Ein Hinweisschild auf ein Ebola-Behandlungszentrum im Kongo (Archivbild von 2014) | dpa

Sexuelle Gewalt durch WHO-Mitarbeiter Bericht spricht von 75 Opfern im Kongo

Stand: 28.09.2021 19:49 Uhr

Etliche WHO-Mitarbeiter sollen bei ihrem Ebola-Einsatz im Kongo Menschen sexuell ausgebeutet haben. Eine Kommission stellte nun ihren Bericht vor: Mindestens 63 Frauen und zwölf Männer wurden demnach zu Opfern.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

Es sind erschütternde Fakten, die der Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammengetragen hat: Mindestens 63 Frauen und zwölf Männer wurden in der Demokratischen Republik Kongo Opfer sexueller Gewalt. Die Täter: 83 Männer - darunter nachweislich 21 Mitarbeiter der WHO, allesamt waren sie in den Jahren 2018 bis 2020 offiziell im Einsatz bei der Bekämpfung einer Ebola-Epidemie im Kongo.

Kathrin Hondl

Die tatsächliche Zahl von Tätern und Opfern sei wahrscheinlich noch deutlich höher, so der Bericht, der das Personalmanagement der WHO scharf kritisiert. "Einige Fälle sexueller Ausbeutung und Missbrauchs wurden innerhalb eines Netzwerks von Mitarbeitern organisiert", sagte Malick Coulibaly, Menschenrechtsexperte und früherer Justizminister von Mali, bei der Vorstellung des Berichts in Genf.

"Den Opfern wurden als Gegenleistung für Sex Jobs versprochen, die sie in den meisten Fällen nicht bekommen haben. Andere Frauen sagten uns, sie seien als Angestellte von Vorgesetzten sexuell belästigt worden. Manche sagten, sie seien entlassen worden, weil sie Sex verweigert hatten." 

Vorwürfe gegen Ärzte und leitende Mitarbeiter

Die Vorwürfe der zumeist weiblichen Opfer richten sich unter anderem gegen Ärzte und leitende Mitarbeiter der WHO, darunter Lokalangestellte und Ausländer. Ans Licht gekommen war der Skandal bereits vor einem Jahr durch Recherchen der Nachrichtenagentur AP im Kongo. Die unabhängige Untersuchungskommission appellierte nun eindringlich an die Weltgesundheitsorganisation.

Die WHO müsse "systematisch und ohne Verzug Untersuchungen einleiten beim allerersten Verdacht auf sexuelle Ausbeutung oder Missbrauch" während eines Einsatzes der Organisation, forderte Aïchatou Mindaoudou, Außenministerin von Niger und Co-Vorsitzende der Untersuchungskommission. 

Tedros: "Schwarzer Tag für WHO"

WHO-Chef Tedros sprach nach der Vorstellung des Berichts in Genf von einem "schwarzen Tag für die WHO". Er bat die Opfer um Vergebung: Es tue ihm leid, "was Ihnen angetan wurde von WHO-Mitarbeitern, die Sie schützen sollten. Es tut mir leid, welch andauerndes Leid das für Ihr Leben bedeuten muss. Was Ihnen angetan wurde, sollte niemals irgendwem passieren. Es ist unverzeihlich." 

Er wolle dafür sorgen, so der WHO-Chef, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Vier Männer seien entlassen worden. Die WHO werde nun intern daran arbeiten, damit sich solche Vorgänge nie wiederholten.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 28. September 2021 um 19:30 Uhr.