Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien | AFP
Hintergrund

Akteure in Syrien Vom Bürgerkrieg zum geopolitischen Konflikt

Stand: 12.04.2018 16:12 Uhr

Seit 2011 ist in Syrien aus einem regionalen Bürgerkrieg ein geopolitischer Konflikt geworden, in den immer mehr Parteien hineingezogen wurden. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat mittlerweile wieder große Gebiete Syriens unter seiner Kontrolle. Das liegt an seinen beiden starken Verbündeten: Iranische Truppen und Milizen unterstützen die syrische Armee am Boden, Russland hilft aus der Luft.

Anna Osius ARD-Studio Kairo

Wende durch Beteiligung Russlands

Der Eintritt Russlands in den Syrienkrieg im September 2015 gab dem Geschehen die entscheidende Wendung. Die Assad-Armee war bis dahin schwach und kämpfte an vielen Fronten gleichzeitig. Putins Kampfflieger brachten den syrischen Präsidenten wieder auf die Gewinnerseite.

Der syrische Außenminister Walid al-Muallem lobte damals Russland: "Die Bekanntgabe des Beginns der russischen Luftangriffe in Syrien, die mit der syrischen Regierung koordiniert stattfinden, zeigt die Unterstützung für die syrischen Anstrengungen, den Terrorismus zu bekämpfen."

Ein Plakat in Aleppo zeigt den syrischen Präsidenten Assad und Russlands Präsidenten Putin. | dpa

Syriens Präsident Assad und sein russischer Kollege Putin auf einem Plakat in Aleppo. Russland ist ein enger Bündnispartner der syrischen Regierung. Bild: dpa

Denn Russland half Assad nicht nur militärisch, sondern auch auf dem diplomatischen Parkett: Jeder Versuch des Westens, im UN-Sicherheitsrat eine Resolution gegen das brutale Vorgehen Assads einzubringen, wurde mit einem Veto Russlands blockiert.

Radikalisierung der Regierungsgegner

Bei den Regierungsgegnern handelt es sich schon längst nicht mehr um die gemäßigten Kräfte, die im sogenannten Arabischen Frühling 2011 Demokratie für Syrien forderten. Die Kämpfer radikalisierten sich - es gibt zahlreiche dschihadistische Gruppen, die teilweise Al-Kaida nahestehen.

Auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wurde in Syrien stark - und rief die internationale Anti-IS-Koalition auf den Plan: Die USA flogen Luftangriffe gegen die Extremisten. Am Boden unterstützte Amerika die demokratischen Kräfte Syriens im Kampf gegen den IS, ein Bündnis, das mehrheitlich kurdisch ist und von der kurdischen YPG angeführt wird.

Kurden profitieren zunächst

So wurden die Kurden im Norden Syriens stark - auch Assad hatte sie bei ihren Autonomiebestrebungen weitestgehend gewähren lassen, da im Gegenzug die Kurden Assad nicht infrage stellten. Das Erstarken der Kurden aber passte einem überhaupt nicht: dem türkischen Präsidenten Erdogan, der in der YPG und PYD als syrischen Ableger der PKK eine Terrororganisation sieht. Prompt marschierte die türkische Armee im Januar dieses Jahres nach Syrien und nahm nach heftigen Kämpfen die kurdische Enklave Afrin ein.

Mitglieder des kurdisch-arabischen Rebellenbündnisses Demokratische Syrische Kräfte (SDF) in der Nähe von Rakka | REUTERS

Mitglieder des kurdisch-arabischen Rebellenbündnisses Demokratische Syrische Kräfte (SDF) in der Nähe von Rakka. Bild: REUTERS

Und damit nicht genug, kündigt Erdogan an: "Wir setzen unsere Afrin-Offensive fort, um die Gebiete in der Region dort unter Kontrolle zu bringen. Unsere Pläne bestehen fort." Die Kurden werden in ihrem Kampf gegen die Türkei von Assad nahestehenden Truppen unterstützt - es drohte kurzzeitig eine direkte Konfrontation der NATO-Partner Türkei und USA.

US-Präsident Trump zeigt sich wankelmütig

US-Präsident Donald Trump wurde die ganze Syrien-Sache offenbar langsam zu kompliziert. Auf einer Wahlkampfveranstaltung vor wenigen Wochen verkündete er: Sehr bald werde man Syrien verlassen.

Später ruderte Trump zurück. Doch die Botschaft, auch an den syrischen Präsidenten Assad, blieb: Die USA ziehen sich aus Syrien zurück und überlassen damit Russland und Iran das Feld. Ein Zeichen der Schwäche Amerikas, das Beobachtern zufolge möglicherweise auch Assad bewogen haben könnte, Trump mit dem jüngsten mutmaßlichen Giftgasangriff zu testen - wenn der Giftgasangriff denn auf Assads Konto ging. Beweise gibt es dafür nicht, nur Indizien.

Israel kämpft ebenfalls mit

Und noch ein Akteur mischt in Syrien mit: Israel will die Ausbreitung des Iran in der Region mit allen Mitteln verhindern und bombardiert daher regelmäßig iranische Ziele auf syrischem Boden. So zuletzt am vergangenen Montag, als eine syrische Militärbasis mutmaßlich von den Israelis angegriffen wurde, um dort iranische Drohen zu zerstören. Kürzlich wurde ein israelischer Kampfjet von Syrien abgeschossen.

Der Krieg in Syrien: Er ist schon längst Schauplatz zahlreicher internationaler Akteure und ein Schmelztiegel geopolitischer Konflikte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. April 2018 um 11:00 Uhr.