Ein geplündertes Geschäft in Südafrika | AFP

Proteste und Plünderungen Gewalt in Südafrika weitet sich aus

Stand: 14.07.2021 13:47 Uhr

Die seit Tagen anhaltende Gewalt in Südafrika breitet sich auf immer mehr Orte aus. Mehr als 70 Menschen starben bereits bei den Ausschreitungen, Hunderte wurden festgenommen, zahlreiche Läden zerstört.

Die tagelangen gewaltsamen Ausschreitungen in Südafrika nach dem Haftantritt von Ex-Präsident Jacob Zuma haben sich ausgeweitet. Zuletzt griffen Proteste und Plünderungen auf die Provinzen Mpumalanga und Nordkap über. Zuvor hatten sie sich vor allem auf Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal und das Finanz- und Wirtschaftszentrum Johannesburg sowie die umliegende Provinz Gauteng konzentriert. Es gibt zunehmend Stimmen, die die Regierung auffordern, einen Ausnahmezustand zu verhängen.

Erneut wurden in mehreren Städten Geschäfte, Einkaufszentren, Büros und Lagerhäuser geplündert und teils in Brand gesteckt, etwa in der Johannesburger Vorstadtsiedlung Soweto und der Hafenstadt Durban, wie Videoaufnahmen zeigten. Soldaten wurden auf die Straßen entsandt, um die zahlenmäßig unterlegene Polizei zu unterstützen. Das Militär wurde laut Regierungsangaben vor allem an strategischen Punkten rund um Krankenhäuser und Flughäfen, aber auch im Township Alexandra bei Johannesburg stationiert.

Aus Townships rund um Städte wie Kapstadt, Mahikeng oder East London kamen Berichte über zivile Anwohnergruppen, die ihre Infrastruktur gegen Plünderer zu schützen versuchten. Nachdem es Polizeiberichte zu einem Übergreifen der Plünderungen auf weitere Provinzen gab, formierten sich dort Gegenbewegungen. Dennoch gab es weitere Berichte über Plünderungen.

Mehr als 70 Tote

Die Unruhen sind die blutigsten seit Beginn der Demokratie 1994. Nach Angaben von Sicherheitskräften starben 72 Menschen. Die meisten kamen demnach bei Massenpaniken während der Plünderungen um, einzelne starben bei Explosionen von Geldautomaten. Mehr als 1200 Menschen wurden demnach festgenommen. Hunderte Geschäfte wurden zerstört.

Die Situation wird verschärft durch die Corona-Krise - viele Impfzentren sind wegen der Unruhen geschlossen. Zudem drohen Versorgungsengpässe, weil seit Tagen eine der wichtigsten Verbindungen - die Autobahn N3 von Afrikas bedeutendstem Hafen in Durban nach Johannesburg - gesperrt ist. Die geschätzten Schäden für die zuvor schon angeschlagene Volkswirtschaft des Landes werden mittlerweile auf mehrstellige Millionenbeträge geschätzt.

Zuma für 15 Monate in Haft

Auslöser war die Inhaftierung des ehemaligen Präsidenten Zuma, viele Anhänger des 79-Jährigen gingen auf die Straße. Immer stärker rückte aber Wut und Enttäuschung über die soziale Ungleichheit in den Mittelpunkt, die auch 27 Jahre nach Ende der Apartheit immer noch existiert. Zuma stellte sich am Wochenende selbst der Polizei und trat seine 15-monatige Haftstrafe an. Er war dazu verurteilt worden, weil er sich weigerte, bei Ermittlungen zu Korruption während seiner neunjährigen Amtszeit, die 2018 endete, auszusagen.

Mit Informationen von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 14. Juli 2021 um 13:36 sowie Inforadio um 10:22 Uhr.