Getachew Reda | AFP

Äthiopien Waffenstillstand für Tigray vereinbart

Stand: 02.11.2022 18:08 Uhr

Äthiopiens Regierung und die Volksbefreiungsfront von Tigray haben sich auf einen sofortigen Waffenstillstand geeinigt. Auch der Zugang zu Hilfsgütern soll gewährleistet werden. Offen ist, wie sich Eritrea verhält.

Die Konfliktparteien in Äthiopien haben sich nach Angaben der Afrikanischen Union (AU) auf ein Ende der Gewalt verständigt. Der AU-Sondergesandte und ehemalige nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo sagte, die äthiopische Regierung und die Vertreter der umkämpften Region Tigray hätten eine geordnete und koordinierte Entwaffnung und die Wiederherstellung von Recht und Ordnung vereinbart. Außerdem solle der ungehinderte Zugang zu Hilfsgütern hergestellt werden.

Der Vertreter der äthiopischen Regierung, Redwan Hussien, der Nationale Sicherheitsberater von Premierminister Abiy Ahmed, sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, alle Parteien sollten sich an Wortlaut und Geist des Abkommens halten.

Als Antwort darauf sprach der Tigray-Delegierte Getachew Reda, ein Sprecher der regionalen Behörden, über Tod und die Zerstörung in der Region und sagte, es sei seine Hoffnung und Erwartung, dass beide Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen würden.

Reaktion Eritreas unklar

Die Friedensgespräche unter Vermittlung der AU hatten in der vergangenen Woche begonnen und fanden in Südafrika statt. Eigentlich sollten sie am Sonntag beendet werden, wurden dann aber verlängert. In dem seit zwei Jahren andauernden Konflikt wurden nach US-Schätzungen Hunderttausende Menschen getötet.

Eritrea, dessen Truppen an der Seite des äthiopischen Militärs in Tigray kämpfen, nahm nicht an den Gesprächen teil. Unklar ist, ob das an Tigray angrenzende Land eine Verhandlungslösung akzeptieren wird.

Hintergrund des Konflikts ist ein Streit um die Macht in Tigray und den Einfluss der dort lange regierenden Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Auch landesweit hatte die TPLF lange Zeit eine führende Stellung in Politik und Militär, wurde jedoch nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Abiy 2018 in ihrem Einfluss zurückgedrängt.

Militärischer Konflikt seit 2020

Als Abiy im September 2020 Regionalwahlen in Tigray wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschob, organisierte die TPLF trotzdem eine Abstimmung. Die wiederum erklärte Abiy für ungültig. Danach nahmen die Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung weiter zu und eskalierten nach einem Zusammenstoß Anfang November 2020 in einen militärischen Konflikt.

Zwischenzeitlich machte zwar eine Ende März ausgerufene Waffenruhe den Weg frei für dringend benötigte humanitäre Hilfslieferungen in die umkämpften Regionen. Doch im August kam es erneut zu Kämpfen.

Zuletzt meldete die äthiopische Armee Erfolge. So nahmen Soldaten Mitte Oktober die strategisch wichtige Stadt Shire im Norden der Region ein. Grundsätzlich gibt es wenige unabhängige Berichte aus Tigray, weil das Internet und Telefonnetz immer wieder unterbrochen werden.

Millionen Menschen hungern

Nach zwei Jahren zermürbender Kämpfe ist die humanitäre Lage katastrophal. Millionen von Menschen hungern und sind auf Hilfe angewiesen. Immer wieder haben Hilfsorganisationen Schwierigkeiten, Lieferungen und ihr Personal in die betroffenen Regionen zu bringen, weil diese blockiert werden. Allen Konfliktparteien werden zudem schwere Menschenrechtsverbrechen vorgeworfen.

Laut einem im September veröffentlichten UN-Bericht gibt es hinreichend Gründe für die Annahme, dass außergerichtliche Tötungen, Vergewaltigungen, sexuelle Gewalt und Hunger als Mittel der Kriegsführung eingesetzt wurden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. November 2022 um 21:45 Uhr.