Menschen in Ghana halten eine Flagge mit dem Bild des Präsidentschaftskandidaten Nana Akufo-Addo. | AFP

Präsidentschaftswahlen in Ghana Zwischen Corona und Wirtschaftskrise

Stand: 07.12.2020 05:29 Uhr

Die Corona-Pandemie hat das einst wirtschaftlich erfolgreiche Ghana hart getroffen. Von den Präsidentschaftswahlen erhoffen sich viele Ghanaer mehr wirtschaftlichen Erfolg. Doch auf dem Wahlzettel steht mal wieder nur Altbekanntes.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Ghana haben die zwei größten politischen Rivalen des Landes einen Friedenspakt unterzeichnet: Präsident Nana Akufo-Addo und Ex-Präsident John Mahama. Beide politischen Gegner verpflichteten sich zur Gewaltlosigkeit und zur Anerkennung der Wahlergebnisse in dem westafrikanischen Land.

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Während der Zeremonie zu diesem Pakt hatte Herausforderer Mahama wie schon im Wahlkampf die Regierung für Korruption und Wahlbetrug verantwortlich gemacht. "Die jüngsten Ereignisse unter der gegenwärtigen Regierung haben viel Sorge und Zweifel an der Fähigkeit dieser Regierung ausgelöst, friedliche und freie Wahlen abzuhalten", sagte Mahama.

Ghanas amtierender Präsident Akufo-Addo betonte hingegen: "Wir glauben an Wahlen und ich freue mich, mein Wort zu geben, dass wir das Urteil der Menschen in Ghana akzeptieren werden. Unser Hauptanliegen ist der Frieden, die Einheit und die Sicherheit von Ghana."

Wirtschaft wegen Corona eingebrochen

Am Ende unterzeichneten trotzdem beide Wahlkampfgegner den Friedenspakt - ein wichtiges Zeichen vor dem Urnengang, gerade nachdem zuletzt in Nachbarstaaten wie der Elfenbeinküste und Guinea Wahlen Gewalt ausgelöst hatten. Viele Ghanaer zeigten sich im Vorfeld besorgt darüber, dass von Parteien angeheuerte "Bürgerwehren" Probleme in den Wahllokalen verursachen könnten.

Eins der wichtigsten Wahlkampfthemen war die von der Corona-Pandemie getroffene Wirtschaft. Im vergangenen Jahr hatte sie noch geboomt. Dieses Jahr leidet der wichtige Exporteur von Kakao, Öl und Gold stark unter den Folgen der Pandemie. Laut Internationalem Währungsfonds schrumpfte Ghanas Wirtschaftswachstum deutlich im Vergleich zum Vorjahr - zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten. Volle Wahlkampfveranstaltungen bereiteten Gesundheitsexpertinnen und Gesundheitsexperten zudem wegen des Infektionsgeschehens Sorge.

Doch auch vor der Corona-Pandemie hatte Ghana zu kämpfen - zum Beispiel gegen die grassierende Korruption. Anfang November 2020 trat Ghanas Sonderbeauftragter der Regierung zur Korruptionsbekämpfung zurück. Die Begründung: Die Regierung habe versucht, seine Arbeit zu beeinflussen.

Kaum Jobs für junge Menschen

Für Politikstudentin Naa Darkoa-Addo ist das keine Überraschung. "Es ist ein Fakt: Nicht jeder ist gleich vor dem Gesetz. Es kann jemand mit Dingen davon kommen und du nicht. Warum? Weil diese Person jemand mächtigen kennt oder selbst mächtig ist", so Darkoa-Addo. Leute mit Geld könnten sich ihren Weg einfach mit Bestechung kaufen.

Die 24-jährige Darkoa-Addo hat gerade erst ihr Studium beendet und steht jetzt vor der Herausforderung einen Job zu finden. Für viele vor allem junge Menschen in Ghana ist das ein Problem, denn die meisten bleiben auch mit gutem Abschluss jahrelang ohne Arbeit. Denn Ghanas boomende Wirtschaft hat bislang nicht genug Jobs hervorgebracht, weshalb die Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten hoch ist.

Umfragen sehen Akufo-Addo vorne

Ob sich wirklich etwas Entscheidendes mit diesem Wahlgang verändert, bleibe fraglich, sagt der politische Analyst Aliu Seidu dem Sender Aljazeera. Zur Wahl stünden zwar 12 Kandidaten, darunter drei Frauen. Tatsächlich stellten sich aber seit 28 Jahren im Prinzip immer wieder die gleichen zur Wahl. "Die zwei großen Parteien NDC und NPC dominieren und haben Wahlen gewonnen und Regierungen gebildet. Obwohl Ghana eine Mehrparteiendemokratie ist, sind diese beiden Parteien defakto die führenden politischen Parteien", sagt Seidu. Wenn man sich die vielen Umfragen ansehe, die von Institutionen im ganzen Land durchgeführt würden, deute vieles aber darauf hin, dass die Ghanaer so langsam die Nase voll hätten, sagt Seidu.

Umfragen sagen einen knappen Wahlsieg für Amtsinhaber Akufo-Addo voraus. Neben einem neuen Präsidenten können etwa 17 Millionen Wahlberechtigte auch noch ein neues Parlament mit 275 Sitzen wählen. Die Wahlergebnisse sollen laut Wahlkommission innerhalb von 24 Stunden nach dem Ende der Wahl bekannt gegeben werden.

Ghana gilt als einer der stabilsten Staaten in der Region, mit friedlichem Machtwechsel - eine Seltenheit in weiten Teilen Westafrikas. Laut Polizei werden trotzdem über 60.000 Sicherheitskräfte die Wahlen begleiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Dezember 2020 um 06:00 Uhr.