Amanda Gorman | dpa

Dichterin Amanda Gorman Die Stimme der Amtseinführung

Stand: 21.01.2021 10:28 Uhr

Sie kam auf Wunsch des neuen US-Präsidenten: Amanda Gorman, die jüngste Dichterin, die je zu einem Vortrag bei einer Amtseinführung eingeladen wurde. Ihr Auftritt war voller Symbolik.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Ein knallgelber Mantel, die Haare mit einem roten Haarreifen nach hinten gebunden. Amanda Gorman stach bei der Amtseinführung von Joe Biden nicht nur mit ihrer farbenfrohen Kleiderwahl heraus. Die 22-jährige Dichterin aus Los Angeles ist die jüngste Poetin, die ein Gedicht zu diesem Anlass vortragen durfte. Ihr Werk heißt "The Hill we climb", "Der Berg, den wir erklimmen". "The Hill" ist in den USA auch eine Bezeichnung für das Kapitol, den Sitz des Kongresses.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Die letzten Zeilen ihres Werkes hatte sie erst vor wenigen Tagen fertiggestellt, nach dem Sturm auf das Kapitol - und sie adressiert diesen auch: 

Wir haben eine Kraft gesehen, die unsere Nation zerstören wollte, anstatt sie miteinander zu teilen. Die unser Land zerstören wollte, indem sie die Demokratie aufhalten wollte. Und diese Bemühungen waren fast erfolgreich. Aber während eine Demokratie kurzfristig aufgehalten werden kann, kann sie niemals dauerhaft besiegt werden.

 "Als wir trauerten, wuchsen wir"

Was Bidens Rede vielleicht fehlte - Energie, Dynamik - machte Gorman wieder wett. Biden sprach davon, dass die Nation Liebe brauche, heilen müsse - Gorman ging weiter und sagte, die USA seien in ihrer Trauer und im Schmerz gewachsen.

Amanda Gorman tritt mit ihrem Gedicht in große Fußstapfen literarischer Größen wie etwa Dichter Robert Frost und Schriftstellerin Maya Angelou. Gorman ist eine bewusste Wahl Bidens. Sie repräsentiert vieles, was der neuen Führung wichtig ist: Die in Harvard studierte Soziologin bezeichnet sich als Aktivistin gegen Rassismus, Ungleichheit und für Feminismus. Ihre eigene Rolle als schwarze, junge Frau thematisiert sie ebenfalls in dem Gedicht: 

Wir sind die Nachfahren in einem Land und einer Zeit, in der ein dünnes schwarzes Mädchen, das von Sklaven abstammt und von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen wurde, davon träumen kann, Präsidentin zu werden, nur um für einen zu rezitieren.

Gorman schließt mit hoffnungsvollen Worten, man müsse "aus dem Schatten heraustreten". Der neuen Morgen erblühe, wenn man ihn befreie.

Es gibt immer Licht, wenn wir mutig genug sind, es zu sehen, mutig genug sind, es zu sein.

Gedichtzeile geht viral

Dieses Zitat ging innerhalb weniger Stunden viral. Viele Prominente beglückwünschen Gorman zu ihrem Gedicht, darunter Moderatorin Oprah Winfrey, die sagte, sie sei nie stolzer auf eine junge Frau gewesen Ein echter Ritterschlag von einer der mächtigsten Frauen des Showbusiness.  

Lob kam auch von Regisseurin Regina King, Musiker John Legend oder dem Ex-Präsidenten Barack Obama.

Nach eigener Aussage will die 22-jährige selbst irgendwann Präsidentin der Vereinigten Staaten werden - heute war sie an diesem Ziel schon sehr nah dran. 

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Vereidigung von Joe Biden und Kamala Harris

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 21. Januar 2021 um 09:47 Uhr.