Menschen verlassen das Uvalde Civic Center, nachdem an der Grundschule Robb Elementary School Schüsse abgegeben wurden. | dpa

Waffengewalt in den USA Gouverneur in Erklärungsnot

Stand: 25.05.2022 14:53 Uhr

Der Amoklauf in Texas sorgt für Entsetzen - und zeigt einmal mehr das Ringen um die Waffengesetze. Texas' Gouverneur Abbott hatte erst 2021 eine weitere Lockerung durchgesetzt. Nun spricht er von einer nicht duldbaren Tragödie.

Von Carla Reveland, tagesschau.de

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Texas, Greg Abbott, hat den Amoklauf in der texanischen Kleinstadt Uvalde als "schreckliche" und "unbegreifliche Tat" bezeichnet. 19 Kinder und zwei Erwachsene wurden getötet. Es sei eine "furchtbare Tragödie, die im Staat Texas nicht geduldet werden kann". Auf Twitter rief er dazu auf, gemeinsam der Opfer des "sinnlosen Verbrechens" zu gedenken.

Lockerung des texanischen Waffenrechts

Vor kurzem noch klangen die Äußerungen des Gouverneurs ganz anders. Der erzkonservative Republikaner Abbott gilt als strikter Gegner schärferer Waffengesetze und als enger Verbündeter der amerikanischen Waffenlobby "National Rifle Association" (NRA). Vor knapp einem Jahr unterzeichnete Abbott ein Gesetz, welches das Tragen von Schusswaffen in Texas auch ohne Genehmigung ermöglicht. Seit September 2021 darf demnach jeder in der Öffentlichkeit eine Waffe tragen, der mindestens 21 Jahre alt ist und keiner ausdrücklichen Beschränkung zum Tragen von Waffen unterliegt.

Greg Abbott, Gouverneur von Texas | AP

Abbott unterzeichnete vor nicht einmal einem Jahr ein Gesetz, welches das Tragen von Schusswaffen in Texas auch ohne Genehmigung ermöglicht. Bild: AP

Bislang war in dem US-Bundesstaat eine Genehmigung für Handfeuerwaffen verpflichtend. Die Gesetzesänderung diene den Texanern zum eigenen Schutz, hieß es von Seiten der Republikaner. Es sei die "stärkste Gesetzgebung des zweiten Verfassungszusatzes in der Geschichte von Texas", so Abbott. Er werde "niemals ein Gesetz unterschreiben, das die Selbstverteidigung einschränke. "Mein Schulsicherheitsplan kann Schulen sicherer machen", schrieb er in einem anderen Tweet auf Twitter.

Umfragen der University of Texas zeigen, dass die Texaner in der Frage der Waffenkontrolle geteilter Meinung sind. Mit 55 Prozent zu 38 Prozent lehnte im Oktober 2021 eine Mehrheit der Texaner das neue Gesetz ab, eine knappe Mehrheit gab bei einer Befragung 2019 an, für striktere Waffengesetze zu sein.

Gegner des umstrittenen Gesetzes, wie etwa die demokratische Kongressabgeordnete Veronica Escobar, warnten davor, dass es "zu mehr Gewalt und Verlust" führen werde. Escobar warf Abbott auf Twitter vor, "die Opfer von Waffengewalt zu verraten".

Kritik an Gouverneur Abbott

Der Amoklauf in Uvalde entfacht die Diskussionen um strengere Waffengesetze erneut. US-Präsident Joe Biden fand deutliche Worte und forderte schärfere Waffengesetze. "Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden". Weiter sagte er: "Ich bin es leid. Wir müssen handeln." Ähnlich äußerten sich viele weitere Demokraten.

Auch Kritik an Gouverneur Abbott wurde laut - unter anderem, weil er als Hauptredner auf der Jahresversammlung und Waffenmesse der NRA angekündigt ist. Diese solle nur 72 Stunden nach der Tat in Houston, Texas, stattfinden.

Auf Distanz zu Waffenlobby solle Abbott gehen, forderte Beto O'Rourke, Gouverneurskandidat der Demokraten in Texas. "Gouverneur Abbott, wenn Sie Anstand haben, müssen Sie sich sofort von der NRA-Konferenz an diesem Wochenende zurückziehen", twitterte O'Rourke. Abbott müsse die Lobbyorganisation dazu auffordern, ihr Treffen "überall, nur nicht in Texas" abzuhalten.

Acht folgenreiche Taten mit Schusswaffengebrauch seit 2013

Die Neuregelung in Texas ist nicht die einzige Gesetzeserleichterung dieser Art. Die Beschränkungen für das Tragen von Schusswaffen wurden in Texas in den vergangenen 13 Jahren schrittweise gelockert. In dieser Zeit fanden acht schwere Taten mit Schusswaffengebrauch statt, wie die gemeinnützige Medienorganisation "The Texas Tribune" berichtet, die sich nach den Zahlen der US-Bundespolizei FBI richtet. Eine der schwersten Taten ereignete sich in einem Supermarkt in El Paso im Jahr 2019, bei der die Bilanz am Ende 22 Tote und 23 Verletzte lautete.

Deutliche Zunahme von Amokläufen

Laut US-Bundespolizei FBI kam es im gesamten Gebiet der USA im vergangenen Jahr zu 61 Amokläufen mit Schusswaffen. Das seien über 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor - seit 2017 habe sich die Zahl verdoppelt. 2021 seien bei Amokläufen 103 Menschen getötet und 140 verletzt worden. Auch das sei ein Anstieg um knapp 50 Prozent gegenüber 2020. 60 der 61 Schützen waren den Angaben zufolge Männer.

Auch das unabhängige Daten-Portal "Gun Violence Archive", welches Massenerschießungen dokumentiert, kommt auf verheerende Zahlen. Alleine im Jahr 2022 fanden bereits 212 solcher Taten statt. Als Massenerschießungen definiert "Gun Violence Archive" Taten mit Schusswaffen, bei denen mehr als vier Personen sterben, den Schützen nicht mitgezählt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Mai 2022 um 12:00 Uhr.