Menschen plündern einen Lastwagen im südafrikanischen Durban. | REUTERS

Versorgungskrise wegen Unruhen Teile Südafrikas versinken im Chaos

Stand: 16.07.2021 18:59 Uhr

Auch eine Woche nach Beginn der Ausschreitungen in Südafrika kommt das Land nicht zur Ruhe. 212 Menschen sollen bislang getötet worden sein. Während immer wieder Gewalt aufflammt, werden Lebensmittel und Medikamente knapp.

Rund eine Woche nach dem Ausbruch der Unruhen in Südafrika hält die Gewalt an. Noch immer kommt es vereinzelt zu Angriffen und Plünderungen. 212 Menschen wurden bislang getötet, etwa 2500 wurden in den betroffenen Provinzen KwaZulu-Natal und Gauteng festgenommen, wie die Regierung mitteilte.

Die Proteste richteten sich zuerst gegen die Inhaftierung des aus KwaZulu-Natal stammenden Ex-Präsidenten Jacob Zuma. Der 79-Jährige musste vor einer Woche eine 15 Monate lange Haftstrafe wegen Missachtung der Justiz antreten. Dem Protest folgten heftige Ausschreitungen und Plünderungen.

Präsident Ramaphosa verurteilt "Anarchie und Chaos"

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sagte bei einem Besuch in der besonders betroffenen Hafenstadt Durban, es sei klar, dass die Unruhen durch Hintermänner koordiniert worden seien. "Es ist offenkundig, dass zu all diesen Zwischenfällen und Plünderungen angestiftet wurde. Es gab Leute, die sie geplant, die sie koordiniert haben", sagte der 68-Jährige. Einige dieser Leute seien bereits identifiziert worden und man suche nach ihnen. "Wir werden keine Anarchie und Unruhe in unserem Land gestatten."

Mit Blick auf die Opferzahlen sagte Ramaphosa, die Lage hätte schlimmer ausgehen können. "Ja, wir hätten besser sein können, aber wir waren überwältigt von der Situation." Oberstes Ziel der Polizei sei gewesen, weitere Verluste an Menschenleben zu vermeiden. Ziel der ungenannten Hintermänner sei eine Destabilisierung der Wirtschaft gewesen. Anders als angenommen sei die Gewalt nicht ethnisch bedingt.

Zehntausende Soldaten im Einsatz

Die Zahl der Toten könne noch weiter steigen, gab die Ministerin im Präsidialamt, Khumbuzo Ntshaveni, später bekannt. Trotz vereinzelter Übergriffe vor allem in der Küstenprovinz KwaZulu-Natal habe das Militär die Lage weitgehend unter Kontrolle gebracht, so dass wichtige Verkehrsachsen nun geöffnet würden.

Die Regierung mobilisierte insgesamt 30.000 Soldaten, um die gewalttätigen Proteste und Plünderungen zu beenden. Es handelt sich dabei um einen der größten Militäreinsätze seit Bestehen eines demokratischen Südafrikas. Die Regierung schickte das Militär unter anderem in die Ballungsgebiete um die Großstädte Johannesburg und Pretoria, nachdem die Polizei den Plünderern dort zahlenmäßig weit unterlegen war.

Lebensmittel und Medikamente werden knapp

Wegen der Unruhen verschärfen sich in den betroffenen Provinzen die Versorgungsengpässe. Ein Problem sei die Sperrung wichtiger Transportrouten, warnten Verbraucherorganisationen. Selbst das Mehl für die Bäckereien werde knapp. Raffinerie-Schließungen in Durban führten zu langen Schlangen vor den wenigen geöffneten Tankstellen. Die Regierung warnte vor Hamsterkäufen und erließ vorübergehend ein Verbot, Benzin in Kanistern zu kaufen.

Nach Informationen der Molkerei-Organisation SAMPRO müssen Landwirte ihre Milch vernichten, da kein Transport von den Ställen möglich ist. Nach bislang unbestätigten Medienberichten wurden einige Farmen geplündert. Weil in KwaZulu-Natal auch Drogerien und Kliniken ausgeraubt wurden, sind zudem Medikamente knapp.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 15. Juli 2021 um 19:25 Uhr.