Gedenken an die Amok-Opfer in Uvalde | dpa

Nach Amoklauf in Uvalde Das Trauma einer Kleinstadt

Stand: 26.05.2022 12:14 Uhr

Nach dem Amoklauf an einer Grundschule in der US-Kleinstadt Uvalde haben die Menschen in einer Mahnwache der Opfer gedacht. Eine Neunjährige erzählt, wie sie die Stunden im Klassenzimmer erlebte.

Von Nina Barth, ARD-Studio Washington, z Zt. Uvalde

Hunderte Menschen sind am Abend in die Halle in Uvalde im US-Bundesstaat Texas gekommen. Sie sind hier, um sich gegenseitig Trost zu geben, gemeinsam zu beten. Mit lautstarker Stimme spricht der Prediger: "Lord Jesus Christ", sie sprechen ihm nach. Sie sitzen auf Tribünen in der Halle, mit Tränen in den Augen, viele weinen, umarmen sich. 19 Kinder, zwei Lehrerinnen sind in der Grundschule der kleinen Stadt erschossen worden. Die Tat macht sie fassungslos.  

Nina Barth ARD-Studio Washington

In Uvalde kennt jeder jeden

"Es ist wichtig hier zu sein, um die Gemeinschaft zu unterstützen und die Familien, die Kinder verloren haben", sagt eine Frau. Eine andere kämpft mit den Tränen und flüstert: "Es hätten auch meine Kinder sein können." Viele wollen nicht ins Mikrofon sprechen. Sie weinen, sie halten sich im Arm. Fast jeder hier kannte eines der Opfer.

"Jeder kennt hier jeden. Wir haben manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber das ist der Moment, wo wir zusammenhalten müssen und unsere Wunden gegenseitig heilen müssen", erklärt ein Mann. Schon den ganzen Tag über haben Menschen Blumen, Teddybären und Luftballons zu der Grundschule gebracht, in der das Unfassbare geschah.

"Wir waren ganz leise"

Atalie ist neun Jahre alt, geht in die dritte Klasse der Grundschule. Als die Tat geschah, hatte sie draußen Sportunterricht. "Mein Lehrer muss den Schützen gesehen haben", erzählt Atalie. "Und dann hat er uns gesagt: Rennt, Kinder, rennt in ein Klassenzimmer. Und als wir da waren, habe ich die Schüsse gehört. Wir haben uns hingesetzt und waren ganz leise."

Und Atalie erzählt von ihrer Freundin Tess, die getötet wurde. Als meine Mutter mir erzählt hat, dass Tess jetzt weg ist, da hat mein Herz sich angefühlt, als wenn es in Stücke zerrissen wird. Sie war meine beste Freundin im Fußball. Wir waren im gleichen Team. Sie war eine gute Freundin."

Viele fühlen sich hilflos

Atalies Mutter steht daneben. Sie sagt, Atalie habe nicht nur ihre Freundin Tess verloren, sondern auch drei Cousinen. Als Mutter fühlt sie sich jetzt hilflos: "Wie hilft man seinem Kind in so einer Situation? Ich weiß, sie ist traumatisiert, sie ist so verletzt. Aber wie kann ich helfen?"

Hilflosigkeit, das ist, was viele empfinden. Auch Ida, sie kommt mit Blumen und zwei Luftballons. "Es bringt mich zum Weinen. Es waren doch Kinder." Und auch ihr ist es wichtig, Solidarität zu zeigen. Sich gegenseitig Kraft und Halt geben, das ist es, was für die Menschen in Uvalde im Moment das Wichtigste ist. Sie werden noch oft gemeinsam miteinander beten. Die Fassungslosigkeit, die Wut, die Trauer werden noch lange bleiben. 

Über dieses Thema berichtete am 26. Mai 2022 die tagesschau um 11:00 Uhr und BR24 um 11:20 Uhr.