Abdelmadjid Tebboune | Bildquelle: dpa

Algerien Tebboune gewinnt Präsidentschaftswahl

Stand: 13.12.2019 14:00 Uhr

Fünf Kandidaten gab es bei der Präsidentschaftswahl in Algerien - allen fünf werfen Demonstranten vor, Teil des alten Systems zu sein. Nun wurde Ex-Regierungschef Tebboune zum Sieger erklärt. Kurz darauf kam es zu Protesten.

In Algerien ist der frühere Regierungschef Abdelmadjid Tebboune zum Präsidenten gewählt worden. Der 74-Jährige erreichte bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit mit rund 58 Prozent der Stimmen, wie die Nationale Wahlbehörde ANIE mitteilte. Kurz nach der Bekanntgabe des Siegers gingen in der Hauptstadt Algier Tausende Menschen auf die Straße und protestierten.

Auch die Wahl am Donnerstag war von Massendemonstrationen und Ausschreitungen begleitet worden. Allein in Algier waren Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen. Sie sahen in allen fünf zugelassenen Kandidaten eine Fortsetzung der Politik des im April zurückgetretenen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika.

Tebboune war unter Bouteflika mehrfach Minister und 2017 schließlich drei Monate lang Ministerpräsident. Er soll gut mit dem einflussreichen Armeechef Ahmed Gaid Salah vernetzt sein. Dieser wird von Mitgliedern der prodemokratischen Protestbewegung in Algerien kritisiert.

Mehrfach Minister unter Bouteflika

Die Wahl in dem flächenmäßig größten afrikanischen Land war umstritten. Wahlbeobachter der EU waren nicht zur Überwachung eingeladen. Mehrere internationale Journalisten bekamen kein Visum, um direkt aus dem Land zu berichten. Die Wahlbeteiligung wurde mit knapp 40 Prozent angegeben und lag damit deutlich niedriger als bei früheren Wahlen.

Bouteflika hatte 20 Jahre lang in dem Land geherrscht. Die Protestbewegung, die sich im Februar formierte, zwang ihn im April zum Rücktritt. Eine für den 4. Juli geplante Wahl seines Nachfolgers wurde aus Mangel an Kandidaten verschoben.

Die Protestbewegung fordert weitreichende politische Reformen vor einem Urnengang und lehnte die Wahl deshalb ab. Viele Demonstranten glauben, dass die Abstimmung zugunsten des alten Regimes manipuliert worden ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Dezember 2019 um 12:00 Uhr.

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