AKW Mochovce (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Pannen-AKW Immer Ärger mit Mochovce

Stand: 26.05.2019 04:14 Uhr

Die Blöcke 3 und 4 des AKW Mochovce sollten längst laufen, produzieren aber statt Energie nur Milliardenkosten. Inzwischen hoffen immer mehr, dass die beiden Atommeiler nie in Betrieb gehen.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Peter Pellegrini, der slowakische Ministerpräsident, bemühte sich gar nicht erst um diplomatische Floskeln, als er neulich auf seinen österreichischen Kollegen Sebastian Kurz reagierte. Der hatte Sicherheitsbedenken geltend gemacht und verlangt, dass der Bau der AKW-Blöcke Mochovce 3 und 4 gestoppt werden.

Peter Pellegrini, Premierminister der Slowakei, gestikuliert bei einer Pressekonferenz am Sonntag. | Bildquelle: REUTERS
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Der slowakische Ministerpräsident Pellegrini steht hinter dem AKW-Bau.

"Äußerungen von der Art, dass man alles tun wolle, um die Inbetriebnahme von Mochovce zu verhindern, halte ich für etwas, womit Bundeskanzler Kurz seine Kompetenzen überschreitet und versucht, in die Souveränität der Slowakei einzugreifen", beschwert sich Pellegrini.

Und in die Richtung seiner eigenen Landsleute sprach Pellegrini: "Ich will in erster Linie die Bürger der Slowakei versichern, dass die Regierung, das Wirtschaftsministerium, die Atomaufsichtsbehörde und alle verantwortlichen Organe alles dafür tun werden, damit der dritte und vierte Block von Mochovce absolut sicher sind."

Noch aus kommunistischer Zeit

Mochovce ist ein Dauerbrenner, auch ohne Brennstäbe. Mit dem Bau der Blöcke 3 und 4 wurde schon zu kommunistischen Zeiten begonnen, da waren die beiden ersten Blöcke auch noch nicht fertig. 1992 wurde der Bau wegen Geldmangels gestoppt. Es folgte 2006 die Privatisierung der Slowakischen Elektrizitätswerke SE - zwei Drittel gingen an den italienischen Energiekonzern Enel, ein Drittel blieb beim slowakischen Staat, der damit die Kontrolle aufgegeben hat. Nur zahlen darf er seither. 2007 wurde der Weiterbau vereinbart; wieder Druckwasser-Reaktoren sowjetischer Bauart, Inbetriebnahme 2012. Sie ist inzwischen elf Mal verschoben worden.

"Wir erwarten, dass das Kraftwerk im Laufe des Sommers bereit sein wird für die Beschickung mit Brennstäben", erklärt Branislav Strycek, Generaldirektor der SE. "Ab diesem Moment kann es bis zu acht Monate dauern, bis unsere Genehmigung rechtskräftig wird."

Alles nur Managementfehler?

Eine weitere Verzögerung. Das Kraftwerk wird wohl auch in diesem Jahr keinen Strom erzeugen. Das Wirtschaftsministerium ist über die vielen Verschiebungen alles andere als amüsiert. Eklatantes Managerversagen sieht Maros Stano, der Sprecher des Ministeriums: "Der Staat hat deshalb den privaten Aktionär ersucht, wegen der offensichtlichen Fehler personelle Konsequenzen in der Leitung zu ziehen. Die Terminänderungen zeigen klar, dass auf einigen Posten inkompetente Leute sitzen."

Die Probleme haben strukturelle Ursachen. Der Enel-Konzern hat die Slowakischen Elektrizitätswerke als Generalunternehmer eingesetzt. Die haben aber keine Erfahrungen im Kraftwerksbau. Deshalb haben sie ein Geflecht von Subunternehmern und Zulieferern geschaffen, die zum Teil nicht zuverlässig sind. Das hat nicht nur den Baufortschritt behindert durch schlechte Koordinierung, sondern auch die Kontrolle durch die slowakische Atom-Aufsicht.

"Es ist schwerer, das Kraftwerk zu beaufsichtigen", sagt Behördenchefin Marta Ziakova." Wir müssen den Umfang der Kontrollen erweitern im Vergleich dazu, wie es bei einer normalen Konstellation verlaufen würde."

Zahlreiche Mängel

Bevor die beiden Reaktorblöcke in Betrieb genommen werden, so versichert sie, müssen alle kleineren und größeren Mängel beseitigt sein. Auch die, die neulich ein früher in Mochovce beschäftigter italienischer Ingenieur kürzlich Wiener Medien genannt habe, auch diese Mängel seien bekannt und stünden auf der Liste.

"Wenn die Kraftwerksblöcke so fertig gebaut werden, wie sie projektiert sind, werden sie auch sicher sein", sagt Ziakova. "Wenn nicht, werden sie keine Genehmigung bekommen. Es wird keine Beschickung mit Brennstäben geben, bevor nicht die Kernsicherheit garantiert ist und alle Aufsichtsorgane positiv Stellung genommen haben."

Umweltschützer warnen

Für Lubica Trubiniova, ehemalige Chefin von Greenpeace Slowakei, geben gerade solche Äußerungen Grund zum Misstrauen: "Nach unserer Meinung ist es schon eine Warnung und sehr diskussionswürdig, dass und warum der Genehmigungsprozess von der Atomaufsichtsbehörde so hinausgeschoben wird."

Protest gegen das AKW Mochovce (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Greenpeace protestiert seit Jahren gegen das Kraftwerk Mochovce.

Laut der Umweltaktivistin soll der Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber vor Jahren schon eine allgemein niedrige Sicherheitskultur in Mochovze bemängelt haben. Ladislav Ehn, Bürgermeister der nahegelegenen Gemeinde Kalna nad Hronom, sieht keinen Grund zur Sorge. Man lebe schon 40 Jahre mit der Atomkraft.

"Wir wissen Bescheid, welche Sicherheitseinrichtungen es hier gibt, und welche zusätzlichen Vorkehrungen vor allem nach Fukushima getroffen wurden", sagt er. "Das Vertrauen, dass das Kraftwerk neben unserer Gemeinde sicher ist, das ist in der Bevölkerung tief verwurzelt."

Für Kalna rentieren sich auch die unfertigen Meiler von Mochovce, denn die Grundsteuer fließt immer und stetig in die Gemeindekasse. Die Frage der Rentabilität stellt sich aber für die slowakische Regierung. Wegen der explodierten Kosten und den ständigen Verschiebungen wird der Stromverkauf frühestens 2026 rentabel. Erst dann können die Eigentümer mit Dividenden rechnen. Wird es noch teurer, dann noch später - oder vielleicht überhaupt nicht.

Slowakei: Immer Ärger mit Mochovce
Peter Lange, ARD Prag
26.05.2019 00:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 15. April 2019 in "Heute im Osten" um 10:20 Uhr.

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