Demonstranten protestieren in Algier gegen die Bewerbung ihres angeschlagenen Präsidenten für eine fünfte Amtszeit (Archivbild vom 07.03.2019) | Bildquelle: AFP

Algerien Bouteflika warnt vor Chaos

Stand: 26.03.2019 16:54 Uhr

Seit Tagen protestieren Tausende Algerier gegen Präsident Bouteflika. In einer schriftlichen Erklärung warnte der 82-Jährige warnt nun, friedliche Demonstrationen könnten unterwandert werden. Die Schuld gibt er auch ausländischen Akteuren.

Angesichts der massiven Proteste gegen seine erneute Kandidatur hat Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika vor Chaos im Land gewarnt. Friedliche Märsche könnten unterwandert werden und zu Aufruhr und Krisen führen, hieß es in einer schriftlichen Botschaft, die in den staatlichen Medien veröffentlicht wurde.

Algerien habe einen hohen Preis gezahlt, um Frieden und Stabilität wiederzuerlangen. Bouteflika warf Akteuren im Ausland Intrigen gegen sein Land vor. Es gebe "viele verbitterte Menschen", die enttäuscht seien, dass Algerien die Wogen des arabischen Frühlings sicher überstanden habe. Welche Akteure er meint, ließ Bouteflika offen. Friedliche Demonstrationen dagegen seien ein "Zeichen politischer Reife".

Algeriens Präsident Bouteflika | Bildquelle: AFP
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Algeriens Präsident Bouteflika beschuldigt auch ausländische Akteure.

Auch Anwälte auf der Straße

In der Hauptstadt Algier zogen Hunderte Anwälte vor das Verfassungsgericht. Sie forderten eine Annullierung der Kandidatur Bouteflikas und eine Verschiebung der Wahl. Die algerische Verfassung lasse bei langer Krankheit die Absetzung eines Präsidenten zu, argumentierten sie. Die Anwälte forderten außerdem die Bildung einer Regierung aus Technokraten.

Seit einem Schlaganfall sitzt der 82-jährige Bouteflika im Rollstuhl, das Sprechen fällt ihm schwer. Zurzeit wird er in der Schweiz medizinisch untersucht. Wann er nach Algerien zurückkehrt, ist unklar. Kritiker glauben, dass der Präsident nicht mehr in der Lage sei, das Amt auszuüben. Sie sehen in Bouteflika den Strohmann eines Machtgeflechts aus Militärs, Politikern und Geschäftsleuten.

In Algier protestieren Hunderte Anwälte vor dem Verfassungsgericht. | Bildquelle: REUTERS
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In Algier protestieren Hunderte Anwälte vor dem Verfassungsgericht.

Vor allem junge Menschen protestieren

Ministerpräsident Ahmed Ouyahia hatte bereits kurz nach Beginn der Demonstrationen vor Entwicklungen wie in Syrien gewarnt. Dort hatten sich die Proteste gegen die Regierung 2011 zu einem Bürgerkrieg entwickelt.

Bouteflika ist seit 1999 an der Macht und hatte am Sonntag seine Kandidatur für die Wahl am 18. April offiziell einreichen lassen. Vor allem Studenten protestieren in vielen Teilen des Landes gegen eine fünfte Amtszeit. Die Ankündigung des Präsidenten, keine volle Amtszeit mehr regieren und Reformen vorantreiben zu wollen, führten nicht zu einem Ende der Proteste.

In Algerien wächst der Druck auf die Machthaber
Stefan Ehlert, ARD Rabat
07.03.2019 19:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. März 2019 um 19:15 Uhr.

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