Kaiser Akihito tritt anlässlich seines 85. Geburtstag öffentlich auf | Bildquelle: KIMIMASA MAYAMA/EPA-EFE/REX

Abschied vom Volk Akihito dankt unter Tränen

Stand: 23.12.2018 13:01 Uhr

In vier Monaten wird Japans Kaiser Akihito abdanken. Von seinem Volk verabschiedete er sich schon jetzt - anlässlich seines 85. Geburtstags. Die Stimmung auch bei den Untertanen: wehmütig.

Von Martin Fritz, ARD-Studio Tokio

Drei Mal zeigte sich Kaiser Akihito mit Kaiserin Michiko und seiner Familie auf dem Palastbalkon und winkte. Jedes Mal wurde der Tenno stürmisch gefeiert. Das Hofamt zählte über 75.000 Besucher, so viele wie noch nie, denn dies war sein letzter öffentlicher Geburtstagsgruß vor der Abdankung Ende April.

Der Andrang zeigte die große Zuneigung der Japaner zu ihrem greisen Monarchen. "Mein Gefühl der Dankbarkeit für ihn ist so stark, dass ich schreien könnte", sagte eine ältere Frau bewegt. Und eine junge Mutter gestand bewegt, sie sei oft davon gerührt, "dass er als Allererstes immer ans Volk denkt".

Auch in Akihitos kurzer Ansprache war diese Wärme zu spüren. "Ich freue mich sehr, dass ich von so vielen Menschen gefeiert werde", sagte Akihito und wünschte allen "Gesundheit und Glück" für das neue Jahr.

Masako, Kronprinz Naruhito, Kaiser Akihito und Michiko auf dem Balkon des Kaiserpalastes | Bildquelle: AP
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Das jetzige und das künftige kaiserliche Paar auf dem Balkon des Palastes: Wenn Akihito und Michiko den Palast verlassen, ziehen Masako und Naruhito ein.

Nachdenkliche Bilanz

Vor der Geburtstagsfeier hatte Akihito eine nachdenkliche Bilanz seiner fast dreißigjährigen Amtszeit gezogen. Nach dem verlorenen Weltkrieg wurde die Rolle des Kaisers von einem gottgleichen Herrscher auf ein Symbol des Staates zurechtgestutzt. Darin sah Akihito die Gefahr, dass das Kaiserhaus überflüssig werden könnte.

Im Gegensatz zu dem unnahbaren Kriegskaiser Hirohito bemühte sich sein Sohn Akihito daher um möglichst große Nähe zu den einfachen Menschen. Zum Beispiel suchte er zusammen mit seiner Frau Michiko immer wieder Opfer von Naturkatastrophen auf. Aus Solidarität mit den Vertriebenen des Atomunfalls von Fukushima wollte er sich sogar die zerstörten Atommeiler aus einem Hubschrauber zeigen lassen, durfte es aber nicht.

Vor der Presse formulierte Akihito sein Mitgefühl erneut. Die Katastrophen der vergangenen 30 Jahre hätten viele Leben gekostet und unzählige Menschen betroffen: "Ich habe keine Worte für die tiefe Trauer, die ich bei diesem Gedanken spüre."

Hunderte Gratulanten schwenken ihre Fähnchen, als Japans Kaiser Akihito mit seiner Familie auf dem Balkon des Kaiserpalastes erscheint. | Bildquelle: dpa
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Und so sah es vor dem Palast aus: Zehntausende waren herbeigeströmt, um den Tenno noch einmal zu feiern.

Einsatz für Versöhnung

Akihito ging auch auf sein anderes Anliegen ein, nämlich die Erinnerung an den verlorenen Weltkrieg wachzuhalten. Dafür hatte das Kaiserehepaar in fast 30 Jahren viele Kriegsschauplätze in Asien besucht und die Kriegsfolgen für die Menschen bedauert. Damit leistete der Kaiser weit mehr für die Versöhnung mit den von Japan eroberten Ländern als die japanischen Politiker.

"Es ist wichtig, dass wir die zahllosen Menschenleben nicht vergessen, die im Zweiten Weltkrieg verloren gingen, und dass Frieden und Wohlstand des Nachkriegsjapans auf den vielfachen Entbehrungen und unermüdlichen Anstrengungen des japanischen Volkes aufbauten. Es tröstet mich sehr, dass meine Amtszeit ohne Krieg in Japan an ihr Ende kommt."

Die tränenerstickte Stimme verriet die Sorge des Kaisers, dass Japan wieder Krieg führen könnte. Den in der Verfassung verankerten Pazifismus hatte Akihito immer wieder angemahnt, obwohl ihm politische Aussagen verboten sind. Sein Anliegen zeigte sich auch im Namen "Heisei" für seine fast beendete Amtszeit: "Heisei" bedeutet "Frieden überall".

Kaiser Akihito wird 85 Jahre alt
Martin Fritz, ARD Tokio
23.12.2018 13:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2018 um 13:00 Uhr.

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