Nutzer tippt auf ein Smartphone

Belgien Keine Prepaid-Karten mehr bei Aldi

Stand: 10.04.2017 19:27 Uhr

Von Ostermontag an verkauft Aldi keine Prepaid-Karten mehr - in Belgien. Zum Schutz vor Terror müssen sich Kunden dort künftig ausweisen und die Kontrolle ist Aldi zu aufwendig. Was geschieht, wenn ab Juli die Ausweispflicht auch in Deutschland gilt?

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Erst die Terroranschläge in Paris, wenige Monate später in Brüssel. Die Täter kommunizierten in beiden Fällen über das Handy, erhielten zum Teil während der Attentate Anweisungen über ihr Mobiltelefon. Sie alle hatten sich Prepaid-Sim-Karten gekauft. Anonym, ohne Ausweis, ohne Registrierung.

Damit muss Schluss sein, entschied die belgische Regierung im November: Ab Juni müssen im Königreich alle Nutzer von Guthabenkarten erfasst werden. Ganz gleich, ob sie Aldi Talk oder Lidl Connect heißen. Und ganz gleich, ob hinter ihnen die Telekommunikations-Anbieter Vodafone, Belgacom, Telecom oder Telefónica stehen.

Aldi Talk wird in Belgien abgeschafft

Man müsse jetzt gemeinsam Anti-Terrormaßnahmen ergreifen, um die Sicherheit zu erhöhen, erklärte vor einem Jahr Belgiens Premier Charles Michel nach den Terroranschlägen auf den Flughafen und die Metro von Brüssel.

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Doch dazu sieht sich Aldi Belgien nicht in der Lage. Der Discounter entschied jetzt: Das beliebte Aldi Talk gibt es nur noch bis Karfreitag. Ab Ostersamstag ist Schluss mit dem Prepaid-Angebot in Belgien. Aufgebraucht werden müssen die Guthaben spätestens bis zum 6. Juni.

Prepaid-Karten: Ausweispflicht in Deutschland

Ähnlich wie Belgien hat auch Deutschland im vergangenen Sommer neue Anti-Terrorgesetze beschlossen. "Es kann nicht sein, dass sich jemand ein Smartphone kauft, sich bei einem Telekommunikationsanbieter anmeldet und dann gegen ihn ermittelt werden kann, während derjenige, der sich ein Prepaid-Handy in der Drogerie kauft dazu beiträgt, dass gegen ihn nicht ermittelt werden kann", erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière im Juni 2016 im Deutschen Bundestag.

Zwar seien die Anbieter verpflichtet, Namen, Anschrift und Geburtsdatum von Prepaid-Kunden zu erheben und zu speichern. De facto reiche es aber, sich Donald Duck zu nennen und eine willkürliche Adresse aus dem Telefonbuch anzugeben, betonte de Maizière. Das muss geändert werden, beschloss der Deutsche Bundestag: Paragraf 111 des Telekommunikationsgesetzes schreibt vor, dass ab Juli dieses Jahres beim Erwerb einer Prepaid-Karte ein Personalausweis oder ein anderes zur Identifikation geeignetes Dokument vorgelegt werden muss.

Aldi Süd will Verkauf von Prepaid-Karten nicht einstellen

Ob Aldi Deutschland dem belgischen Beispiel folgt, bleibt abzuwarten. Aldi Süd erklärte inzwischen, dass das Unternehmen "nicht plant, den Verkauf von Prepaid Karten in Deutschland einzustellen." Paragraf 111 des Telekommunikationsgesetzes betreffe auch das eigene Produkt, Aldi Talk, sagte Sprecherin Lina Unterbörsch. "Die Umsetzung dieses Gesetzes beschäftigt uns bereits seit einigen Monaten", erklärte sie. Man überprüfe derzeit unterschiedliche Modelle - konkret dazu äußern, wolle man sich aber noch nicht.

Keine Prepaid-Karten mehr bei Aldi in Beligien
R. Sina, ARD Brüssel
10.04.2017 14:35 Uhr

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