Autos brennen nach einem Anschlag in der ugandischen Hauptstadt Kampala. | AFP

Anschläge in Uganda Katz-und-Maus-Spiel mit den Terroristen

Stand: 20.11.2021 11:14 Uhr

Seit Jahren terrorisiert die islamistische ADF-Miliz Menschen im Kongo. Nun wird sie auch hinter dem jüngsten Attentat in Uganda mit drei Toten vermutet. Wie gehen die Länder gegen die Terroristen vor?

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Anfang der Woche finden in Ugandas Hauptstadt Kampala Aufräumarbeiten statt: Drei Selbstmordattentäter auf Motorrädern hatten sich in die Luft gesprengt - mitten in der Innenstadt, nahe am Parlament und an der zentralen Polizeistation. Drei Menschen wurden dabei getötet und mehr als 30 verletzt. Der Bürgermeister des Stadtbezirks ist erschüttert: "Es ist fürchterlich anzusehen", sagt Salim Uhuru. "Ich habe einen meiner Freunde verloren, einen Polizisten. Wenn diese Leute es schaffen, so nah an einem Polizeigelände eine Bombe zu zünden, zeigt das, wie ernst die Lage ist."

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Es war der blutigste von mehreren Anschlägen innerhalb weniger Wochen in Uganda. Die Behörden machen dafür eine Gruppierung verantwortlich, die sich "Alliierte Demokratische Kräfte", kurz ADF, nennt. Die Miliz hat ihre Wurzeln in Uganda, operiert jetzt aber vor allem von der benachbarten Demokratischen Republik Kongo aus.

Autos brennen nach einem Anschlag in der ugandischen Hauptstadt Kampala. | AFP

Drei Menschen wurden bei den Explosionen in Kampala getötet, mehr als 30 weitere verletzt. Bild: AFP

Mit dem "Islamischen Staat" verbündet

"Die Art und Weise, in der die Attacken verübt wurden, weist eindeutig darauf hin, dass zur ADF-Miliz gehörende Kräfte dahinter stecken", erklärt Polizeisprecher Fred Enanga. "Wir sehen das an der Bauweise der Sprengsätze."

Teile der Extremistengruppe verbündeten sich 2019 mit der IS-Miliz, die sich offiziell zu den Attacken in Uganda bekannte. Wie stark die Verbindungen tatsächlich sind, ist jedoch umstritten. Brigadegenerälin Flavia Byekwaso von der ugandischen Armee sagte im britischen Sender BBC, die Islamisten operierten aus dem Untergrund: "Das sind Schläferzellen. Sie bekommen ihre Anweisungen aus dem Kongo. Wir müssen sie jetzt ausschalten."

Sicherheitskräfte töteten nach den Anschlägen mehrere Verdächtige. Darunter einen muslimischen Geistlichen, den die Polizei als Anstifter ausgemacht hatte. Mehr als 20 mutmaßliche Extremisten wurden festgenommen.

Etwa 900 Menschen getötet

Die ADF-Miliz terrorisiert seit langem die Bevölkerung im Ost-Kongo. Gegründet wurde die Organisation in den 1990er-Jahren von muslimischen Rebellen in Uganda. Nach mehreren Niederlagen gegen die Armee zog sie sich in das Nachbarland zurück, in die Region rund um die Stadt Beni.

Zerstörte Dörfer zeugen hier von den Gräueltaten der Miliz. Tausende Menschen flohen. Ein alter Mann führt ein belgisches Filmteam durch eine verlassene Siedlung: "Diese Häuser waren alle bewohnt. Aber jetzt ist keiner mehr da", erzählt er. "Als der Bewohner dieses Hauses Schüsse hörte, hat er sich unter dem Bett versteckt. Aber sie fanden ihn, haben sie ihn mit Macheten angegriffen und dann erschossen."

Etwa 900 Menschen soll die ADF-Miliz im vergangenen Jahr nach UN-Angaben im Kongo getötet haben. Als Reaktion verhängte die Regierung schon vor Monaten das Kriegsrecht. Doch viel erreicht hat sie damit nicht. Die Miliz weitet ihren Aktionsradius zunehmend auf die Nachbarstaaten aus. Auch in Ruanda soll sie nach Angaben der Behörden schon Anschläge geplant haben. Anfang Oktober wurden dort mehrere mutmaßliche ADF-Mitglieder verhaftet.

Grenzsicherung als heikle Mission

Soldaten aus Uganda unterstützen die kongolesische Armee bereits beim Kampf gegen die Miliz. Ein Twitter-Eintrag von Präsident Yoweri Museveni lässt vermuten, dass dieses Engagement jetzt ausgeweitet werden soll: "Die Terroristen haben uns eingeladen", schreibt er. "Wir werden kommen, um sie zu holen."

Einfach werde ein solcher Einsatz aber nicht werden, meint Brigadegenerälin Byekwaso: "Die Grenze zum Kongo ist sehr lang." Man könne sie nicht komplett sichern. "Die Terroristen können immer irgendwie ins Land gelangen. Wenn wir weitere Anschläge verhindern wollen, müssen wir die Situation im Osten des Kongo stabilisieren."

Das allerdings versucht auch einer der weltweit größten Blauhelm-Einsätze der Vereinten Nationen schon seit mehr als 20 Jahren vergeblich.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Eine Welt" am 20. November 2021 um 13:32 Uhr.