Ein US-Polizist zeigt auf einem Bildschirm die Gesichtserkennungssoftware von Amazon. | Bildquelle: AP

Technik zur Gesichtserkennung Keine Amazon-Software für US-Polizei

Stand: 11.06.2020 06:48 Uhr

Inmitten der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA überdenken Tech-Konzerne ihre Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden. Amazon untersagt die Anwendung seiner Gesichtserkennungssoftware.

Der nordamerikanische Konzern Amazon hat der US-Polizei die Anwendung seiner Gesichtserkennungssoftware vorerst untersagt. Das Verbot gelte für ein Jahr und solle dem Kongress die Zeit geben, "angemessene Regeln" für den Einsatz derartiger Technologien zu verabschieden, erklärte das Unternehmen.

Man werde die Software mit dem Namen "Rekognition" aber weiterhin für Organisationen verfügbar machen, die beispielsweise nach vermissten Kindern suchen, die Opfer von Menschenhändlern geworden sein könnten. Die Software wird bei Amazons Cloud-Tochter AWS entwickelt.

Kritik an möglichem Missbrauch und Diskriminierung

Bereits Anfang der Woche kündigte das Technologie-Unternehmen IBM an, sich aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungssoftware komplett zurückzuziehen. IBM teilte mit, man wolle nicht zulassen, dass Technologie für Massenüberwachung, rassistische Diskriminierung oder Menschenrechtsverletzungen verwendet wird, hieß es in einem Brief an US-Abgeordnete.

Bisher hatte Amazon den Einsatz der Software bei der Polizei verteidigt - auch nachdem Forscher nach einer Testreihe kritisiert hatten, dass das Programm mehr Fehler bei Gesichtern mit einer nicht-weißen Hautfarbe mache.

Kritik kam vergangene Woche auch von US-Aktivisten. Sie warnten davor, die Gesichtserkennungssoftware sowie Beobachtungskameras von Amazon könnten von den US-Behörden für diskriminierende Maßnahmen gegen Schwarze missbraucht werden. Sie starteten eine Petition gegen das "Beobachtungsimperium" von Amazon. Darin wird das Unternehmen aufgefordert, seine Verbindungen zur Polizei und den Einwanderungsbehörden zu kappen.

Behörden haben Alternativen

Das Unternehmen betonte nun, man habe sich schon länger für eine stärkere Regulierung seitens der Regierung für eine ethische Nutzung von Gesichtserkennungstechnologien eingesetzt. Amazon-Chef Jeff Bezos hatte sich bereits im Herbst für eine Regulierung der Technologie ausgesprochen. Microsoft fordert das bereits seit 2018 - und ist zugleich auch ein relevanter Lieferant von Gesichtserkennungssoftware.

Die amerikanischen Polizeibehörden haben aber weitere Alternativen. So sorgte Anfang des Jahres die Firma Clearview für Aufsehen, die eine Datenbank aus Millionen öffentlich zugänglichen Fotos von Online-Diensten zusammentrug und unter anderem Polizeibehörden darauf zugreifen lässt. Auch Google bietet Technologie für Gesichtserkennung an. Einige US-Städte wie etwa San Francisco untersagten jedoch den Einsatz der Software.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2020 um 08:00 Uhr.

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