Ein US-Marinesoldat nimmt am Militärstützpunkt Shorab in der Provinz Helmand an einem Militär-Manöver mit der afghanischen Armee teil (Archivbild). | dpa

Vormarsch der Taliban USA halten an Afghanistan-Abzug fest

Stand: 10.08.2021 03:29 Uhr

Trotz des Vormarsches der Taliban in Afghanistan halten die USA unbeirrt an ihrer Abzugsstrategie fest. Aus Sicht der Regierung in Washington ist die Mission erfolgreich beendet. Was nun passiert, sei Sache der Afghanen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Die USA haben eine klare Botschaft für Afghanistan: "Das ist ihr Land, das ist ihr Militär, das sind ihre Provinzhauptstädte und ihre Leute, die verteidigt werden müssen." So formulierte es gestern John Kirby, der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Und es werde alles darauf hinauslaufen, welche Führungskraft Afghanistan in diesem Moment ausstrahlen wolle.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Bis Ende August wollen die USA ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen haben, damit zum 11. September dieser Militäreinsatz abgeschlossen ist. 20 Jahre nach dem Terroranschlag auf die USA soll Amerikas längster Krieg, wie er genannt wird, zu Ende sein. Über 2400 US-Soldaten wurden in dieser Zeit getötet, der Einsatz hat mehrere Billionen Dollar gekostet.

USA: Mission erfüllt

Dass die Taliban sich nun in schnellem Tempo das Land zurückerobern, wird von der Biden-Regierung mit Sorge betrachtet. Aber an der Entscheidung an sich wird sich nichts ändern. Denn, daran erinnerte Sprecher Kirby, aus Sicht der USA ist ihre Afghanistan-Mission erledigt. Ihr Ziel war es "Al Kaida zu zerstören und zu besiegen und damit auch die Bedrohung für die Heimat" zu beenden.

Diese Mission sei erfüllt, habe der Präsident klargemacht. Spätestens mit dem Tod von Osama bin Laden war dieses Ziel erreicht, Al Kaida stellte keine Gefahr für die USA mehr dar. Afghanistan zu demokratisieren oder zu modernisieren, das hatten die USA nicht vor.

Warnungen vor dem Kollaps der afghanischen Regierung

Präsident Donald Trump hatte angekündigt, die Truppen schon in diesem Frühjahr komplett zurückzuholen. Joe Biden hat das nun umgesetzt, etwas später, aber in schnellem Tempo. So schnell, dass viele Politiker in den USA - gleich welcher Partei - vor dem Kollaps der afghanischen Regierung und ihrer Truppen warnten. Und das war auch nun wieder zu hören, von Mitch McConnell, dem Chef der Republikaner im Senat.

Von der "bizarren Auswahl des symbolischen Datums 11. September bis hin zum kompletten Fehlen eines Plans" scheine die Entscheidung der Regierung auf Wunschdenken zu beruhen und nicht viel mehr. Mehr als diese Polemik hatten die Republikaner aber nicht zu bieten.

Auch die Demokraten waren anfangs unzufrieden und hatten sich über die mangelhafte Kommunikation der Regierung beschwert. Jetzt aber sagt Senator Dick Durbin: "Irgendwann müssen wir einsehen, dass wir nicht noch einen Amerikaner bitten können, für den vergeblichen Versuch zu sterben, aus Afghanistan ein modernes Land zu machen." Das könnten nur die Afghanen selber schaffen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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Moderation 10.08.2021 • 13:36 Uhr

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