Blick auf die Viktoriafälle | picture alliance/dpa

Simbabwe hofft auf Touristen Die Victoriafälle locken wieder

Stand: 06.08.2021 17:59 Uhr

Viele arme Länder leben vom Tourismus. Sie leiden besonders unter den Corona-Folgen. Simbabwe gehört dazu. Dessen Hauptattraktion, die Victoriafälle, dürfen nun wieder besucht werden - für die Einheimischen ein Hoffnungsschimmer.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Es naht die klassische Trockenzeit an den Victoriafällen, dem sogenannten größten Wasservorhang der Welt. Immer noch schießen gut 5000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde hinab, der Sambesi-Fluss spritzt und tost auf imposante Art und Weise.

Endlich dürfen internationale Touristen wieder kommen, sofern sie geimpft sind, sagt Tourismusministerin Monica Mutsvangwa.

Das Kabinett hat dem Antrag der Tourismusindustrie zugestimmt, die Victoriafälle allen Touristen zu öffnen, die vollständig geimpft sind. Das können wir tun, weil mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Victoria Falls ihre Impfungen bekommen haben.
Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

"Wie soll ich meine Familie ernähren?"

Im Ort Victoria Falls auf simbabwischer Seite schürt das Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Stadt sei seit Beginn der Pandemie regelrecht leergefegt, sagt Clement Mukwai von Shearwater Adventures, einem der größten Reiseveranstalter dort.

Es ist sehr, sehr still in der Stadt. Internationale Touristen fehlen, Straßenhändler verschwanden, Hotels und Veranstalter mussten schließen, Büros sind zu, Busse parken, Reiseführer lungern in den Straßen herum oder verdingen sich als Gärtner. Für Angestellte und für Unternehmen war und ist das furchtbar.

Wie hart es die Menschen getroffen hat an einem Ort, der fast ausschließlich von Tourismus lebt, ist schwer vorstellbar. Thabisani Tshuma verkauft eigentlich afrikanische Schnitzereien und Schmuck auf einem Markt, direkt vor dem Eingang zum "Victoria Falls Park". Noch immer klingt sie ratlos.

Es ist sehr schwierig, es ist belastend. Sogar nachts wache ich auf und frage mich, wie soll ich meine Familie ernähren? Was essen wir morgen? Wir hängen von Touristen ab. Covid ist wie ein plötzlicher Tod, der uns ereilt hat. Das betrifft uns wirklich sehr.

Gäste aus der Region statt aus alles Welt

Thabisani freut sich nicht wirklich über den donnernden Nebel, den die Menschen in ihrer Sprache "Mosi-o-Tunya" nennen. Selbst in 40 Kilometer Entfernung hört man die Geräusche des Wasserfalls. Aber selbst wenn geimpfte internationale Touristen jetzt wieder kommen dürfen, setzen Tour-Veranstalter stärker auf lokale und regionale Gäste. Das zumindest sagt Andrew Cherry vom Shoestring Backpackers:

Wenn wir an einheimische Touristen denken, müssen wir unser Marketing verändern. Wir müssen Geld einsparen, unsere Kosten dürfen weniger als die Hälfte dessen sein, was sie mal waren. Wir waren stark auf internationale Kunden ausgerichtet. Das haben wir geändert und bieten mehr für lokale Gäste an. Wenn die Victoriafälle unser Juwel sein wollen, dann muss die Regierung uns aber finanziell unterstützen.
Zahlreiche Besucher stehen auf der simbabwischen Seite der Victoriafälle und betrachten den breitesten Wasserfall der Welt. (Archivbild: Juli 2015) | picture alliance / zb

Touristen stehen auf der simbabwischen Seite der Victoriafälle und betrachten den breitesten Wasserfall der Welt. Wie auf diesem Archivbild aus dem Jahr 2015 soll es bals wieder aussehen, hoffen viele Einheimische. Bild: picture alliance / zb

"Der Tourismus hält die Stadt am Leben"

Dem Staat sind die Steuereinnahmen weggebrochen. Weil alles schließen musste und kein Tourist mehr kam, der irgendwo übernachten oder essen wollte, hat Simbabwe im vergangenen Jahr eine Milliarde Dollar an Umsatz eingebüßt, für dieses Jahr sind die Verluste noch gar nicht beziffert.

Dass die Victoriafälle jetzt wieder zugänglich sind, stimmt Chief Koti von der Tourismusbehörde von Simbabwe aber zuversichtlich:

Die Victoriafälle sind unsere touristische Hauptattraktion. Dass die Grenzen und Restaurants wieder geöffnet sind, belebt den Betrieb wieder, der Tourismus hält die Stadt am Leben. Wir reden übrigens über einen echten Leistungsträger im Tourismus. Fast ein Viertel der Umsätze in diesem Bereiche kommen aus Victoria Falls. Dass Reisende wieder kommen dürfen ist phantastisch, wir freuen uns, sind begeistert, das wird uns voran bringen.

Nicht nur Simbabwe träumt davon, die Auswirkungen von Covid hinter sich lassen zu können. Auch Sambia und das nahe gelegene Botswana hoffen, dass die Wassermassen der Victoriafälle nun wieder Touristen auch aus Deutschland anlocken.