Aufräumarbeiten in der Provinz Kwazulu-Natal | AP

Überschwemmungen in Südafrika Die Ruhe nach dem Sturm

Stand: 15.04.2022 03:51 Uhr

Mehr als 300 Menschen haben die Fluten in Südafrikas Küstenprovinz Kwazulu-Natal nicht überlebt. Inzwischen beginnen die Aufräumarbeiten. Die Schadenssumme kann bisher nicht beziffert werden, noch läuft die Nothilfe.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Ein sonniger Tag im Südosten Südafrikas hat den Helfern etwas Luft verschafft. Einige der Straßen, die als Hauptachsen fungieren, sind wieder offen, viele Organisationen bringen Lebensmittel, Kleidung und Hygiene-Artikel in die Provinz Kwazulu-Natal. In Umlazi zum Beispiel, einem Außenbezirk ganz im Südwesten der Hafenstadt Durban, profitiert Sinethemba Duka davon. Er ist in einer Art Gemeindezentrum untergekommen.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

"Ich hatte Angst. Wie kann man keine Angst haben, wenn man so viel schmutziges Wasser sieht? Natürlich hatte ich Angst", erzählt Duka. "Es stand sehr hoch, ich glaube, es ging bis zum Dach hoch." Er könne nicht einmal sein Haus wieder aufbauen, weil es wegen des vielen Wassers keinen Platz mehr dafür gebe.

Viele Existenzen zerstört

So mancher steht vor dem Nichts. Egal, wohin man schaut, sieht man Trümmer und Schlamm. Den ganzen Tag über waren Mitglieder der Regionalregierung unterwegs, um sich den Schaden anzusehen, aber auch um denjenigen beizustehen, die Angehörige verloren haben. Auch der Ministerpräsident von Kwazulu-Natal, Sihle Zikalala, war vor Ort. 

"Wir können die Verwüstung sehen, das Schlimmste, was wir erwarten konnten, etwas, woran niemand je gedacht hätte. Wir haben aber schon angefangen, Unterstützung zu leisten", sagt Zikalala. "Wir wissen, dass die Menschen Lebensmittel und Kleidung verloren haben, einige haben nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Wir arbeiten daran, allen Menschen in Kwazulu-Natal die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen."

Weggespülte Straße in der Provinz Kwazulu-Natal | AP

Weggespülte Straßen erschweren die Aufräumarbeiten zusätzlich. Bild: AP

Infrastruktur schwer beschädigt

Tausende Häuser sind zerstört oder beschädigt, Straßen sind weggebrochen, Brücken eingestürzt, sogar ein Staudamm brach unter den Wassermassen. Deshalb rechnen Behörden damit, dass sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen wird. Such- und Rettungsteams sind weiter im Einsatz. Keine leichte Zeit, sagt Paul Herbst, er ist Notarzt bei Medi Response.

"Es ist sehr zeitaufwendig. Man kämpft mit einer Menge Umweltfaktoren. Ich meine das Wasser, das steigende Wasser, die Stärke des Wassers. Ich glaube nicht, dass wir sehr gut darauf vorbereitet waren, es kam sehr plötzlich. Der Großteil unserer Ausrüstung war an zentralen Punkten gelagert. Dazu kommt, es ist auch nicht immer ein sicherer Einsatz, wenn nur zwei Männer zu einem der Rettungsteams gehören, die weit verstreut sind. Aber heute sind vier Hubschrauber mit Rettungskräften im Einsatz, zahlreiche Schiffe sind eingetroffen und es gibt viele Helfer, viele Ressourcen, die gerade nach Kwazulu-Natal kommen, um uns zu unterstützen."

Vorwürfe an Behörden und Verantwortliche

Nach wie vor sind nicht alle Betroffenen erreicht worden, die Provinz Kwazulu-Natal ist ein großes Gebiet. Kritik bleibt zu hören, die Behörden hätten die Kanalisation vernachlässigt und Abflusswege für Wasser nicht bedacht. Dabei gibt es an der Universität von Kwazulu Natal in Durban auch Städteplaner wie Hope Magidimisha-Chipungu, die sagt: "Metropolen müssen sich auf Katastrophen vorbereiten, und nicht erst handeln, während sie passieren."

Viele Menschen, deren Zuhause einfach weggeschwemmt wurde oder stark beschädigt ist, übernachten auch heute wieder in provisorisch eingerichteten Gebäuden, teilweise von den Kommunen bereitgestellt, teilweise von Kirchen. In Reservoir Hills aber, einem Stadtteil im Nordwesten von Durban, schlafen Hunderte wieder unter freiem Himmel, erzählt dieser Mann: "Wir haben keinen Schlafplatz. Am ersten Tag hat die Politik mit der Schule vereinbart, dass dort ein paar Menschen übernachten können. Aber es ist nicht genug Platz, mehr ist nicht passiert. Dabei ist hier enormer Schaden entstanden." 

Zerstörte Wasserleitungen in der Provinz Kwazulu-Natal | AP

Auch Wasserleitungen wurden vielerorts zerstört. Bild: AP

Hoffnung auf regenfreie Tage

Die Behörden können nicht überall gleichzeitig sein, heißt es aus der Regierung. Immerhin: Ein bisschen Zeit zu helfen, gibt es, sagt Vanetia Phakula vom südafrikanischen Wetterdienst. "Morgen erwarten wir keinen Regen, das Katastrophenmanagement hat dann etwas Zeit, den Menschen zu helfen. Am Wochenende rechnen wir allerdings zu 60 Prozent mit Regen und Gewittern. Die Regenmenge wird aber nicht so hoch sein wie in den vergangenen Tagen."

Durban und die Küste des Indischen Ozeans sind normalerweise beliebte Osterreiseziele. In diesem Jahr heißt es dort eher: Aufräumen. In Durban wird es nicht das Ostern, das die Menschen geplant hatten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. April 2022 um 16:35 Uhr.