Mitglieder der rechtsextremen "Oath Keepers" stehen am 6.1.2021 vor dem Kapitol in Washington (USA) | AP

Sturm auf US-Kapitol Anführer der "Oath Keepers" vor Gericht

Stand: 26.09.2022 09:17 Uhr

Wegen des Sturms auf das US-Kapitol steht von heute an der Anführer der rechtsextremen "Oath Keepers", Stewart Rhodes, vor Gericht. Extremismus-Experten schätzen seine Miliz als anhaltend gefährlich ein.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Washington

Es geht um die gewaltsamen Versuche, das Herz der US-amerikanischen Demokratie zu stürmen. Um die Szenen vom 6. Januar 2021, als Hunderte Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump gewaltsam in den Sitz des US-Kongresses in Washington eindrangen.

Ralf Borchard ARD-Studio Washington

Von Anfang an mit in der Menge vor dem Kapitol: Stewart Rhodes, Anführer der rechtsextremen Miliz "Oath Keepers". Rhodes, heute 57, war früher Fallschirmjäger der US-Armee, wurde später an der Universität Yale zum Anwalt ausgebildet. Er hat die "Oath Keepers" 2009 gegründet.

Sturz von langer Hand geplant

Jetzt steht Rhodes mit vier Mitangeklagten vor Gericht, beschuldigt der "aufrührerischen Verschwörung". Gemeint ist der Versuch, die Regierung der Vereinigten Staaten gewaltsam zu stürzen. Darauf stehen bis zu 20 Jahre Haft.

Laut Anklageschrift hat Rhodes die Erstürmung des Kapitols von langer Hand geplant, Mitglieder seiner Gruppierung per Telefon und Textnachrichten dirigiert und auch nach dem 6. Januar weiter Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände für einen Umsturzversuch beschafft.

Stewart Rhodes | REUTERS

Stewart Rhodes soll gemeinsam mit den Mitangeklagten einen Komplott geschmiedet haben, mit dem Ziel, den Machtwechsel nach der Präsidentenwahl mit Gewalt zu verhindern. Bild: REUTERS

Gefährliche Miliz

Der frühere Sprecher der "Oath Keepers", Jason van Tatenhove, der sich inzwischen von der Miliz distanziert hat, sagte im Juli vor dem Kongress-Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung:

Die Oath Keepers sind eine gefährliche Miliz, die in großen Teilen angetrieben ist vom Ego des Stewart Rhodes. Er sieht sich als paramilitärischen Anführer. Die Vision der 'Oath Keepers' beinhaltet Gewalt, sie versuchen ihre Ziele auch durch Lügen und Täuschung zu erreichen, durch Einschüchterung - und den Einsatz von Gewalt.

Viele Soldaten und Polizisten als Mitglieder

Der Extremismus-Forscher Keven Ruby von der Universität von Chicago betont, die "Oath Keepers" hätten im Vergleich zu anderen rechtsextremen Gruppen besonders viele ehemalige Soldaten, Polizisten und andere Sicherheitskräfte rekrutiert:

Diese Leute bringen nicht nur besondere Erfahrung im Umgang mit Waffen mit, sondern auch Erfahrung, wie man paramilitärische Aktionen organisiert. Das hat sich auch am Kapitol am 6. Januar gezeigt", so Ruby im Interview mit dem Fernsehsender PBS.
Einsatzkräfte und Trump-Anhänger vor dem Kapitol. | dpa

Szene am 6. Januar 2021 vor dem US-Kapitol. Angreifer waren gewaltsam ins Kapitol eingedrungen, hatten sich Handgemenge mit der Polizei geliefert und Büros von Abgeordneten verwüstet. Die Kongressmitglieder mussten von der Polizei in Sicherheit gebracht werden, manche verbarrikadierten sich. Es gab fünf Tote. Bild: dpa

Militante Anti-Regierungs-Haltung weit verbreitet

Die Antisemitismus-Forscherin Jessica Reaves von der Anti-Defamation League hat zuletzt eine Liste von angeblich 38.000 Mitgliedern der "Oath Keepers" analysiert. Viele Namen auf der Liste stünden nur in loser Verbindung zu der Gruppierung, als aktive dauerhafte Mitglieder könne man eher rund 5000 Personen bezeichnen. Reaves betont im PBS-Interview aber auch, dass die "Oath Keepers" in praktisch allen US-Bundesstaaten vertreten und organisiert sind: "Deshalb kann man die Gruppierung und ihre Ansichten in gewisser Weise als Mainstream, als weit verbreitet bezeichnen", so Reaves.

"Das ist erschreckend. Vor allem wenn man als weiteres Ergebnis unserer Forschungen heranzieht, dass eine grundsätzliche militante Skepsis gegenüber der Regierung, eine Anti-Regierungs-Haltung weit verbreitet ist. Die Saat des regierungsfeindlichen Extremismus ist ziemlich tief eingepflanzt."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. September 2022 um 11:35 Uhr.