Graffitti zeigt eine Afrikanerin mit Corona-Maske | EPA

Südafrika Neue Variante mit vielen Mutationen

Stand: 26.11.2021 07:28 Uhr

Bisher grassiert die Delta-Variante in Europa und bringt Gesundheitssysteme an deren Grenzen. Jetzt verbreitet sich in Südafrika eine Variante, die schlimmer sein könnte. Erste Länder ziehen Konsequenzen für Reisende.

Die Ausbreitung einer neuen, möglicherweise sehr gefährlichen Variante des Coronavirus' im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD teilte mit, es seien in Südafrika erste 22 Fälle der neuen Variante nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen. "Obwohl die Datenlage noch beschränkt ist, machen unsere Experten mit allen Überwachungssystemen Überstunden, um die neue Variante und die damit möglicherweise verbundenen Implikationen zu verstehen", hieß es. Bestätigt wurden auch Fälle in Botswana und Hongkong.

Plötzlich wieder viele Neuinfektionen

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Variante als "ernsthaft besorgniserregend" und als Ursache für einen "exponentiellen" Anstieg der gemeldeten Fälle in Südafrika. Es sei auffällig gewesen, wie stark die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen gestiegen seien - nach Monaten mit sehr wenigen positiven Tests. Der Anstieg sei vor allem in Pretoria, Johannesburg und Ekuhurleni verzeichnet worden. Er rief die Südafrikaner auf, Masken zu tragen und sich impfen zu lassen.

Die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen in Südafrika war am Mittwoch auf mehr als 1200 gestiegen. Anfang des Monats waren es teils nur rund 100 Neuansteckungen. In Südafrika war vergangenes Jahr bereits die Beta-Variante des Virus entdeckt worden. Mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89.600 Toten ist es das am schwersten betroffene Land in Afrika. 

Mindestens zehn Mutationen

Laut Wissenschaftlern weist die neue Variante mindestens zehn Mutationen auf, andere sprechen von bis zu 30. Bei der Delta-Variante sind es zum Vergleich nur zwei, bei Beta drei. Richard Lessels vom KRISP-Institut sagte, es gebe Anzeichen dafür, dass die neue Variante sich schneller verbreite als Delta und vielleicht auch das menschliche Immunsystem stärker strapaziere. Die kommenden Tage und Wochen seien entscheidend, um weitere Informationen zu erhalten. Bislang hat sich die Variante laut Experten vor allem unter jungen Menschen ausgebreitet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte, sie beobachte die neue Variante "genau". Voraussichtlich heute wird die WHO dazu tagen und entscheiden, ob B.1.1.529 als Variante "von Interesse" oder als "besorgniserregend" eingestuft werden sollte. Es ist zu erwarten, dass die WHO der Variante dann auch einen griechischen Namen gibt.

Konsequenzen für Reisende

Aus Sorge vor der neuen Variante des Coronavirus stufte Israel Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini als "rote Länder" ein. Ausländer von dort dürfen nicht mehr nach Israel einreisen. Israelis, die aus diesen Ländern zurückkehren, müssen für bis zu 14 Tage in Quarantäne in ein Corona-Hotel. Nach einer Woche könnten sie sich jedoch mit zwei negativen PCR-Tests freitesten.

Die britische Regierung schränkt den Flugverkehr aus Südafrika, Lesotho, Botsuana, Simbabwe, Eswatini und Namibia ein. Er werde am Freitagnachmittag eingestellt, hieß es. Reisende, die bis dahin noch aus einem dieser Länder in Großbritannien ankommen, müssten sich in Quarantäne begeben und am zweiten und achten Tag einen PCR-Test machen. Alle Reisenden, die in den vergangenen zehn Tagen aus diesen Ländern gekommen waren, wurden aufgerufen, sich zu isolieren und testen zu lassen.

Bislang wurden in Großbritannien keine Fälle mit der neuen Variante festgestellt. Doch täglich kommen laut der Nachrichtenagentur PA bis zu 700 Menschen allein aus Südafrika in dem Land an. Über die Weihnachtszeit wird mit einer noch höheren Zahl gerechnet.

Auch in Japan und Singapur gibt es verschärfte Grenzkontrollen für Reisende aus Südafrika und andere afrikanische Staaten. Indiens Gesundheitsministerium erklärte: Internationale Reisende aus Südafrika und anderen Ländern sollten konsequent getestet und geprüft werden.

Mit Informationen von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2021 um 08:27 Uhr.