Geistliche tragen den Sarg des anglikanischen Erzbischofs Desmond Tutu in die St.-Georgs-Kathedrale in Kapstadt. | dpa

Gedenkfeiern für Nobelpreisträger Südafrika trauert um Desmond Tutu

Stand: 30.12.2021 17:30 Uhr

Manche trauern still, manche singen und tanzen ihm zu Ehren: In ganz Südafrika gedenken die Menschen des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu. In Kapstadt wurde sein Leichnam öffentlich aufgebahrt.

Von Karin Wehrheim, ARD-Studio Johannesburg

Die Schlange der um Desmond Tutu Trauernden vor der Kathedrale St. George in Kapstadt ist lang. Vor den Portalen liegen Kondolenzbücher aus, der Zugang hinein ist wegen Corona streng begrenzt. Der schlichte Sarg aus Pinienholz war im Schritttempo durch die Innenstadt gefahren und von anglikanischen Priestern in die Kathedrale getragen worden.

Tutus Witwe Leah, den vier Kindern und deren Partnern gehörten die ersten Momente. Der jetzige Erzbischof, Thabo Makgoba sagte anschließend:

Danach haben wir den Sarg geöffnet, wir haben gebetet und Tutus Lieblingschoral gesungen: 'Genau so wie ich bin, liebt mich Gott'. Dann haben wir lange zusammen geschwiegen, denn Erzbischof Desmond war ein Mann des Gebetes, er liebte das Schweigen, zog sich manchmal einen Tag, eine Woche, einen Monat schweigend zurück. Als Familie und Kirche haben wir ihm zu Ehren Stille bewahrt.

Desmond Tutus Sarg steht vor dem Hochaltar, nur mit einem einzigen Bouquet aus Nelken geschmückt. So hatte es sich der 90-Jährige gewünscht. Aber nicht nur in Kapstadt trauern die Menschen. In Johannesburg fand am Mittag eine fast dreistündige offizielle Trauerfeier statt.

"Wir vermissen dich. Wir danken dir."

In der Kathedrale St. Mary's hatte Tutu ab 1975 als erster schwarzer Dekant und später Bischof Südafrikas gewirkt und mit scharfen Worten gegen Apartheid, Unrecht und Unmenschlichkeit angekämpft. Mehrere Enkel Tutus waren anwesend. Einer von ihnen erzählte kurz, wie viel seinem Großvater diese Kirche bedeutet habe. Er endete mit den Worten: "Wir vermissen dich. Wir lieben dich. Wir danken dir."

Im Township Soweto bei Johannesburg hatten sich am Mittwoch Nachbarn, Freunde und Vertreter aus Kirche und Politik vor dem Haus versammelt, in dem Tutu mit seiner Familie lebte, bevor er nach Kapstadt ging. Bewegende Wort fand Nachbarin Mabel Chakela. Desmond und Leah Tutu hätten sich immer um alle in der Straße gekümmert. Der Bischof von Johannesburg, Steve Moreo, sagte, The Arch, der Erz, wie Tutu von vielen liebevoll genannt wird, sei bei aller Kritik an Missständen immer getrieben gewesen von Liebe.

Alle sangen gemeinsam auf isiZulu. Jeder, auch der Bischof, tanzte dazu. "Was dieser Mann für die Weltgemeinschaft getan hat, ist jenseits aller Bücher, aller Bibliotheken, es ist in den Herzen, den Köpfen und dem Leben der Menschen", sagte der Dekan der anglikanischen Kirche in Johannesburg, Xolani Dlwati. "Er hat viele beeinflusst in ihrem Leben. Deshalb wird er immer gefeiert werden in Südafrika und der Welt."

Blumen, Kerzen, Trauerbotschaften

Den Wohnsitz in Soweto hatte Tutu 1975 bewusst gewählt, er wollte nicht am Dienstsitz seiner weißen Vorgänger in einem weißen Vorort Johannesburgs leben. Vor seinem Haus in der Straße, wo außer Familie Tutu auch Familie Mandela einst wohnte, legen Menschen seit Sonntag Blumen ab, stellen Kerzen auf und hinterlassen Trauerbotschaften.

"Er war jemand, der Südafrika immer vor Augen geführt hat, was die richtige Richtung ist", beschreibt ihn ein Trauernder. Eine Frau sagt: "Ich denke, er hinterlässt den kommenden Generationen ein riesiges Vermächtnis." Sie werde aber von Desmond Tutu vor allem eines in Erinnerung behalten: sein ansteckendes Lachen.

Er hat immer seinen Standpunkt klar gemacht, gesagt, was er denkt. Aber er konnte trotzdem lachen mit denen, die anderer Meinung waren. Und das ist wundervoll.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.