In Bangui (Zentralafrikanische Republik) gibt eine Wählerin ihre Stimme ab. | dpa

Zentralafrikanische Republik Eine Wahl, die keinen Frieden bringt

Stand: 05.01.2021 18:23 Uhr

In der Zentralafrikanischen Republik bleibt Präsident Touadéra im Amt - das besagt jedenfalls das vorläufige Wahlergebnis. Doch eine neue Rebellen-Allianz verschärft die gewaltsamen Konflikte in dem bitterarmen Land.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

Sie tanzen, jubeln und fallen sich in die Arme. Montagnacht feiern Anhänger des amtierenden Präsidenten Faustin-Archange Touadéra vor der Parteizentrale in der Hauptstadt Bangui seinen vorläufigen Wahlsieg. "Der Präsident hat doch sein Bestes gegeben, um das Land vorwärts zu bringen", sagt Aubin Rufin Didas der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Menschen brauchen keine Waffen, um an die Macht zu kommen. Wir haben so viel gelitten."

Caroline Hoffmann ARD-Studio Nairobi

Doch das Leid ist noch nicht vorbei, und Anlass zu dauerhafter Freude gibt es wenig in einem der instabilsten Länder Afrikas. Zwar fand die Wahl statt, doch immer noch beherrschen Rebellengruppen mehr als zwei Drittel des Landes - und die einige Tage vor der Wahl neu geschlossene Allianz bewaffneter Gruppen, die "Coalition des patriotes pour le Changement", Koalition der Patrioten für den Wandel (CPC), verschärft die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Land.

Stimmauszählung in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, Bangui | dpa

Die Stimmen in der Hauptstadt Bangui sind ausgezählt, das Ergebnis aber muss noch bestätigt werden. Bild: dpa

Die Gewalt geht weiter

Laut Human Rights Watch gibt es Anzeichen, dass bis zu 60.000 Menschen allein von der Gewalt der vergangenen zehn Tage vertrieben worden seien. "Den Vereinten Nationen und uns sind diese Gruppen bekannt", erklärt Lewis Mudge von Human Rights Watch. "Für das Töten von Zivilisten in erheblichem Maß, für Vergewaltigung als Kriegswaffe, für das Anzünden von Häusern und religiösen Stätten. Die Anführer dieser Gruppen sind verantwortlich für sehr gravierende Verbrechen."

Die Allianz war Ende Dezember in Richtung der Hauptstadt marschiert, erreichen konnte sie sie nicht. Doch am vergangenen Wochenende soll sie erneut zwei Städte überfallen haben. 

Arm trotz Rohstoffvorkommen

Die Zentralafrikanische Republik ist einer der ärmsten Staaten der Welt, trotz seiner Rohstoffvorkommen. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 leidet das Land immer wieder unter bewaffneten Konflikten.

Im Jahr 2013 stürzten mehrheitlich muslimisch geprägte Rebellen den damaligen Präsidenten François Bozizé, seitdem kommt es zu Kämpfen mit christlich geprägten gegnerischen Gruppen. Zehntausende Menschen wurden getötet.

Unter dem Deckmantel der Religion entstanden, ist der Kampf zwischen den Rebellen vor allem eine Frage von Macht, Landbesitz und Rohstoffen. Rund ein Drittel der mehr als 4,5 Millionen Einwohner des Landes wurde bereits vertrieben.

Soldaten der UN-Mission MINUSCA in der Zentralafrikanischen Republik

Soldaten der UN-Mission MINUSCA sollen das Land stabilisieren. Doch zur Ruhe gekommen ist die Zentralafrikanische Republik bislang nicht.

Regierung mit begrenztem Einfluss

Die Regierung selbst kontrolliert vor allem die Hauptstadt. Präsident Touadéra schloss zwar einen Friedensvertrag, doch der fällt auseinander. Die rund 13.000 Mann starke MINUSCA-Mission der Vereinten Nationen ist seit 2014 im Land und soll die Bevölkerung schützen, doch die leidet massiv. Kurz vor der Wahl schickte Ruanda weitere Truppen in die Republik und Russland Hunderte zusätzliche Militärausbilder. 

Der Wahlprozess mag nun zwar vorbei sein, doch unabhängige Beobachter wie beispielsweise die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprechen von einer sich von Tag zu Tag verschlechternden Sicherheitslage.

Es trifft vor allem wieder die Bevölkerung. "Die Zivilisten sind diejenigen, die vergessen werden - in Bezug auf Unterstützung, Gerechtigkeit, Verantwortlichkeit", sagt Mudge. "Wenn diese Gruppen Städte einnehmen, dann kennen die Bürger das Skript. Sie fliehen sehr schnell in den Busch. Dort draußen gibt es keine Hilfe von der Regierung oder Hilfsorganisationen."

In Bagui wirbt ein Plakat für den Präsident der Zentralafrikanischen Republik Touadéra

Wird sein Wahlsieg Bestand haben? Präsident Touadéra wird von der Opposition und von Rebellen bedrängt.

Ein Putschist unter Verdacht

Hinter der neuen Offensive steckt laut MINUSCA und der Regierung auch der vorherige Präsident Bozizé. Sie werfen ihm vor, er habe sich mit Hilfe der Allianz an die Macht putschen wollen. 2003 war ihm ein Putsch schon einmal gelungen, zehn Jahre später war er dann selbst von Rebellen gestürzt worden.

Bozizé war in die Zentralafrikanische Republik zurückgekehrt, wollte selbst zur Wahl antreten. Doch das Verfassungsgericht des Landes wies dies zurück, er steht unter UN-Sanktionen. Jetzt ermittelt der Generalstaatsanwalt gegen ihn, wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. 

Nun sind die Verfassungsrichter am Zug

Der vorläufige Wahlsieg Touadarés muss noch offiziell vom Verfassungsgericht bestätigt werden. Einige Oppositionskandidaten fordern aufgrund von Unregelmäßigkeiten und Betrugsvorwürfen eine Annullierung der Wahl.

Sorge macht internationalen Beobachtern jetzt vor allem die Sicherheitslage. Ein Land in einer Gewaltspirale, von dem viele Menschen noch nicht einmal wüssten, wo es denn liege, ein Konflikt, der wenig Öffentlichkeit bekomme, sagt Mudge: "Es ist tragisch. Kinder können nicht zur Schule gehen. Menschen sterben wegen vermeidbarer Krankheiten. Wir sind sehr besorgt, das ein neuer Zyklus der Gewalt beginnt."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2021 um 12:00 Uhr.