Edi Rama | Bildquelle: AP

Albanien gegen Asylzentren "Kein Wellenbrecher für Flüchtlinge"

Stand: 27.06.2018 06:03 Uhr

EU-Flüchtlingszentren außerhalb der EU - diese Idee wird immer wieder in der Asyldebatte aufgebracht. Albanien könnte ein Land dafür sein, hieß es zuletzt aus der EU. Doch in Tirana lehnt man das kategorisch ab.

Albanien lehnt die Errichtung von Asylzentren der EU auf seinem Staatsgebiet ab. Sein Land wolle derartige Flüchtlingslager nicht errichten, wenn es bedeute, "verzweifelte Menschen irgendwo abzuladen wie Giftmüll, den niemand will", sagte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama der "Bild"-Zeitung (Mittwochsausgabe). Es sei eine "gefährliche Lösung, Albanien zum Wellenbrecher für Europas Flüchtlinge" machen zu wollen, sagte Rama.

Auch als Gegenleistung für einen EU-Beitritt werde sein Land keine Flüchtlingszentren einrichten. Zugleich bekräftigte er, Albanien werde immer bereit sein, einen gerechten Beitrag zur Bewältigung der europäischen Last zu leisten. "Die Flüchtlingskrise muss ungeachtet des aktuellen Stands unserer Beitrittsversuche bewältigt werden".

Antonio Tajani, Präsident des Europäischen Parlaments, geht vor einer Wand des Parlaments und zeigt mit dem Zeigefinger nach vorne. | Bildquelle: dpa
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EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hatte zuletzt zwei Auffanglager auf dem Balkan vorgeschlagen.

In der Diskussion um Auffanglager für Flüchtlinge außerhalb der EU hatte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zuletzt zwei Auffanglager auf dem Balkan vorgeschlagen - in Albanien und Mazedonien. 

EU-Zusage mit Bedingung

Die EU-Staaten hatten der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Albanien am Dienstag grundsätzlich zugestimmt. Spekuliert wurde, ob dieser Schritt mit einer Zusage Albaniens zusammenhängen könnte, den Aufbau von Auffangcamps für Flüchtlinge zu erwägen.

Eine endgültige Entscheidung über die Gesprächsaufnahme soll im Juni 2019 fallen, hieß es in einem Dokument, das die Europa-Minister der 28 Mitgliedsstaaten am Dienstag veröffentlichten.

Zuvor müssten die Balkan-Staaten aber eine Justizreform in Angriff nehmen sowie Korruption und organisierte Kriminalität bekämpfen, bevor dann die Verhandlungen offiziell Ende kommenden Jahres begonnen werden könnten.

Die EU hat grundsätzlich grünes Licht für die Gespräche gegeben
Kai Küstner, ARD Brüssel
26.06.2018 21:39 Uhr

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