New York von Long Island City aus gesehen | Bildquelle: AP

Neues Hauptquartier Amazon streicht Pläne für New York

Stand: 15.02.2019 07:19 Uhr

Es sollte das größte Investitionsprojekt in der Geschichte New Yorks werden: Der milliardenschwere Neubau des Amazon-Hauptquartiers. Nun hat der Online-Händler seine Pläne gestrichen.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

New York City verliert das größte Investitionsprojekt seiner Geschichte. Der weltgrößte Versandhändler Amazon hat überraschend mitgeteilt, sein neues geteiltes zweites Hauptquartier nicht wie bisher geplant im New Yorker Stadtteil Long Island City zu errichten.

Die größte Stadt der USA hätte durch die Ansiedlung Amazons, für die sich zuvor 200 Städte in den Vereinigten Staaten und Kanada beworben hatten, 25.000 neue Jobs und zusätzlich mehr als 100.000 indirekte mit der Amazonansiedlung verbundene Arbeitsplätze erhalten. 

Widerstand gegen den Neubau

Der Technologiekonzern führte als Begründung für die Absage den wachsenden Widerstand von Lokalpolitikern und New Yorker Bürgern gegen das Milliardenprojekt an. Zuletzt hatten Politiker kritisiert, Stadt und Staat New York hätten Amazon zu viele Subventionen versprochen.

Anti-amazon-Graffito in New York / Long Island City | Bildquelle: AFP
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Graffito gegen Amazon in Long Island City

Von Anfang an hatten Gewerkschaftsvertreter, Nachbarschaftsgruppen und Lokalpolitiker den Milliardendeal abgelehnt. Kritiker befürchteten zudem eine Mietpreisexplosion in der Stadt und ein Verkehrschaos rund um die in Long Island City zu errichtende Zentrale. "Wir holen uns unsere Wirtschaft, unsere Demokratie zurück. Das hier ist unsere Nachbarschaft", so eine Gewerkschaftsvertreterin in New York.

Amazon teilte mit, zwar würden laut Umfragen 70 Prozent der New Yorker eine Ansiedlung des zweiten Hauptquartiers in der Stadt begrüßen, dennoch fehle aufgrund der Opposition das für ein solches Milliardenprojekt notwendige vertrauensvolle Klima.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio spricht auf einer Konferenz in New Orleans. | Bildquelle: REUTERS
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Bürgermeister de Blasio hält Amazons Entscheidung für falsch - für die Stadt und das Unternehmen.

Bürgermeister von Entscheidung enttäuscht

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio reagierte mit einer wütenden Erklärung auf die plötzliche Absage des Online-Konzerns. Seine Stadt habe Amazon alle Möglichkeiten angeboten. Man habe die besten Arbeitnehmer und die größten Talente weltweit. Wenn Amazon das nicht erkenne, so de Blasio, würden es die Konkurrenten des Unternehmens tun.

Arlington als neuer Standort bleibt

Der Onlinehändler hatte sein zweites Hauptquartier neben der Zentrale in Seattle ursprünglich teilen wollen. Neben New York hatte Arlington in Virginia nahe der amerikanischen Hauptstadt in Washington DC den Zuschlag erhalten.

Die Pläne dort seien vom Rückzug in New York nicht betroffen. Derzeit, so teilte Amazon außerdem mit, werde keine neue Standort-Suche nach einem weiteren Standort gestartet. Man wolle vielmehr bestehende Standorte in Kanada und den USA ausbauen.  

 

Amazon ist zu schwach für New York - wütende Reaktionen auf geplatzten Deal
Georg Schwarte, ARD New York
15.02.2019 07:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete BR5 aktuell am 14. Februar 2019 um 20:40 Uhr.

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