Wanda Cooper-Jones, die Mutter des getöteten Ahmaud Arbery

Jury in Georgia Drei Weiße des Mordes an Arbery schuldig

Stand: 25.11.2021 00:56 Uhr

Mehr als eineinhalb Jahre nach der Tötung des schwarzen Joggers Ahmaud Arbery hat eine Jury im im US-Bundesstaat Georgia die drei weißen Angeklagten wegen Mordes schuldig gesprochen. Angehörige und Freunde des Opfers reagierten erleichtert.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Es war ein Nachmittag der großen Gefühle in Brunswick, Georgia. Es wurde gejubelt, gelacht und viel Amen gerufen. "Erzählt es aller Welt", rief Reverend Al Sharpton, ein prominenter Pfarrer und Bürgerrechtsaktivist, "dass eine Jury aus elf Weißen und einem Schwarzen im tiefen Süden der USA gesagt hat, das schwarze Leben wichtig sind."

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Die Jury in Brunswick, Georgia, hat drei weiße Männer schuldig gesprochen, einen jungen Schwarzen getötet zu haben. Travis McMichael, der Todesschütze, muss wegen heimtückischen Mordes ins Gefängnis. Sein Vater Greg und Nachbar William Bryan wurden unter anderem wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Allen dreien droht lebenslange Haft.

Das Opfer, Ahmaud Arbery, war Ende Februar 2020 auf einer sonntäglichen Laufrunde unterwegs, als er von den drei Männern in Autos verfolgt und erschossen wurde. Die drei hielten ihn für einen Einbrecher und wollten ihn verhaften. Diese Art von Bürgerarrest war damals in Georgia möglich. Als sich Arbery, in die Enge getrieben, wehrte schoss der jüngere McMichael dreimal aus nächster Nähe und tötete ihn.

Das Ganze war auf einem Handy-Video zu sehen, das Wochen nach der Tat an die Öffentlichkeit kam. Bis dahin war niemand verhaftet worden.

Große Beteiligung an Anti-Rassismus-Demos

Der Fall wurde USA-weit bekannt. Arberys Schicksal mobilisierte Menschen, sich an den Anti-Rassismus-Demonstrationen zu beteiligen. Entsprechend intensiv wurde der Prozess verfolgt. Dass nur einer der zwölf Juroren schwarz war, wo mehr als 30 Prozent der Einwohner in Georgia Schwarze sind, das etwa fiel auf.

Auch das Auftreten von Verteidiger Kevin Gough, der sich über die Unterstützer der Familie des Getöteten beschwerte: "Wir wollen hier nicht noch mehr schwarze Pfarrer!" Prominente Persönlichkeiten wie Al Sharpton säßen neben der Familie und versuchten, die Jury zu beeinflussen. Richter Walmsley hielt dagegen: Er werde nicht pauschal die Öffentlichkeit aus diesem Gerichtssaal ausschließen. Hunderte, vor allem schwarze Pfarrer demonstrierten kurz darauf vor dem Gerichtsgebäude.

Für Präsident Joe Biden bedeutet das Urteil, dass der Rechtsstaat ordentlich arbeite. Aber er mahnte, alle müssten sich verpflichten, eine Zukunft aufzubauen, in der niemand sich wegen seiner Hautfarbe vor Gewalt fürchten müsse.

Musste Arbery sterben, weil er schwarz war?

Für die drei Verurteilten ist das Verfahren noch nicht zu Ende. In einem Prozess auf Bundesebene werden sie nächstes Jahr noch wegen eines Hassverbrechens angeklagt. Dann geht es um die Frage, ob Ahmaud Arbery sterben musste, weil er schwarz war.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. November 2021 um 06:05 Uhr.