Frau vor Wahlurne | dpa

Parlamentswahlen in Marokko Schwere Schlappe für Regierungspartei

Stand: 09.09.2021 05:44 Uhr

Bei den Parlamentswahlen in Marokko haben die regierenden gemäßigten Islamisten eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Von ihren 125 Sitzen verteidigten sie gerade einmal 12. Konservative und liberale Parteien gewannen die Wahl.

Die marokkanische Regierungspartei PJD hat bei den Parlamentswahlen eine krachende Niederlage erlitten. Die seit 2011 regierende gemäßigte islamistische Partei für Recht und Gerechtigkeit fällt voraussichtlich von 125 Sitzen auf zwölf Abgeordnete, wie Innenminister Abdelouafi Laftit am frühen Morgen mitteilte.

Die Partei Unabhängige Nationalversammlung (RNI) kommt den Angaben zufolge auf 97 Sitze, gefolgt von der ebenfalls liberalen Partei für Ehrlichkeit und Modernität (PAM) mit 82 Abgeordneten. Drittstärkste Fraktion ist demnach die Mitte-Rechts-Partei Istiqlal mit 78 Mandaten.

Wahlbeteiligung deutlich höher

Die stärkste Fraktion im Parlament stellt in Marokko den Regierungschef, der von König Mohammed VI. ernannt wird. Auch die Mitte-Rechts-Partei Istiqlal landete den Angaben zufolge vor der PJD. Die Wahlbeteiligung fiel mit knapp über 50 Prozent deutlich höher aus, als bei der letzten Abstimmung vor fünf Jahren. Damals hatten nur 43 Prozent der Stimmberechtigten ihre Stimme abgegeben. 

Ein Grund für das größere Interesse dürfte sein, dass erstmals zeitgleich auch Regional- und Kommunalwahlen abgehalten wurden. Die PJD hatte zuvor Vorwürfe des Wahlbetrugs geäußert. "Wir sind sehr besorgt", teilte sie am Mittwoch mit. "Wir haben mehrere Unregelmäßigkeiten festgestellt." Die Partei berichtete unter anderem von "Bargeldverteilungen" in der Nähe von Wahllokalen und "Verwirrung" bei einigen Wählerverzeichnissen, in denen manche Wähler nicht aufgeführt waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2021 um 07:00 Uhr.