Feuer breitet sich in einem Waldstück in Südamerika aus. | Bildquelle: dpa

Brasiliens Regenwald schwindet Anderthalb mal Rügen abgeholzt

Stand: 12.10.2019 12:34 Uhr

Um mehr als 10.000 Quadratkilometer könnte sich der Regenwald im Amazonasgebiet dieses Jahr verringern. Ein neuer Höchstwert. Verantwortlich ist laut Experten vor allem Brasiliens Präsident Bolsonaro.

Im brasilianischen Amazonasgebiet sorgt inzwischen die beginnende Regenzeit dafür, dass die zahlreichen Brände nachlassen. Aktuelle Auswertungen von Satelliten-Daten durch das brasilianische Institut für Weltraumforschung (Inpe) zeigen deutlich weniger Feuer als noch im August. Trotzdem fällt die Bilanz für den September immer noch verheerend aus: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurde fast doppelt so viel Regenwald abgeholzt und entwaldet.

Die im September abgeholzte Fläche beträgt laut Inpe etwa 1450 Quadratkilometer - etwa anderthalb mal die Fläche der Insel Rügen. In den vergangenen neun Monaten sei die Entwaldung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 93 Prozent gestiegen, teilte das Institut mit. Insgesamt waren es demnach mehr als 7800 Quadratkilometer. Damit könnte in diesem Jahr erstmals die Schwelle einer jährlichen Verringerung der Waldfläche um insgesamt 10.000 Quadratkilometer erreicht werden. Im gesamten Jahr 2018 waren knapp 5000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden.

Die jetzigen Angaben sind allerdings nur eine Schätzung. Die exakte in einem Vegetationsjahr abgeholzte Fläche wird mit einem anderen System bestimmt, und diese Daten sollen in Kürze vorliegen.

Bislang mehr als 66.000 Brände

Auf Jahressicht ist ein klarer Anstieg bei der Zahl der Brände im größten Tropenwald der Welt zu verzeichnen. Nach der Auswertung von Satellitenbildern kam Inpe zu dem Ergebnis, dass es zwischen Januar und September im Amazonasgebiet 66.750 Brände gab und damit fast so viele wie im gesamten Jahr 2018.

Verbrannte Flächen des Regenwalds | Bildquelle: NASA EARTH OBSERVATORY HANDOUT/E
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Eine Aufnahme der NASA zeigt die Waldbrände allein im Zeitraum zwischen dem 15. und 19. August.

Das ist eine grundlegende Trendwende. Die Abholzung im Amazonasgebiet war eigentlich erfolgreich bekämpft worden. Erst seit Präsident Jair Bolsonaro in Brasilien regiert, wird wieder verstärkt gerodet.

Der seit Jahresbeginn amtierende Bolsonaro ist eng mit der Agrarlobby verbündet und hat Umweltschutzauflagen gelockert. Brasilianische Bauern durften zuletzt nicht mehr fünf, sondern 20 Hektar Fläche abbrennen, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu machen. Die Behörden, die illegale Rodungen verhindern sollen, wurden unter Bolsonaro geschwächt.

Die Amazonas-Wälder spielen eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung des globalen Klimas. Wegen der zahlreichen Brände in der Region war Bolsonaro in den vergangenen Monaten daher international unter Druck geraten. Am 23. August unterzeichnete er schließlich ein Dekret für einen Armeeeinsatz gegen die Brände am Amazonas.

Mit Informationen von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Abholzung auch im September noch dramatisch
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
12.10.2019 11:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2019 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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