Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" | Bildquelle: dpa

Trotz Verbots "Alan Kurdi" nimmt Kurs auf Lampedusa

Stand: 06.07.2019 01:36 Uhr

Das deutsche Rettungssschiff "Alan Kurdi" mit 65 Migranten an Bord hat trotz eines Verbots Kurs auf Lampedusa genommen. Dort sei der am nächsten gelegene europäische Hafen, erklärte die Hilfsorganisation Sea-Eye.

Nach der Rettung von 65 Menschen von einem überladenen Schlauchboot im Mittelmeer hat das Schiff "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye eigenen Angaben zufolge Kurs auf Lampedusa genommen. Die italienische Insel sei "der am nächsten gelegene europäische Hafen", dort könnten die Geretteten an einen sicheren Ort gebracht werden, erklärte Sea-Eye.

Libyen als Anlaufziel abgelehnt

Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt Sawija als "Place of Safety" (sicherer Ort) anzulaufen, wurde demnach abgelehnt. "Libyen ist kein sicherer Ort, für niemanden", begründete der Kapitän die Entscheidung.

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" | Bildquelle: REUTERS
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Seit Ende 2018 ist die "Alan Kurdi" vor der libyschen Küste unterwegs.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte zuvor gesagt, die "Alan Kurdi" könne nicht nach Italien fahren - auch nicht im Fall einer späteren Verteilung der Migranten auf andere europäische Staaten. Er drängte Bundesinnenminister Horst Seehofer in einem Brief, Verantwortung für das Schiff zu übernehmen.

Schlauchboot ohne Navigationshilfen

Die "Alan Kurdi" hatte nach eigenen Angaben zuvor 65 Menschen an Bord genommen, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollten. Das Schlauchboot sei vor der libyschen Küste in internationalen Gewässern entdeckt worden, teilte Sea-Eye mit. Es sei manövrierfähig und mit ausreichend Treibstoff versorgt gewesen, habe aber weder ein GPS-fähiges Telefon noch andere Navigationshilfen an Bord gehabt. 

"Ohne ein GPS-fähiges Telefon oder nautische Grundkenntnisse hätten diese jungen Menschen vermutlich keinen Ort erreicht und wären verschwunden", sagte Gorden Isler, Einsatzleiter auf der "Alan Kurdi". An Bord des Schlauchboots befanden sich offenbar nur zehn Liter Trinkwasser.

Offenbar viele Minderjährige unter Geretteten

Laut Sea-Eye gaben 39 Menschen an, minderjährig zu sein. Der Jüngste von ihnen sei erst zwölf Jahre alt. Insgesamt 48 der Geflüchteten stammten aus Somalia in Ostafrika, zwei seien Libyer. Einer der Somalier habe erzählt, dass er schon vor drei Jahren aus seiner Heimat aufgebrochen sei, drei Monate für die Durchquerung der Wüste benötigt habe und einen Freund verloren habe, der an der libyschen Grenze erschossen worden sei.

Ein Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte vorige Woche trotz eines Verbots Italiens Kurs auf die italienischen Hoheitsgewässer genommen und mit zuletzt noch 40 Migranten an Bord im Hafen Lampedusas angelegt. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete war daraufhin festgenommen und erst am Dienstag wieder freigelassen worden. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juli 2019 um 02:55 Uhr.

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