Demonstration in Annaba | Bildquelle: AFP

Massenproteste in Algerien Gegen "Ali Baba und die 40 Räuber"

Stand: 29.03.2019 16:53 Uhr

Etwa eine Million Menschen haben den sechsten Freitag in Folge gegen den algerischen Präsident Bouteflika demonstriert. Sie fordern seinen Rücktritt und ein neues politisches System.

Die Massenproteste gegen Algeriens altersschwachen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika und die Führung des Landes gehen weiter. Auch an diesem Freitag gingen wieder Menschen in der Hauptstadt Algier und an anderen Orten auf die Straße. Sie forderten in Sprechchören den Rücktritt des Staatschefs und der führenden Elite sowie ein neues politisches System. Es war der sechste Freitag in Folge des Protestes.

Die Demonstrationen hatten Ende Februar begonnen und sich zunächst gegen die Kandidatur des 82 Jahre alten Bouteflikas bei der Präsidentenwahl gerichtet. Die Menschen protestierten aber weiter, als der Präsident auf seine Kandidatur verzichtete und Reformen zusagte. Er verschob gleichzeitig die Wahl und verlängerte somit seine Amtszeit auf unbefristete Zeit. Eigentlich endet diese am 28. April.

Demonstration in Algier | Bildquelle: AFP
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Etwa eine Million Menschen haben gegen den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika und das politische System protestiert.

Menschen wollen neues politisches System

Mittlerweile rückt auch Algeriens politische Elite vom Staatschef ab. Generalstabschef Ahmed Gaid Salah forderte am Dienstag das Verfassungsgericht und das Parlament auf, Artikel 102 der Verfassung zu aktivieren. Damit kann der Präsident aus gesundheitlichen Gründen für amtsunfähig erklärt und de facto abgesetzt werden.

Die Opposition sieht in dem Vorstoß der Armee jedoch einen Putschversuch. Auch zahlreiche Demonstranten lehnten eine Absetzung des Präsidenten über Artikel 102 ab. Sie befürchten, dass so die Männer hinter dem Staatschef weiter ihren Einfluss behalten.

Abdelaziz Bouteflika, und Ahmed Gaid Salah | Bildquelle: AP
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Die Menschen wollen nicht nur den Rückzug von Bouteflika, sondern auch dass Generalstabschef Ahmed Gaid Salah zurücktritt.

Einige der Protestierenden hielten Transparente hoch, auf denen sie den Rücktritt von Generalstabschef Salah forderten. Andere geißelten die politische Elite des Landes als "Ali Baba und die 40 Räuber" und sprachen sich gegen eine internationale Einmischung in die Krise aus.

Bouteflika ist seit 20 Jahren an der Macht, sitzt aber seit einem Schlaganfall 2013 im Rollstuhl und kann kaum noch sprechen. In der Öffentlichkeit tritt er fast nicht mehr auf. Der Unmut der Demonstrierenden richtet sich inzwischen aber auch gegen das Geflecht aus hohen Militärs, Politikern und Wirtschaftsvertretern, die das Land beherrschen. Vor allem die Armee spielt dabei eine zentrale Rolle.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2019 um 16:00 Uhr.

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