Dieses von Human Rights Watch zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt al-Kunun in einem Hotelzimmer am internationalen Flughafen in Bangkok.  | Bildquelle: dpa

18-Jährige aus Saudi-Arabien Auf der Flucht in Bangkok gestoppt

Stand: 07.01.2019 13:41 Uhr

In Thailand ist eine 18-Jährige aus Saudi-Arabien am Flughafen gestoppt worden. Sie flieht nach eigener Auskunft vor ihrer Familie und will nach Australien. Botschafter, Menschenrechtler und das UNHCR schalteten sich ein.

Eine 18-Jährige aus Saudi-Arabien ist auf der Flucht vor ihrer Familie am Flughafen in Bangkok gestoppt worden. Aus Protest hat sich Rahaf Mohammed al-Kunun in ihrem Zimmer im Airport-Hotel verbarrikadiert und sendet verzweifelte Hilferufe über soziale Medien.

Mit einem Einspruch gegen ihre Ausweisung nach Saudi-Arabien scheiterte die junge Frau. Das teilte die Menschenrechtsanwältin Nadthasiri Bergman mit. "Sie sagen, wir haben nicht genügend Beweise." Thailändische Behörden teilten mit, al-Kunun aus Sicherheitsgründen nicht zurückschicken zu wollen.

Dieses von Human Rights Watch zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt al-Kunun in einem Hotelzimmer am internationalen Flughafen in Bangkok. | Bildquelle: AP
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Dieses von Human Rights Watch zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt Alkunun in einem Hotelzimmer am internationalen Flughafen in Bangkok.

Internationale Aufmerksamkeit

Das Büro des Hohen UN-Flüchtlingskommissars teilte mit, es verfolge den Fall und versuche über thailändische Behörden, Zugang zu der jungen Frau zu bekommen. Man wolle feststellen, ob sie internationalen Schutz brauche.

Auch der deutsche Botschafter in Thailand, Georg Schmidt, schaltete sich ein. Über Twitter machte er auf den Fall aufmerksam:

Saudische Botschaft beteiligt?

Laut eigener Auskunft ist die 18-Jährige während einer Familienreise nach Kuwait vor häuslicher Gewalt und Zwangsverheiratung geflohen. Über Bangkok wollte sie nach Australien fliegen. Am Flughafen wurde sie jedoch von thailändischen Behörden gestoppt. Dann sei ihr Reisepass beschlagnahmt worden.

Der saudische Geschäftsträger in Bangkok, Abdullah al-Schuaibi, sagte, sein Land habe nichts mit dem Fall zu tun. "Sie wurde von den Flughafenbehörden gestoppt, weil sie thailändische Gesetze verletzt hat", wurde er auf der saudischen Nachrichten-Webseite Sabk zitiert. Sie habe anscheinend kein Rückflugticket gehabt, keine Hotelreservierung und kein Touristenvisum. Die saudische Botschaft habe keine Handhabe, irgend jemanden auf dem Flughafen zu stoppen.

HRW fordert Flüchtlingsstatus

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte die Behörden auf, die 18-Jährige nach Australien weiterreisen zu lassen oder ihr in Thailand Flüchtlingsstatus zu gewähren. Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde sagte jedoch, al-Kunun habe kein Rückflugticket und auch kein Geld. Deshalb solle sie nach Kuwait zurück. "Die saudische Botschaft hat uns gesagt, dass sie von zuhause weggelaufen ist."

Gefährliche Flucht

Auf Twitter schrieb al-Kunun, sollte sie unter Druck saudischer Behörden zur Rückkehr zu ihrer Familie gezwungen werden, würde das sie in "echte Gefahr" bringen. Männliche Angehörige hätten sie geschlagen und mit dem Tode bedroht. Ein halbes Jahr sei sie in ihrem Zimmer eingesperrt worden, weil sie ihr Haare kürzer geschnitten habe.

Al-Kunun ist nicht die erste Frau, die vor der Bevormundung flieht: 2017 sorgte der Fall Dina Lasloom für Aufsehen. Die Frau war auf ihrem Weg nach Australien gestoppt und nach Saudi-Arabien zurückgebracht worden.

Rolle der Frau in Saudi-Arabien

Sollte al-Kunun zu ihrer Familie zurückgebracht werden, könnte Anklage gegen sie erhoben werden - so beispielsweise wegen des Verstoßes gegen das Vormundschaftsrecht, wegen Ungehorsams gegenüber den Eltern und wegen Beschädigung der Reputation Saudi-Arabiens.

Der rechtliche Status einer Frau in Saudi-Arabien entspricht nach wie vor im Wesentlichen dem eines Kindes. Während der vergangenen Jahre hat die Regierung das Recht zwar zugunsten der Frauen gelockert, doch noch immer brauchen Frauen für vieles die Zustimmung ihre männlichen Vormunds - wofür genau, das ist in keinem saudischen Gesetz klar festgelegt.

Mit Informationen von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Junger saudischer Frau in Thailand droht Abschiebung
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
07.01.2019 13:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Januar 2019 um 09:25 Uhr.

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