Zwei Frauen gehen in Johannesburg mit Mundschutz an einem Graffiti vorbei, das ebenfalls Frauen mit Mundschutz zeigt (Archivbild vom 28. Januar 2021). | AP

Wissenschaftler besorgt Neue Corona-Variante in Südafrika entdeckt

Stand: 25.11.2021 23:47 Uhr

Forscher in Südafrika haben eine neue Corona-Variante identifiziert. Diese gebe "Anlass zur Sorge" und weise eine hohe Zahl von Mutationen auf. Erste Länder ziehen Konsequenzen für Reisende.

In Südafrika ist Wissenschaftlern zufolge eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Die Variante weise "eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf", sagte der Chef des Genomforschungsinstitut KRISP, Tulio de Oliveira. Sie gebe in dem Land "Anlass zur Sorge". Die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen diese Virusvariante sei noch unklar. Bislang sei die Variante auch in Botswana und Hongkong bei Reisenden aus Südafrika entdeckt worden.

Viele Infektionen nach Monaten der Entspannung

Noch heißt die neue Variante B.1.1.529 - schon im Kürze wird die Weltgesundheitsorganisation ihr wohl einen griechischen Namen geben. Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Variante als "ernsthaft besorgniserregend" und als Ursache für einen "exponentiellen" Anstieg der gemeldeten Fälle in Südafrika. Es sei auffällig gewesen, wie stark die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen gestiegen seien - nach Monaten mit sehr wenigen positiven Tests.

Der Anstieg sei vor allem in Pretoria, Johannesburg und Ekuhurleni verzeichnet worden. Deshalb hätten Genomforscher im ganzen Land auf Hochtouren in ihren Laboren gearbeitet und die neue Variante nachgewiesen. Woher sie stammt, ist unklar - nachgewiesen wurde sie nun in Südafrika.

Anzeichen für schnellere Verbreitung

Laut Wissenschaftler weist die neue Variante mindestens zehn Mutationen auf - bei der Delta-Variante sind es zum Vergleich nur zwei, bei Beta drei. Richard Lessels vom KRISP-Institut sagte, es gebe Anzeichen dafür, dass die neue Variante sich schneller verbreite als Delta und vielleicht auch das menschliche Immunsystem stärker strapaziere. Die kommenden Tage und Wochen seien entscheidend, um weitere Informationen zu erhalten. Bislang hat sich die Variante laut Experten vor allem unter jungen Menschen ausgebreitet. 

Die WHO erklärte, sie beobachte die neue Variante "genau". Morgen wird die Organisation voraussichtlich auf einer Sitzung entscheiden, ob B.1.1.529 als Variante "von Interesse" oder als "besorgniserregend" eingestuft werden sollte.

Die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen in Südafrika war am Mittwoch auf mehr als 1200 gestiegen. Anfang des Monats waren es noch deutlich niedrigere Zahlen mit zeitweise nur rund 100 Neuansteckungen. In Südafrika war vergangenes Jahr bereits die Beta-Variante des Virus entdeckt worden. Mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89.600 Toten ist es das am schwersten betroffene Land in Afrika. 

Konsequenzen für Reisende

Aus Sorge vor der neuen Variante des Coronavirus verhängte Israel sofortige Reisebeschränkungen für Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini. Ausländer dürfen aus diesen Ländern nicht mehr nach Israel einreisen. Israelis, die aus diesen Ländern zurückkehren, müssen für bis zu 14 Tage in Quarantäne in ein Corona-Hotel. Nach einer Woche könnten sie sich jedoch mit zwei negativen PCR-Tests freitesten.

Auch Großbritannien reagierte und stellte den Reiseverkehr mit diesen Ländern ein. Alle Flüge dorthin und zurück würden von Freitagmittag an eingestellt. Reisende, die bis dahin noch aus einem dieser Länder in Großbritannien ankommen, müssten sich in Quarantäne begeben und am zweiten und achten Tag einen PCR-Test machen. Alle Reisenden, die in den vergangenen zehn Tagen aus diesen Ländern gekommen waren, wurden aufgerufen, sich zu isolieren und testen zu lassen.

Mit Informationen von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 25. November 2021 um 15:34 Uhr.