Abtreibungsklinik in Alabama | Bildquelle: Martina Buttler

Alabamas Abtreibungsgesetz "Es ist ein Krieg gegen Frauen"

Stand: 25.09.2019 14:04 Uhr

Alabama hat eins der härtesten Abtreibungsgesetze in den USA. Schwangerschaften durch Inzest und Vergewaltigung dürfen nicht beendet werden. Ehrenamtliche versuchen, betroffene Frauen zu unterstützen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Ein schmuckloser Flachbau, drumherum ein mannhoher Zaun, der mit Plastikplane zugehangen ist, so dass man den Eingang nicht von der Straße sehen kann. Dies ist eine der drei Abtreibungskliniken in Alabama und es ist "Procedure Day". Das ist der Tag in der Woche, an dem in Montgomery Abtreibungen vorgenommen werden. Vor dem Zaun protestieren Abtreibungsgegner. Ein Gebetskreis ist auf der anderen Straßenseite.

Sam ist vor zwei Jahren abgekämpft aus dieser Klinik gekommen. Sie ist von einem Kollegen vergewaltigt worden. Die 25-Jährige erinnert sich noch gut, wie sie sich gefühlt hat, als sie festgestellt hat, dass sie schwanger war:

"Das war vernichtend. Es war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Ich hatte so viele Gefühle, die hochkamen: Angst, Wut, Traurigkeit. Aber ich wusste sofort: Ich muss diese Schwangerschaft beenden."

Abtreibungsverbot nach Vergewaltigung in Alabama
Mittagsmagazin, 25.09.2019

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Das härteste Abtreibungsgesetz in den USA

Alabama hat dieses Jahr das härteste Abtreibungsgesetz in den USA verabschiedet. Auch nach Vergewaltigungen und Inzest soll ein Schwangerschaftsabbruch künftig nicht mehr möglich sein. Konservative Christen wie Joe Godfrey sind begeistert. Der Pfarrer kämpft und betet seit Jahren für ein Ende der Abtreibungen.

Das Gesetz ist so geschrieben, dass es vor dem Obersten Gerichtshof landet. Denn den Abtreibungsgegnern geht es darum, die seit mehr als 40 Jahren geltende Grundsatzentscheidung zu Abtreibungen zu kippen:

"Wir glauben, dass der Mensch ein Abbild Gottes ist. Leben ist wertvoll für Gott. Deshalb sind wir überzeugt, dass jedes Leben zu jedem Zeitpunkt seiner Entwicklung geschützt werden muss. Das Leben dieses Babys ist für mich eine sehr ernste Angelegenheit."

Abtreibungsklinik in Alabama | Bildquelle: Martina Buttler
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Kampf für das Recht, eine Schwangerschaft zu beenden, vor einer Abtreibungsklinik.

Klagen gegen das Gesetz

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU ist eine der Organisationen, die gegen das Gesetz geklagt haben. Während die Sache vor Gericht ausgefochten wird, begleiten Ehrenamtliche in Regenbogenwesten weiter Frauen in die Klinik in Montgomery und später wieder raus. Sie spannen große Schirme auf, um den Blick auf die Frauen zu versperren. Denn manche Abtreibungsgegner filmen sie und ihre Autos. Sie stellen die Bilder online und haben damit schon dafür gesorgt, dass eine Frau beispielsweise ihren Studienplatz und damit ihre Zukunft verloren hat.

Bianca Cameron-Schwiesow ist eine der Ehrenamtlichen des PowerHouse, einer Organisation von Abtreibungsbefürwortern. Das Gesetz in Alabama macht sie fassungslos: "Es ist ein Krieg gegen Frauen, ein Bürgerkrieg gegen Frauen, und der hat hier im Süden angefangen."

Sam bereut ihren Schwangerschaftsabbruch nicht. Wenn das Gesetz damals in Kraft gewesen wäre, hätte sie selbst versucht, eine Lösung zu schaffen, ist sie sich sicher:

"Ich bin überzeugt, dass ich entweder die Schwangerschaft selbst beendet hätte, auch wenn es lebensgefährlich gewesen wäre und ich dabei hätte sterben können. Oder ich hätte mir das Leben genommen, weil ich mit dem Trauma nicht umgehen könnte, das Kind meines Vergewaltigers auf die Welt zu bringen."

Frauen schirmen Patientinnen mit Regenschirmen ab | Bildquelle: Martina Buttler
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Ehrenamtliche schirmen Patientinnen mit Regenschirmen ab.

Jede vierte Frau unter 45 hat eine Abtreibung

In den USA hat jede vierte Frau unter 45 eine Abtreibung. Die Zahl der Abbrüche ist auf dem niedrigsten Stand, der je gezählt wurde. In Alabama sind zwei Drittel der Frauen, die abtreiben, schwarz. Viele haben kein Geld. Für Menschen, die Geld haben, würde es, selbst wenn das Gesetz in Kraft treten würde, immer Wege geben, eine Schwangerschaft zu beenden, ist sich Randall Marshall von der ACLU sicher:

"Es war nie ein Problem für jemanden, der Geld hat, eine Abtreibung zu haben. Die können sich ins Flugzeug setzen und woanders eine sichere Abtreibung bekommen. Es werden diejenigen leiden, die sich das nicht leisten können."

In Alabama tobt ein Krieg um Abtreibungen. Ein Glaubenskrieg. Ein Kampf darum, wer über den Körper einer Frau und ihres ungeborenen Kindes entscheiden darf.

Abtreibungskrieg in Alabama
M. Buttler, ARD Washington
25.09.2019 13:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das "ARD-Mittagsmagazin" am 25. September 2019 um 13:00 Uhr.

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