Rettungsschiff Alan Kurdi fährt im Mittelmeer | Bildquelle: SEA-EYE

Vor libyscher Küste Rettungsschiff "Alan Kurdi" bedroht

Stand: 27.10.2019 00:10 Uhr

Die Besatzung des Schiffs "Alan Kurdi" ist nach eigenen Angaben massiv von Einsatzkräften aus Libyen bedroht worden. Mehrere libysche Boote versuchten demnach, die Rettung von rund 90 Migranten zu behindern

Libysche Einsatzkräfte haben nach Angaben der Hilfsorganisation Sea Eye während eines Einsatzes zur Rettung von 90 Menschen aus dem Mittelmeer Warnschüsse abgefeuert und Retter sowie Flüchtlinge bedroht. Die libyschen Patrouillenboote seien "mit hoher Geschwindigkeit" auf das Rettungsschiff  "Alan Kurdi" zugesteuert. Die Einsatzkräfte seien maskiert gewesen, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler.

 Sie hätten die Flüchtlinge überdies mit Maschinengewehren bedroht. Letzlich sei es aber mit einem Hilfsboot gelungen, die Flüchtlinge, die zuvor auf einem Schlauchboot trieben, an Bord der "Alan Kurdi" zu nehmen.

Die libyschen Schiffe hätten "keine Bootskennung" gehabt und mit ihrem Bordgeschütz gedroht. Sie hätten die "Alan Kurdi" eingekreist, so dass sie zeitweise nicht mehr manövrierfähig gewesen sei.

Aktuell keine Bedrohung mehr

"Die akute Bedrohungssituation ist beendet", sagte Isler. Er zeigte sich zugleich empört über das Verhalten der "Schwerverbrecher" aus Libyen. "So etwas haben wir noch nie erlebt - weder mit der 'Alan Kurdi' noch mit anderen Schiffen", sagte Isler. 

Bei einer Kollision zwischen der "Alan Kurdi", dem dazugehörigen Rettungsboot und dem Schlauchboot seien mehrere Menschen ins Wasser gefallen und von den libyschen Booten an Bord genommen worden, dann aber wieder ins Wasser gesprungen. Im Endeffekt sei aber niemand schwer verletzt worden, sagte Isler. 

90 Migranten gerettet

"Wir haben den Eindruck, dass wir alle Leute an Bord nehmen konnten." Die libyschen Boote hätten dann abgedreht, die "Alan Kurdi" sei in Richtung Norden unterwegs. Sea Eye teilte via Twitter mit, dass die 17 Mitglieder der Crew und die 90 Geretteten "sicher an Bord" seien.

Am Abend veröffentliche Sea-Eye eine Erklärung. "Der Kontakt zum Schiff brach für fast eine Stunde ab. Bei der Informationslage hatten wir auch große Sorge um das Leben unserer eigenen Besatzung", erklärte Missionsleiter Jan Ribbeck. Die Besatzung habe professionell und besonnen reagiert.

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