Annalena Baerbock und Antony Blinken (v.l.). | AFP

Baerbock bei UN-Konferenz "Russland führt diesen Krieg mit Hunger"

Stand: 19.05.2022 03:21 Uhr

Klimakrise und Corona haben zu einer globalen Nahrungsmittelkrise geführt, die durch den Ukraine-Krieg zu eskalieren droht. Außenministerin Baerbock und UN-Chef Guterres richteten klare Worte an Russland.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Bundesaußenministerin Baerbock warf  Russland vor, die Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine als Kriegswaffe einzusetzen.

Russland führt diesen brutalen Krieg nicht nur mit Panzern, Raketen und Bomben. Russland führt diesen Krieg mit einer anderen furchtbaren und kräftigen Waffe: Hunger und Entbehrung. Mit der Blockade ukrainischer Häfen, der Zerstörung von Getreidesilos, Straßen, Schienen und Feldern hat Russland einen Kornkrieg begonnen, der eine weltweite Ernährungskrise auslöst.
Antje Passenheim ARD-Studio New York

Nach Angaben der Bundesregierung unterbindet Russland in der Ukraine die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide, ein Großteil davon im Hafen von Odessa. Dies passiere in einer Zeit, in der im Nahen Osten und in Afrika bereits Millionen Menschen von Hunger bedroht seien - durch die Klimakrise, die Covid-Pandemie und regionale Konflikte, warnte Baerbock.

Deutschland stellt knapp vier Milliarden Euro bereit

Die Außenminister der G7-Staaten hätten in der vergangenen Woche wichtige Zusagen gemacht, "um die Ukraine dabei zu unterstützen, ihre Produktion und ihren Export wieder anzukurbeln und den Frauen, Männern und Kindern zu helfen, die jetzt in Not sind."

Deutschland stelle in diesem Jahr knapp vier Milliarden Euro zur Bekämpfung der Ernährungskrise bereit. Angesichts von historischen Zahlen Hungerleidender weltweit erhöht auch UN-Generalsekretär Guterres den Druck auf Moskau: Russland müsse den sicheren Export von gelagertem Getreide in ukrainischen Häfen zulassen, forderte der UN-Chef.

Es gibt keine effektive Lösung für die Ernährungskrise, ohne die Getreideproduktion der Ukraine wieder an den Weltmarkt zu bringen - genauso wie Lebensmittel und Düngestoffe, die in Russland und Belarus produziert werden. Unabhängig vom Krieg.

Blinken appelliert an internationale Gemeinschaft

US-Außenminister Blinken forderte weltweite gemeinsame Anstrengungen von Regierungen und Organisationen.

Sie könnten Russland dazu drängen, Korridore einzurichten, so dass Nahrungsmittel und andere fundamentale Dinge die Ukraine sicher verlassen können - auf dem Land- oder Seeweg.

Ein großes Problem sei der Mangel an Düngemitteln - es müssten Anreize für ihre Produktion geschaffen werden, sagte Blinken, der die Ministerkonferenz angekurbelt hatte. Heute wird die Ernährungskrise dann Thema im UN-Sicherheitsrat sein. Blinken selbst wird auch durch diese Sitzung führen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 19. Mai 2022 um 07:32 Uhr.