Flüchtlinge stehen auf dem Rettungsboot "Alan Kurdi" an der Reling. | Bildquelle: dpa

Deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi" nimmt Kurs auf Malta

Stand: 07.07.2019 00:29 Uhr

Die Seenotretter auf der "Alan Kurdi" haben entschieden, nicht länger vor Lampedusa auszuharren: Das Schiff mit 65 Migranten an Bord hat Kurs auf Malta genommen. Man wolle nicht warten, bis der Notstand ausbreche.

Nach stundenlangem Warten vor der italienischen Insel Lampedusa hat das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit 65 Geretteten an Bord Kurs auf Malta genommen. Das schrieb die Hilfsorganisation Sea-Eye aus Regensburg auf Twitter. Zuvor hatte das Schiff vergeblich auf die Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen gewartet, Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte das jedoch strikt verboten.

Die Organisation hatte erklärt, sich an das Verbot zu halten. Nun wolle man nicht länger ausharren. "Wir können nicht abwarten, bis an Bord der Notstand ausbricht. Jetzt muss sich zeigen, ob andere europäische Regierungen die harte Haltung Italiens stützen oder den Menschen einen sicheren Hafen anbieten", sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler. Ohne Hilfe von außen werde die Lage in zwei bis drei Tagen kritisch an Bord. In Malta werde die "Alan Kurdi" voraussichtlich am Sonntagmittag eintreffen.

Rackete vorübergehend unter Hausarrest

Vor einer Woche hatte das von der deutschen Kapitänin Carola Rackete geführte Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit Dutzenden Migranten an Bord gegen den Willen Salvinis in Lampedusa angelegt. Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Migranten über Bord in den Tod springen könnten. Die Behörden stellten die Kapitänin unter Hausarrest, den ein Gericht nach vier Tagen jedoch aufhob. Das Schiff wurde beschlagnahmt.

"Wir haben erlebt, dass die italienische Regierung dazu bereit ist, die Geretteten so lange auf Schiffen festzuhalten, bis Lebensgefahr besteht", sagte Sea-Eye-Einsatzleiter Isler nun. "Für uns ist es nun an der Zeit, Europa aus der Geiselhaft des italienischen Innenministers zu befreien. Wenn die Staats- und Regierungschefs ihre Kritik am italienischen Innenminister ernst meinen, können sie uns auf Malta einlaufen lassen."

Seehofer appelliert an Salvini

Die "Alan Kurdi" hatte nach eigenen Angaben am Freitag 65 Menschen von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet und lag seither in internationalen Gewässern vor Lampedusa. Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt Sawija als "sicheren Zufluchtsort" anzulaufen, lehnte das Rettungsschiff ab.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Salvini am Samstag in einem Brief aufgefordert, die Dauerkrise der Rettungsschiffe im Mittelmeer zu beenden. Salvini verbat sich diesen Vorschlag. "Die Bundesregierung bittet mich, italienische Häfen für die Schiffe zu öffnen? Absolut nicht", erklärte er. "Wir fordern die Merkel-Regierung auf, den Schiffen die deutsche Flagge zu entziehen, die Menschenhändlern und Schmugglern helfen, und ihre Bürger, die die italienischen Gesetze missachten, zurückzuholen."

Am Samstagabend kündigte Salvini außerdem ein härteres Vorgehen gegen Seenotretter an. Seine Lega-Partei werde vorschlagen, die Strafe für Hilfsorganisationen, die trotz eines Verbots italienische Häfen ansteuern würden, auf eine Million Euro anzuheben, twitterte er. Zudem solle es leichter werden, die Schiffe zu beschlagnahmen. Die Regierung hatte erst im Juni neue Regeln erlassen, die eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro und die Beschlagnahmung des Schiffes für ein verbotswidriges Anlegen in italienischen Häfen vorsehen.

Menschen an Bord der "Alex" dürfen an Land

Unterdessen erhielten die Menschen an Bord des italienischen Rettungsschiffes "Alex" Erlaubnis, in Lampedusa an Land zu gehen. Das teilte das italienische Innenministerium am Abend mit. Das Schiff mit 41 aus dem Mittelmeer geretteten Migranten war zuvor entgegen des Verbots Salvinis in den Hafen der italienischen Mittelmeerinsel eingelaufen. Salvini hatte zunächst verkündet, er selbst würde nicht erlauben, dass jemand von der "Alex" an Land gelassen werde.

Die Entscheidung, die Menschen an Land zu lassen, habe nun die Finanzpolizei zu Ermittlungszwecken getroffen. Sie untersteht dem Wirtschaftsministerium und nicht Salvinis Innenministerium.

Die Betreiberorganisation Mediterranea Saving Humans hatte zuvor berichtet, der Gesundheitszustand der Menschen verschlechtere sich rapide. Unter ihnen befänden sich vier Kinder und elf Frauen, von denen drei schwanger seien. Nach Angaben der Organisation befanden sich rund 60 Menschen an Bord, darunter 41 Gerettete. Zugelassen sei das Schiff lediglich für 18 Menschen.

Seenot-Rettungsschiff "Alan Kurdi" auf dem Weg nach Malta
Nikolaus Nützel, ARD Rom
07.07.2019 06:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2019 um 17:28 Uhr.

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