Air-France-Maschine vor Brasilien verschwunden

Air-France-Maschine vermisst Keine Hoffnung mehr für Flug 447

Stand: 01.06.2009 17:13 Uhr

Für die vom Radar verschwundene Maschine der Air France mit rund 230 Menschen an Bord besteht nach Angaben der Pariser Flughafenbehörden "keine Hoffnung" mehr. Eine Air-France-Sprecherin hatte zuvor mitgeteilt, die Fluglinie müsse mit Bedauern mitteilen, dass es keine Nachricht von der Maschine mit der Flugnummer AF 447 gebe. Nach Angaben des für Verkehr zuständigen französischen Umweltministers Jean-Louis Borloo waren mehr als 20 Deutsche an Bord.

Der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon.
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Der Chef von Air France, Pierre-Henri Gourgeon.

Der Airbus 330 war in Rio de Janeiro Richtung Paris gestartet und kurz nach dem Start über dem Atlantik vom Radar verschwunden. Der Airbus durchquerte gegen 4 Uhr MESZ eine "Gewitterzone mit schweren Turbulenzen", wie Air France erklärte. Knapp eine Viertelstunde später wurde von der Maschine eine automatische Fehlermeldung versandt, die eine Panne im elektrischen Kreislauf meldete. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr. "Das Flugzeug könnte von einem Blitz getroffen worden sein", erklärte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon. "Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe", erklärte er weiter.

Turbulenzen gefährlicher als Blitze

Dagegen erklärte der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, dass ein Blitzeinschlag einem modernen Passagierflugzeug eigentlich nichts anhaben könne. Ein Flugzeug sei wie ein Auto ein Faradayscher Käfig. Das heißt, die Elektrizität wird über Rumpf und Tragflächen abgeleitet und dringt nicht ins Innere. Die Technik sei so geschützt, dass sie bei einem Einschlag fast nie beeinträchtigt werde. Dagegen seien die Turbulenzen in einem Gewitter ein größeres Problem.

Hintergrund: Airbus A330-200

Der Airbus A330-200 hat eine Reichweite von bis zu 12.500 Kilometern, ist rund 59 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von mehr als 60 Metern. Das Flugzeug wird von zwei Turbinen getrieben.

In typischen Ausführungen werden in der 45 Meter langen Kabine zwischen 253 und 293 Passagiere befördert. Beim Start kann die Maschine bis zu 230 Tonnen wiegen, dann sind rund 114.000 Liter Treibstoff an Bord. Das maximale Landegewicht beträgt 180 Tonnen.

Suchaktion vor brasilianischer Küste

Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurde ein Krisenstab eingesetzt, Verkehrsminister Dominique Busserau wird dort erwartet. Der brasilianischen Luftwaffe zufolge verschwand die Maschine rund 300 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Natal. Die Behörden hätten nahe der Insel Fernando de Noronha eine Suche gestartet.

Ein Vertreter der brasilianischen Luftfahrtvereinigung sagte, die Suche werde sicher sehr lange dauern. "Es könnte eine lange, traurige Geschichte werden. Die Black Box wird auf dem Meeresgrund liegen", erklärte Douglas Ferreira Machado.

Den marokkanischen Luftraum nicht erreicht

Die Maschine hat auf ihrem Unglücksflug nicht mehr den marokkanischen Luftraum erreicht. "Die Maschine nahm keinen Kontakt mit den marokkanischen Fluglotsen auf", teilte der marokkanische Verkehrsminister Karim Ghellab mit. Nach Angaben des Ministers hätte der Airbus auf seiner Route von Rio de Janeiro nach Paris normalerweise den marokkanischen Luftraum durchqueren müssen.

In der Vergangenheit hatte die Suche nach verschwundenen Flugzeugen zum Teil Wochen oder Monate gedauert.

Karte Brasilien Insel Fernando de Noronha  Air France
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Karte Brasilien Insel Fernando de Noronha Air France

Das Auswärtige Amt in Berlin konnte zunächst nicht sagen, ob sich an Bord des Flugzeugs auch Deutsche befanden.

An Bord der Air-France-Maschine waren der Fluglinie zufolge 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. Die Landung auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle war für 11.10 Uhr MESZ geplant.

Zwei schwere Unglücke

In den vergangenen Jahren hatte es zwei schwere Flugzeugunglücke in Brasilien gegeben. 2007 war ein Airbus A320 mit 176 Passagieren an Bord über die Landebahn des Flughafens Congonhas hinausgerutscht und in eine Tankstelle sowie ein Geschäftsgebäude gerast. Fast 200 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Jahr 2006 stürzte ein Passagierflugzeug mit 155 Menschen an Bord über dem Dschungel Brasiliens ab.

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