilisten. Die USA würden gegen "ISIS-K" - so nennen die US-Amerikaner den regionalen Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" - zurückschlagen, kündigte der Präsident gestern unheilvoll an. 

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

"Wir werden mit Kraft und Präzision antworten - an dem Ort und zu dem Zeitpunkt, den wir aussuchen", so die Drohung Bidens. Doch wie könnte ein solcher Vergeltungsschlag aussehen? Und wann könnte er erfolgen? Mit welchen Konsequenzen?  

"Hier gibt es keine schnelle Lösung"

"Wir sprechen hier über eine klassische Anti-Terror Operation. Es könnte ein Drohnenangriff sein, eine Art Überfallkommando. Es gibt eine ganze Menge an Optionen, die der Präsident hat", sagte der Militärstratege Cedric Leighton dem Fernsehsender CNN. "Aber alle Optionen hängen von den Informationen der Geheimdienste ab."

Die Geheimdienstinformationen müssten präzise sein, um auch wirklich die Drahtzieher der Terroranschläge zu treffen und Kollateralschäden zu vermeiden, so Leighton. Ein schwieriges Unterfangen - umso schwieriger, weil nach dem 31. August alle US-Streitkräfte Afghanistan verlassen haben werden. Insofern könnte es mehrere Monate dauern, bis es zu einem Vergeltungsschlag kommt, sagte Leighton.

"Hier gibt es keine schnelle Lösung. Wir erinnern uns, wie lange es gedauert hat, um Bin Laden zu kriegen", so der Militärstratege. "Hier gilt es so viele Faktoren zu berücksichtigen, um es richtig zu machen. Und wir müssen es richtig machen."

US-Militärbasen in Zentralasien keine Option

Dazu kommt, dass die US-Amerikaner über keine Basis in unmittelbarer Nähe von Afghanistan verfügen, von der sie eventuelle Drohnen-Angriffe fliegen könnten, sagte der frühere CIA-Terrorexperte Phill Mudd auf CNN. "Man kann einen Flugzeugträger auf der arabischen Halbinsel nutzen, vielleicht - wenn man Glück hat - eine Basis in Zentralasien", so Mudd. "Die Geheimdienstinformationen über das Ziel müssen also sehr präzise sein, weil der Anflug länger ist und es deswegen schwieriger sein wird, das Ziel zu treffen."

Der russische Präsident Wladimir Putin hat beim Gipfeltreffen mit Biden im Juni bereits durchblicken lassen, dass US-Militärbasen in Zentralasien - sprich in Tadschikistan oder Usbekistan - keine Option seien. Das würden die Russen nicht zulassen.

US-Präsident Biden sieht sich also einer ganzen Latte an Herausforderungen gegenüber. Zunächst ginge es aber erst einmal darum, alle verbliebenen US-Bürger und afghanischen Ortskräfte aus Afghanistan auszufliegen, sagte der Navy Admiral a.D., James Stavridis, dem Fernsehsender NBC. "Und wenn wir eine unterirdische Eisenbahnlinie dafür einrichten müssen, dann machen wir das. Wir haben noch Dinge zu erledigen in Afghanistan, aber jetzt müssen wir erstmal raus."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. August 2021 um 17:00 Uhr.