Gebündelter Papier- und Kartonmüll liegt gestapelt auf einer Abfallentsorgungsanlage. | Bildquelle: dpa

Krise auf dem Altpapiermarkt Höhere Müllgebühr wegen Papierstau

Stand: 30.01.2020 17:34 Uhr

China war bisher größter Abnehmer von Altpapier. Entsorger verdienten viel Geld mit dem Export. Doch die Zeiten sind vorbei. Der Preis ist im freien Fall. Einige Kommunen erhöhten bereits ihre Müllgebühren.

Von Janine Hilpmann, hr

Ein eiskalter Wind zieht an diesem Wintermorgen durch die Tore der großen Altpapierhalle von Attaulmanan Aslam. Vor ihm stapeln sich die Altpapierberge, angeliefert von Gewerbekunden. Früher hat der Unternehmer aus Mörfelden-Walldorf an einer Tonne gemischtem Altpapier rund 160 Euro verdient, inzwischen ist er bei fast null Euro angekommen. "Wir Unternehmer leiden dadurch, dass wir diese Absätze nicht erzielen können, die wir gewohnt sind", sagt er.

Höhe des Preiseinbruchs nicht absehbar

Auch bei Hessens größtem Müllentsorger FES spürt man die Folgen der Altpapier-Krise. 90.000 Tonnen Altpapier rollen hier pro Jahr über das Band. "Mit der Stadt Frankfurt ist ein langfristiger Vertrag vereinbart worden. Für den Vertrag ist ein Preis für die Tonne Altpapier angesetzt worden, der noch deutlich höher lag als er jetzt im Moment ist", erzählt Stefan Röttele während hinter ihm das Altpapier aus der Stadt über die Bänder einläuft. Die FES muss derzeit einen Preis bezahlen, der nicht mehr dem Marktpreis entspricht - und das bei konstanten Ausgaben. Das schlägt direkt auf den Gewinn durch. Wie hoch der Einbruch ist, kann noch niemand absehen.

Erste Kommunen erhöhen die Müllgebühren

Die Altpapier-Krise lässt bereits in einigen Gemeinden die Müllgebühren steigen, wie im hessischen Marburg-Biedenkopf-Kreis. Bis vor Kurzem hat man mit dem Verkauf von Altpapier noch gutes Geld verdient. Der gemeinschaftliche Verband von vierzehn Kommunen finanziert sich grundsätzlich durch Müllgebühren und Papiererlöse. "Wenn diese zweite Säule komplett wegbricht, muss die andere Säule das auffangen. Und das bedeutet ganz konkret, dass wir in diesem Jahr die Gebühren erhöhen mussten", erklärt Christoph Felkl vom Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf. Mittlerweile ist sein Verband bei einem Minus von über 800.000 Euro. Felkl muss schlicht seine Kosten decken und so zahlt eine vierköpfige Familie seit Januar rund 30 Euro mehr im Jahr für die Müllabholung.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), die Spitzenorganisation der Entsorgungsbetriebe von Städten und Gemeinden, hält es für möglich, dass weitere Kommunen die Müllgebühren zukünftig leicht werden anpassen müssen. 

China zwingt die Altpapier-Branche in die Knie

Grund für die Krise sind verschärfte Importvorschriften durch die Volksrepublik China. Bisher war sie der größte Abnehmer für Altpapier weltweit. 2015 nahm China laut Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) rund 30 Mio. Tonnen Altpapier ab, um es zu recyceln.

Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal noch 10 Mio. Tonnen. China will keinen schlecht sortierten Müll mehr aus dem Ausland haben. Das Land erlaubt noch einen Nicht-Papierbestandteil in der Lieferung von gerade einmal 0,5 Prozent. "Das ist zum einem unheimlich schwer herzustellen, zu sortieren und dann auch zu gewährleisten. Es gibt auch keine gemeinsam vereinbarte Testmethode, wie das ermittelt wird. Hier gehen sie bei Exporten mit Containerschiffen ein ganz hohes Rückholrisiko ein", so Thomas Braun vom bvse.

Altpapier im Hafen von Hongkong | Bildquelle: REUTERS
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Tonnen von Altpapier stehen im Hafen von Hongkong. Sie sollen auf das chinesische Festland verschifft werden, um dort zu Recyclingpapier verarbeitet zu werden.

Viele Exporteure suchen ihr Heil inzwischen auf anderen asiatischen Märkten. Doch auch hier werden die Einfuhrbedingungen zunehmend verschärft. Das Altpapier, das früher nach China ging, staut sich auf dem europäischen Markt und drückt den Preis. Die fetten Jahre für Altpapier sind zumindest bis auf Weiteres vorbei. Das spürt Aslam deutlich.

Früher hat er seinen Gewerbekunden Geld für das Altpapier gezahlt. Jetzt sei er gezwungen, von ihnen Geld zu verlangen. Derzeit nimmt er 20 Euro pro Tonne. Nur so kann er sich im Moment finanziell über Wasser halten.

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