Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer in Afghanistan | Bildquelle: dpa

Bundeswehr in Afghanistan Die Angst vor dem Rückschritt

Stand: 04.12.2019 05:25 Uhr

Während in London die NATO den 70. Geburtstag feiert, wankt die Mission des Bündnisses in Afghanistan. US-Präsident Trump will seine Truppen reduzieren - mit Folgen für die Bundeswehr.

Von Birgit Schmeitzner und Ariane Reimers, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Masar-i-Sharif

Für Annegret Kramp-Karrenbauer ist es die erste Reise nach Afghanistan. Bald 19 Jahre ist die Bundeswehr dort im Einsatz, zunächst auch im Kampf, seit 2015 mit dem Schwerpunkt Ausbildung der afghanischen Armee. Gut überlegt sei man damals hineingegangen, sagte die Verteidigungsministerin bei ihrer Ankunft in Masar-i-Sharif. "Ein harter Weg, ein sehr gefährlicher Einsatz."

Der derzeit größte Auslandseinsatz der Bundeswehr ist irgendwie in Vergessenheit geraten. Schlagzeilen macht er nur noch, wenn jedes Jahr das Mandat im Bundestag verlängert werden soll, und die Abgeordneten es jedes Jahr aufs Neue wissen wollen, warum deutsche Soldaten weiterhin dort dienen und ihr Leben gefährden sollen.

Aktuelle Lage in Afghanistan
Mittagsmagazin, 03.12.2019, Ariane Reimers, NDR

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Schlechte Sicherheitslage

Denn die Sicherheitslage ist nach wie vor schlecht. Allein in diesem Jahr gab es über 3000 "sicherheitsrelevante" Vorfälle, also Angriffe der Taliban. Aber im Falle von Kampfhandlungen rücken nicht die Deutschen aus, sondern die afghanische Armee - unterstützt von Truppen der USA.

Die meisten der 1300 deutschen Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind, verlassen die hoch gesicherten Bereiche der Camps nie. Deutschland ist vor allem mit der Organisation des "Camp Marmal" in Masar-i-Sharif betraut und führt den Verantwortungsbereich der NATO-Truppen im Norden Afghanistans.

Das bedeutet, die Bundeswehr stellt dort die Grundausstattung für alle - Logistik, ein Krankenhaus, den Lufttransport. Für die Deutschen ist es kein Kampfeinsatz mehr. Das Mandat "Resolute Support" stellt die Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee ins Zentrum. Dafür werden Berater und Ausbilder gestellt, so wie auf dem Luftwaffenstützpunkt Balkh direkt neben dem "Camp Marmal". Dort geht es darum, Strukturen aufzubauen, Routinen zu schaffen, den Grundbetrieb zu garantieren.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani in Afghanistan | Bildquelle: HEDAYATULLAH AMID/EPA-EFE/REX
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Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer trifft den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani: Wie lange geht der Einsatz?

Bundestag entscheidet im März

Einer der Berater, Hauptmann M. sagt, die afghanischen Kameraden seien aufgeschlossen, freundlich und wissbegierig. "Sie sollen ja irgendwann mal in die Lage versetzt werden, das alleine zu können". Von daher sei der Einsatz sinnvoll.

Stellt sich die Frage, wie lange noch? Über die Antwort muss der Bundestag Ende März entscheiden. Ob es eine Mehrheit für eine Verlängerung des Mandats gibt, ist unsicher, die Verteidigungsministerin spricht sich dafür aus: Was man in so langer Zeit erreicht hat, müsse man auch absichern. Etwa die Rechte der Frauen - dass zum Beispiel auch Mädchen zur Schule gehen können und nicht schon im Kindesalter verheiratet werden.

Verhandlungen liegen auf Eis

Die Angst ist groß, dass es in Afghanistan in diesem Bereich wieder große Rückschritte geben könnte, sollten die Taliban wieder mehr Einfluss bekommen. Das wäre ein mögliches Ergebnis von Friedensverhandlungen. Die liegen zwar derzeit auf Eis, aber erst jüngst hatte US-Präsident Donald Trump eine Wiederaufnahme in Aussicht gestellt. Bisher sträuben sich die Vertreter der Taliban, auch mit der afghanischen Regierung zu verhandeln, das sieht allerdings Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer als unabdingbar an.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, André Wüstner, geht davon aus, dass man dafür politisch Druck machen muss. Er sieht bei den Taliban durchaus eine Bereitschaft, sich zu bewegen: "Wir haben heute gemäßigtere Taliban als noch vor 20, 30 Jahren. Da haben sich ja Dinge verändert. Deswegen bleibe ich zuversichtlich, und das ist das einzige, was uns Soldaten hier bleibt."

Alles steht und fällt damit, was die USA machen. Sollten sie ihre Kontingente radikal verkleinern oder ganz abziehen, müssten auch die Deutschen reagieren. Alleine könnte die Bundeswehr in Afghanistan nichts ausrichten. Außerdem wäre es ohne US-Schutz viel zu gefährlich.

Afghanistan-Einsatz: Ghani und Miller danken Deutschland
Birgid Schmeitzner, ARD Berlin
03.12.2019 21:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das mittagsmagazin am 03. Dezember 2019 und MDR AKTUELL am 04. Dezember 2019 um 0:09 Uhr.

Korrespondentin

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Birgit Schmeitzner, BR

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Ariane Reimers, NDR

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