Die israelische Siedlung Al-Karmel südlich von Hebron im Westjordanland | Bildquelle: picture alliance / dpa

Westjordanland Airbnb streicht Angebote israelischer Siedler

Stand: 20.11.2018 11:29 Uhr

Bisher konnten israelische Siedler im Westjordanland Unterkünfte bei Airbnb anbieten - die sich nach Ansicht der meisten Länder auf palästinensischem Land befinden. Nun will das Unternehmen die Inserate löschen.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Der Vermieter Baeri hat gute Bewertungen bekommen für seine Unterkunft auf Airbnb. Ein Wohnwagen mit spektakulärer Aussicht, wie er schreibt, inmitten von Weinbergen. Kosten: ab 50 Euro die Nacht.

Bald soll das Inserat jedoch von der Online-Übernachtungsbörse verschwinden. Denn Baeris Wohnwagen steht in der israelischen Siedlung Allon Schewut, südwestlich von Jerusalem und im besetzten Westjordanland. Airbnb, das Unternehmen aus San Francisco, will rund 200 Inserate von seiner Seite nehmen. Sie alle befinden sich in israelischen Siedlungen - nach Ansicht fast aller Länder also auf palästinensischem Land.

Forderungen auch zu Ost-Jerusalem

Airbnb teilte mit, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Siedlungen befänden sich im Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern. Viele in der internationalen Gemeinschaft hätten betont, dass Unternehmen hier nicht tätig sein sollten. Sie seien überzeugt, dass man dort keine wirtschaftlichen Gewinne machen sollte.

Vertreter der Palästinenser hatten Airbnb schon vor Jahren aufgefordert, die Angebote zu streichen. Das US-Unternehmen weigerte sich zunächst und begründete das damit, dass die Angebote nach US-amerikanischem Recht nicht illegal seien.

Jetzt also eine Kehrtwende von Airbnb. Vertreter der Palästinenser begrüßten die Entscheidung. Das sei ein positiver erster Schritt, sagte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat. Er kritisierte aber, dass Wohnungen von Israelis in Ost-Jerusalem weiter angeboten werden dürfen. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil Jerusalems für sich; Israel, das ganz Jerusalem kontrolliert, lehnt das ab.

Entrüstung bei Israels Regierung

Bei Vertretern von Israels Regierung sorgte der Schritt von Airbnb für Entrüstung. Der Tourismusminister Yariv Levin sprach von einer diskriminierenden Entscheidung. Sein Ministerium kündigte an, die Aktivitäten von Airbnb in Israel in Zukunft einzuschränken.

Gilad Erdan, der Minister für öffentliche Sicherheit, rief die Vermieter in den Siedlungen dazu auf, rechtliche Schritte gegen das Unternehmen zu prüfen. Nationale Konflikte existierten auf der ganzen Welt, sagte Erdan. Airbnb müsse erklären, warum es eine Politik des Rassismus gegenüber manchen israelischen Bürgern verfolge.

Lob kam hingegen von der israelischen Organisation Peace Now. Airbnb verhalte sich schlicht wie der Rest der Welt, indem es zwischen dem Staatsgebiet von Israel und besetzten Gebieten unterscheide.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2018 um 12:00 Uhr.

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